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Jubiläum eines Hexenmeisters

Erwin Geiger und seine Funkenhexe
Erwin Geiger und seine Funkenhexe ©Edith Rhomberg
Seit 40 Jahren ist der gelernte Raumausstatter Erwin Geiger geradezu prädestiniert für die professionelle Fertigung der Funkenhexe für die Schottar Funker in Haselstauden.
Funkenhexenbauer Erwin Geiger

Dornbirn. In einer Garage hat bekanntlich manches erfolgreiche Unternehmen seinen Ursprung. Mit der Puppe des Erwin Geiger ist es genauso. Sie wird jeweils zu Beginn des Jahres in seiner Garage in der Haselstauderstraße gebaut, ausgestopft, angezogen und bemalt. Dass es sich bei ihrer stattlichen Größe von 2,80 Meter nicht um eine gewöhnliche Puppe handelt, steht fest. Und spätestens das Anbringen des obligaten Feuerwerkskörpers macht sie zur Hexe, die am Funkensonntag auf der Spitze des Funkens beim Sportplatz explodiert. „All die Jahre hat es ohne Panne geklappt. Die Hexe hat immer schnell gebrannt und das muss so sein“, sagt Erwin Geiger und ist sehr zufrieden mit seinem Werk. Einmal wurde die Hexe entführt, aber dieser Streich ist eine andere Geschichte.

In die Funkenhexe wird viel Arbeit investiert
Viele Stunden wendet Erwin Geiger allein für das Nähen der Stoffteile und des Kleides samt Schürze auf. In seiner Werkstatt steht noch die alte Bernina aus der Zeit als selbständiger Raumausstatter. Die Nähmaschine leistet ihm immer noch gute Dienste. „Beim Anziehen der riesigen Puppe und beim Umbinden der Schürze hilft mir meine Frau“ sagt er und erzählt weiter, dass ihn auch Bernhard, einer der Söhne, bei der Arbeit unterstützt. Inzwischen hat der Funkenhexenbauer mindestens 50 Hexen nach eigener Vorlage gebaut, darunter einige für den Kinderfunken. Und der rüstige Pensionist weiß, dass er über die Jahre ungefähr 770 Quadratmeter Stoff verarbeitet hat. 1200 Stoffteile wurden von ihm zusammengenäht und wieder passend laut Plan zugeschnitten.

Die Hexe, die er rief, wurde er nicht mehr los
Wie kam Erwin Geiger überhaupt zur langjährigen Tätigkeit als Hexenmeister? „Die Idee dazu hatte ich selbst“, erinnert er sich an den Anfang. Als ihn der Verein seinerzeit um eine Spende für die Abhaltung des Funkens fragte bot er an, die Hexe beizusteuern. So begann das Abenteuer des Hexenbauens für ihn und wiederholte sich Jahr für Jahr. Und weil vom zugekauften Stoff immer ein paar Reste übrig bleiben sieht es so aus, als hätte er auch für das 41. Jahr noch Ambitionen, das Material zu verwerten. Nicht nur Erwin Geiger hat sein persönliches 40. Hexenjubiläum, auch die Fasnatzunft Haselstauden, der Veranstalter des Schottar Funkens, feiert heuer ein Jubiläum. „Der 50. Geburtstag ist Grund genug, um das ganze Jahr für Humor und Geselligkeit zu sorgen und jeden Monat ein Fest zu veranstalten“, lautet die Ankündigung in der Website.

Alternative zur Funkenhexe?
Die Verbrennung der Hexenpuppe am Funkensonntag ist vermutlich erst im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Fastnacht entstanden und ist kein Relikt von den schrecklichen Hexenverbrennungen im Mittelalter. In der Schweiz ist es zum Beispiel der Böögg, der auf dem Funken verbrannt wird. Geiger hätte nichts dagegen, eine andere Figur statt einer Hexe zu bauen und zeigt sich flexibel in dieser Hinsicht. Er kennt aber bisher niemanden, den dieser alte Brauch stört.

Funkensonntag im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich
Auf Antrag von Mag. Hanno Platzgummer i.V. Funkenzunft Dornbirn Oberdorf wurde die Praxis des Funkensonntags in Vorarlberg im Bereich „Gesellschaftliche Praktiken“ im Jahr 2010 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

 

Zur Person
Erwin Geiger
Geboren: 1936
Familie: Verheiratet mit Herlinde, eine Tochter und zwei Söhne, zwei Enkelkinder
Weitere Hobbys: Arbeiten im Haus und Garten, Französische Konversation im Sprachencafé

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