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JJ1 wird das Fell über die Ohren gezogen

Schwarzach - Bayern könnten sich vorstellen, den ausgestopften Vorarlbären an die "inatura" nach Dornbirn zu verleihen. Bis Ende des Jahres soll das Exponat fertig sein.

Überraschend schnell fiel der Schuss. In der Nacht auf den 25. Juni 2006 wurde der Vorarlbär – auch unter dem Namen Bruno oder JJ1 bekannt – von drei Jägern im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums am Spitzingsee erschossen.

Unverständnis und Wut herrschte in der Bevölkerung, bei den Behörden gingen zahlreiche Anrufe ein. „Die Palette der Anrufer war breit gefächert. Es gab hysterische Menschen, die uns beschimpft haben und auch Leute, die uns mit Mord gedroht haben“, sagt Pressesprecher Roland Eichhorn.

Inzwischen habe sich die Lage aber wieder beruhigt. Die Identität der Jäger sowie der genaue Ablauf der Aktion sind bis heute nicht bekannt. Auch Fotos vom Kadaver des Bären wurden und werden nicht in die Öffentlichkeit gelangen.

Der Bär selbst lag lange Zeit in Bayern auf Eis, bis der tiefgefrorene Kadaver in die Händen eines Oberösterreichers gegeben wurde. Tierpräparator Dietmar Schön aus Pfarrkirchen im Mühlkreis ist nämlich derzeit damit beschäftigt, JJ1 auszustopfen.

Schön gilt als absolute Koryphäe und ist sogar Vizeweltmeister der Präparatoren. Bereits sein Onkel war Jäger und Präparator. „Den Zugang zum Beruf bekam ich durch meine Naturliebe und Faszination an Präparaten“, verriet der 46-Jährige in einem Interview mit der Münchner Zeitung tz.

Nach einer vierjährigen „Erfahrungsreise“ durch Kanada, Norwegen, Italien und Namibia hat sich der Oberösterreicher auf Säugetiere spezialisiert, die er für verschiedene Museen präpariert.

Sich selbst bezeichnet Schön als Handwerker, der versucht, die Tiere so glaubwürdig wie möglich aussehen zu lassen.

„Ich muss die Anatomie des Bären genau studieren. Dafür recherchiere ich das Verhalten, schaue mir Filme an, gehe in den Zoo. Nur so kann man eine gute und naturnahe Arbeit abliefern“, ist Schön überzeugt.

JJ1 soll ein museumspädagogisch wertvolles Exponat werden. Der Bär wird deshalb weder der süße Teddybär, noch die zähnefletschende Bestie. Das war übrigens auch der Wunsch aus dem Umweltministerium.

Bis Ende des Jahres sollte der Bär fertig sein und nach Bayern zurückkehren. In welchem Museum der Bär sein neues Zuhause bekommt, steht aber noch nicht fest.

„Im Moment sind wir mit mehreren Museen in Bayern im Gespräch. Wir schauen uns verschiedene Konzepte an. Viel hängt vom Ausstellungsraum ab, denn der Bär soll in einer möglichst authentischen Umgebung stehen“, sagt Eichhorn.

Eigentümer des Vorarlbären bleibt der Freistaat Bayern. „Deshalb wird der Bär hier einen Dauerplatz bekommen. Wir können uns aber durchaus vorstellen, das Exponat für Ausstellungen zu verleihen – auch nach Vorarlberg!“

Bis Jahresende soll das Exponat fertig sein.

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