Jäger wenden sich mit offenen Brief an Schwärzler

Die Jäger wenden sich mit einem offenen Brief an Landesrat Schwärzler.
Die Jäger wenden sich mit einem offenen Brief an Landesrat Schwärzler. ©APA
Sibratsgfäll - Der Bregenzer Bezirksjägermeister Hans Metzler und die Bezirksgruppe Bregenz haben sich für  tierschutzfreundliche Neuregelungen für die Jagd in Vorarlberg ausgesprochen.

In einem offenen Brief an Landesrat Erich Schwärzler fordern die Jäger unteranderem die Abschaffung der Schonzeit-Aufhebung und die Reduzierung der Freihaltung.

Trächtige Geißen und Rehbock geschossen

Anfang Februar wurden im Gebiet eines Sibratsgfäller Eigenjagdbesitzers zwei trächtige Geißen und ein Rehbock geschossen. Ein weiteres Reh wurde damals angeschossen, doch nicht getötet. Zu diesem Zeitpunkt war das Areal außerdem eine Wildruhezone. Angeblich hat sich bei den Tätern um Schweizer Jäger gehandelt.

Der Originaltext des offenen Briefes:

“Sehr geehrter Herr Landesrat, lieber Erich,

nach dem Abschuss eines Rehbocks und zweier trächtiger Geißen in Sibratsgfäll unter sehr fragwürdigen Umständen ist in den vergangenen Wochen eine Debatte um Jagd und Tierschutz entstanden. Seit langem fordern wir Vorarlberger Jäger eine Änderung der Rahmenbedingungen, um wieder einen verantwortungsvollen Umgang mit den Wildtieren zu ermöglichen.

In den vergangenen Jahren wurden die Interessen des Forstes häufig über die Interessen der Wildtiere gestellt. Es gibt dutzende Freihaltezonen, in denen jedes Wildtier abgeschossen werden muss (!). Zusätzlich wurde in vielen Gebieten die Schonzeit aufgehoben. Nur deshalb können auch trächtige Tiere oder Tiere mit einem Jungen, das von der Muttermilch abhängig ist, erlegt werden. Das lehnen wir aus voller Überzeugung ab.

Wir Jäger stehen für einen fairen Ausgleich der Interessen des Forstes und des Tierschutzes. Dazu sind aus unserer Sicht drei wichtige Punkte rasch umzusetzen:

– Schonzeit Aufhebungen abschaffen: Die Schonzeiten gibt es mit gutem Grund. Ausnahmen sind nur in wenigen Ausnahmefällen angebracht, beispielsweise in Gebieten mit Tbc-Gefahr. Sämtliche Schonzeit-Aufhebungen sind deshalb kurzfristig zu überprüfen und auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Langfristig sind mehrjährige und über das ganze Jahr verordnete Schonzeit-Aufhebungen ganz abzuschaffen.

– Freihaltungen reduzieren: Zahl und Umfang jener Gebiete, die komplett von Wild freigehalten werden müssen, sind deutlich zu reduzieren. Dies ist nur in wichtigen Schutzwäldern nötig. In vielen Fällen kann der Schutz des Waldes mit anderen Maßnahmen gewährleistet werden, etwa mit Verbesserungen im Lebensraum, besserer Verteilung des Wildes und sinnvollen Fütterungskonzepten.

– Verbot der Selbstverwaltung: In Jagdgenossenschaften, die ihre Reviere selbst verwalten, ist die Verlockung groß, persönlichen Nutzen und Gewinn auf Kosten des Tierschutzes zu maximieren. Das hat wohl auch zu den Vorfällen im Revier Sibratsgfäll Ost beigetragen. Wir fordern ein Verbot der Selbstverwaltung im Vorarlberger Jagdgesetz.

Lieber Erich, wie Du weißt, ist auch uns Jägern am Schutz des Waldes gelegen. Er ist der Lebensraum für die Wildtiere und viele Pflanzen. Ein fairer Ausgleich der Interessen jedoch braucht andere Rahmenbedingungen, eine ehrliche Kommunikation der Behörden auch mit den Vertretern der Jagd und eine differenzierte regionale Betrachtung.

Wir ersuchen Dich deshalb, die nötigen rechtlichen Änderungen in die Wege zu leiten und das Bewusstsein bei den zuständigen Behörden zu schärfen. Umgekehrt versichern wir Dir, dass wir scharf gegen unethische Praktiken von Jägern vorgehen werden, wie sie beim Vorfall in Sibratsgfäll offenbar geworden sind.”

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