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Jeder Sechste ist ein Risikoschüler

Die große Frage, ob die österreichische Bildungspolitik aufgeht...
Die große Frage, ob die österreichische Bildungspolitik aufgeht... ©APA/Fohringer
Wien, Schwarzach - Jeder sechste Schüler erreicht die Bildungsstandards für Mathematik in der achten Schulstufe nicht. Das zeigen die am Dienstag präsentierten Ergebnisse der ersten Standard-Testungen unter 80.000 Schülern der vierten Klasse AHS, Hauptschule und Neue Mittelschule.
Einzelergebnisse Bundesländer
So wurde bewertet

Im Bundesländervergleich verzeichnete Oberösterreich die besten Ergebnisse – sowohl bei der absoluten Punktezahl (548; Ö-Schnitt: 535) als auch unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen an den Schulen. Das schlechteste Resultat bei der absoluten Punktezahl lieferte Wien (517), unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen schnitt Kärnten am schlechtesten ab.

Fünf Prozent verfehlen Bildungsstandards

Insgesamt übertrafen rund fünf Prozent der Schüler die Bildungsstandards und erreichten die höchste Kompetenzstufe 3. 53 Prozent erfüllten die Standards und schafften Kompetenzstufe 2, 26 Prozent erreichten sie teilweise und kamen auf Kompetenzstufe 1. 17 Prozent – das sind 13.300 Schüler – verfehlten dagegen die Standards (Kompetenzstufe “Unter 1”).

Volksschulen im internationalen Mittelfeld

Ebenfalls präsentiert wurden die internationalen Volksschul-Vergleichsstudien PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study/Lesen) und TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study/Mathe und Naturwissenschaften), quasi die kleinen Geschwister der PISA-Studie für 14-/15-Jährige. Hier sind die Ergebnisse gemischt: Bei PIRLS erreichten Österreichs Zehnjährige diesmal 529 Punkte, das sind um neun Punkte weniger als bei der letzten Teilnahme 2006. Damit landet Österreich auf Platz 25 von 45 untersuchten Ländern bzw. Rang 16 unter den 23 getesteten EU-Ländern. Bei TIMSS kamen die heimischen Schüler in der Mathematik auf 508 Punkte, das ist ein Plus von drei Punkten gegenüber der letzten Teilnahme 2007. Das ist Rang 23 unter 50 teilnehmenden Ländern bzw. Platz 14 unter den 21 teilnehmenden EU-Staaten.

In den Naturwissenschaften schafften die Österreicher mit 532 Punkten ein Plus von sechs Punkten gegenüber 2007: Damit belegen sie Rang 13 unter den 50 untersuchten Ländern, bzw. mit Rang sechs einen Spitzenplatz unter den EU-Teilnehmern.

Große Leistungsunterschiede zwischen Schulen

Bei den Bildungsstandards erreichten neben Oberösterreich auch Salzburg (545), Tirol (543) und Niederösterreich (541) Ergebnisse über dem Österreich-Schnitt (535 Punkte). Steiermark (534) und Burgenland (532) liegen in etwa im Schnitt, Vorarlberg (527) etwas darunter. Die niedrigsten Werte weisen Kärnten (522) und Wien (517) auf. Zum Vergleich: Die Standardtestungen umfassten 48 Aufgaben, ein Punkteunterschied von zehn Punkten entspricht in etwa einer gelösten Aufgabe.

Die Bildungsstandard-Testungen wurden – ebenso wie die internationalen Volksschul-Vergleichsstudien TIMSS (Mathe, Naturwissenschaften) und PIRLS (Lesen) – vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführt.Wien. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind mit einem Abstand von 31 Punkten zwischen Oberösterreich und Wien relativ gering. Diese Differenz von drei gelösten Aufgaben entspricht im Vergleich nur der Hälfte des Unterschieds zwischen dem besten (Bayern) und dem schlechtesten deutschen Bundesland (Bremen) bei den Standard-Testungen in Deutschland.

AHS deutlich vor Hauptschulen

Wesentlich größer sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen bzw. den einzelnen Schultypen. Die beste Schule – eine AHS – erreichte einen Mittelwert von knapp 700 Punkten, die schlechteste – eine Hauptschule – liegt bei rund 350 Punkten. Die AHS erreichten im Schnitt 600 Punkte, die Pflichtschulen (Hauptschulen/Neue Mittelschulen) 504 Punkte. Die Werte der Neuen Mittelschulen (NMS) wurden aufgrund der geringen Zahl der getesteten Schulen nicht extra ausgewiesen.

Kriterium “Migrationshintergrund”

Starken Einfluss auf die Standard-Ergebnisse haben auch Migrationshintergrund und sozioökonomischer Hintergrund der getesteten Schüler: Kinder mit Migrationshintergrund kamen auf einen Mittelwert von 480 Punkten, “einheimische” Schüler auf 547. Und: Immerhin zwölf Prozent der Akademikerkinder erreichte die höchste Kompetenzstufe 3, aber nur ein Prozent der Kinder, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Umgekehrt verfehlen nur sechs Prozent aller Akademikerkinder die Standards (Kompetenzstufe “Unter 1”), aber 37 Prozent der Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss.

Dementsprechend schlecht fielen auch die Ergebnisse der Wiener Hauptschulen aus: Dort erreichen 51 Prozent der Schüler die Bildungsstandards nicht (Kompetenzstufe “Unter 1”; Ö-Schnitt: 24 Prozent).

Vorarlberg “im Rahmen der Erwartungen”

Zum Ausgleich der unterschiedlichen sozialen Rahmenbedingungen an den Schulen wurde außerdem ein “fairer Vergleich” erstellt, für den nicht nur der absolute Punktewert herangezogen wurde, sondern das unter Berücksichtigung von Migrations- und sozialem Hintergrund der jeweiligen Schüler “erwartbare” Ergebnis. Auf Bundesländerebene erzielte auch hier Oberösterreich den besten Wert, besser als von den Rahmenbedingungen erwartbar schnitten auch Tirol und (im Pflichtschulbereich) Salzburg ab. Im Rahmen der Erwartungen lagen Wien, Vorarlberg und Niederösterreich, etwas darunter die Steiermark und das Burgenland, stark darunter Kärnten.

An den Volksschulen sind im internationalen Vergleich die Top-Länder wie bereits gewohnt beim Lesen Hongkong, Russland und Finnland, in Mathematik Singapur, Südkorea und Hongkong sowie in den Naturwissenschaften Südkorea, Singapur und Finnland. (APA)

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