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Japan: Heizöl nur für zwei Stunden

Tokio (VN) -  Im Kinderheim von Ichinosek fehlt es nach der Katastrophe an allem. Sr. Caelina Mauer sprach mit den VN über die aktuelle Situation der Kinder in Ichinosek.
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Wie geht es Ihnen und den Kindern? Haben Sie Angst vor dem, was da passiert?

Sr. Caelina: Angst will ich nicht sagen, aber ich habe Sorge, auch um die Kinder. Es muss jeden Tag neu abgewartet werden, wie sich die Situation entwickelt. Auch die Ernährung macht uns Probleme. Gemüse beispielsweise, da müssen wir genau schauen, woher es kommt, weil aus Fukushima natürlich keiner mehr was haben möchte.

 
Wie sieht die psychosoziale Betreuung aus?

Sr. Caelina: Ich bin bei den Therapien nicht dabei, weil das eine Sache zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen und der Therapeutin ist. Deshalb weiß ich nicht konkret, was da gemacht wird. Was ich mitbekomme, ist, dass sie einen Sandkasten haben, in dem viele Kinder offenbar versuchen, den Tsunami oder das Erdbeben nachzugestalten und so zu verarbeiten.

 
Es gibt ja immer wieder auch Nachbeben. Wie gehen Sie und die Kinder damit um?

Sr. Caelina: Bei den Nachbeben ist es so, dass immer wieder die gleichen Kinder verschreckt sind. Sie fangen an zu weinen und verkriechen sich irgendwo. Bei diesen Kindern müssen wir besonders auf eine gute Betreuung achten.

 
Wie lässt sich der Heimalltag bewältigen?

Sr. Caelina: Die Bedingungen sind schwierig, weil noch kein geregelter Tagesablauf möglich ist. Es gibt nach wie vor Einschränkungen. So ist beispielsweise das Bad noch nicht fertig. Abends können wir nurzweiStunden heizen. Am Tag gar nicht, weil wir zu wenig Heizöl haben, und mit dem, was wir haben, müssen wir sparsam umgehen.

 
Wie sieht es mit dem Schulbetrieb aus?

Sr. Caelina: Kindergarten und Grundschule haben pünktlich begonnen. Die Ober- und Mittelschule fangen später an.

 
Warum das?

Sr. Caelina: Weil es auch Schäden an den Schulen gibt. Die müssen erst einmal behoben werden, da besteht vermutlich ebenfalls ein heilloses Durcheinander. Das alles einigermaßen zum Laufen zu bringen braucht seine Zeit.

 
Was glauben Sie, wie lange noch mit Nachbeben zu rechnen ist?

Sr. Caelina: Medienberichten zufolge dauert das mindestens einen Monat, es kann aber auch bis zu einem Jahr gehen. Wir haben deshalb mehr Mitarbeiter eingestellt, die nachts da sind. Für den Fall, dass plötzlich ein Beben kommt und wir alle alarmieren müssen.

 
Wie sieht es mit Ihrem persönlichen Befinden aus?

Sr. Caelina: Ich komme nur schwer zur Ruhe. Ich ziehe mich schon gar nicht mehr aus, wenn ich zu Bett gehe, weil ich weiß: Wenn ein Beben kommt, muss ich aufstehen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Man ist ja in der Verantwortung für das Heim.

 
Gab es denn schon Reparaturen am Heim?

Sr. Caelina: Ja, die notwendigsten Reparaturen wurden durchgeführt. Vor allem Deckenplatten mussten erneuert werden, weil es so kalt herunterkam, dass man es in den Zimmern nicht aushalten konnte.

 
Wie erleben Sie die Hilfsbereitschaft?

Sr. Caelina: Also auf der einen Seite bin ich erschlagen von den vielen Anfragen, andererseits merke ich, wie viel Mut das macht, wie viele Leute dahinter stehen und helfen wollen. Wenn man eine solche Stütze erfährt, kann man Vieles schaffen. (VN)

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