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Joe Biden: Obamas erfahrener Stellvertreter

Vizepräsident Joe Biden liebäugelt offenbar mit Kandidatur 2016.
Vizepräsident Joe Biden liebäugelt offenbar mit Kandidatur 2016. ©EPA
Mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung im US-Senat brachte Joe Biden mit, als er Anfang 2009 mit dem 18 Jahre jüngeren Barack Obama ins Weiße Haus einzog.

Als Vizepräsident war Biden dabei deutlich mehr als nur ein Sprachrohr seines Chefs, in den vergangenen vier Jahren beteiligte er sich aktiv an den Entscheidungen der Regierung. Nun wird der 69-Jährige eine weitere Amtszeit an der Seite Obamas stehen. Wagt er danach eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2016?

Stotter-Leiden als Kind

Joseph Robinette Biden wuchs in Scranton im Bundesstaat Pennsylvania auf, einer von Kohle und Schwerindustrie geprägten Stadt. Die ständige Finanznot seiner Eltern und ein Stotter-Leiden bescherten ihm eine schwierige Kindheit. Im Alter von zehn Jahren zog er mit seiner Familie in den Staat Delaware um, wo sein Vater sich bessere Chancen auf einen Job erhoffte.

Mit seiner Herkunft aus einfachen Verhältnissen und seiner jovialen Art überzeugte Biden bei der Präsidentschaftswahl 2008 auch Demokraten aus der Arbeiterschicht, denen Obama anfänglich suspekt war. In den vergangenen Monaten umwarb der Vizepräsident erneut vor allem diese Wählergruppe. Immer wieder trat er im Schlüsselstaat Ohio auf und pries dort Obamas Rettungsaktion für die Autoindustrie. “Osama bin Laden ist tot, General Motors lebt” – mit diesem Slogan fasste Biden das Wirken seines Chefs zusammen.

Senator mit 29

Nach einem Jus-Abschluss an der Universität Syracuse im Bundesstaat New York arbeitete Biden zunächst als Anwalt. Im Alter von erst 29 Jahren wurde er 1972 in Delaware zum Senator gewählt. Dem Triumph folgte die Tragödie: Wenige Wochen später starben seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Autounfall, die zwei Söhne überlebten schwer verletzt. Den Kindern zuliebe blieb er in seinem Heimatstaat wohnen und pendelte jeden Morgen zwei Stunden mit dem Zug in die Hauptstadt. Seit 1977 ist Biden mit seiner zweiten Frau Jill verheiratet, das Paar hat eine gemeinsame Tochter.

Die US-Verfassung räumt dem Vizepräsidenten eigentlich wenig Macht ein. In seinen 36 Jahren im Senat hatte sich Biden aber intime Kenntnisse als Fädenzieher im Kongress angeeignet, auf die Obama dankbar zurückgriff, um seine Politik im Washingtoner Machtgetriebe durchzusetzen.

Eigene Meinung stets vertreten

Als Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses im Senat brachte Biden auch wertvolle internationale Erfahrung mit ins Weiße Haus. Dabei vertrat er seine eigene Meinung. Als Obama zu Beginn seiner ersten Amtszeit über der geplanten Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan brütete, sprach sich Biden vehement gegen die Erhöhung um 30.000 Soldaten aus. Der Präsident hörte schließlich aber auf Verteidigungsminister Bob Gates, der mehr Soldaten befürwortete.

Verplaudert

So unbestritten wie Bidens außenpolitische Kompetenz ist seine Neigung zu verbalen Ausrutschern. Er redet viel und gerne – und veränderte damit womöglich die öffentliche Position von Obamas Regierung zur Homo-Ehe. In einem Interview im Mai plauderte Biden, er fühle sich “absolut wohl” mit einer Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Wenige Tage später musste Obama nachziehen und sprach sich als erster Präsident für eine Legalisierung der Homo-Ehe aus.

Bereits zwei Mal hat Biden selbst Anlauf aufs Präsidentenamt genommen, war dabei aber jeweils früh in den Vorwahlen gescheitert. Traditionell haben Vizepräsidenten in den USA oft selbst das Weiße Haus im Auge. Vor vier Jahren hatte Biden aber erklärt, sein Ehrgeiz werde sich darauf beschränken, Obamas Präsidentschaft zum Erfolg zu machen.

Kandidat bei Wahl 2013

Allerdings heizte Biden die Spekulationen an, als er kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt in Florida einen Anhänger der Republikaner aufforderte: “2016 wirst Du für mich stimmen”. Als er am Dienstag aus seinem Wahllokal in Delaware kam, fragte ihn ein Reporter, ob er nun das letzte Mal für sich gestimmt habe. “Nein, das glaube ich nicht”, antwortete Biden – und zeigte sein blendend weißes Lächeln. Als Kandidat bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2016 wäre er aber 73 Jahre alt.

(APA)

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