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Italien: Warnung vor "Anarchisten-Terror"

Nachdem durch die Explosion eines Sprengkörpers in einer Polizeistationin ein Carabiniere ums Leben gekommen ist, warnt die Regierung in Rom vor einer neuen Offensive des "anarchistischen Terrorismus".

Nicht nur Polizeisitze, sondern auch Gefängnisse, Banken und Justizpaläste könnten ins Visier der Anarchisten geraten, warnten die Experten des Innenministeriums. „Die Anarchisten greifen Symbole des Staates und des Kapitalismus an“, meinte Innenminister Giuseppe Pisanu nach Angaben italienischer Medien vom Donnerstag.

Laut Pisanu ist es offensichtlich, dass sich das bisher eher unstrukturierte Spektrum der italienischen Anarchistengruppen für eine neue, gefährliche Strategie entschieden habe. „Die Aggressivität der anarchistischen Anschläge ist gefährlicher geworden. Die Anarchisten handeln nach einer koordinierten und überlegten Strategie“, sagte der Minister. Seiner Ansicht nach könnten Verbindungen zwischen den italienischen Anarchisten und ähnlichen Untergrundorganisationen in Frankreich, Spanien und Griechenland bestehen.

Im Mai hatte die Polizei eine Gruppe mutmaßlicher Extremisten festgenommen. Die Ermittler werfen ihnen Sprengstoffanschläge in mehreren italienischen Städten vor. Kleinere Sprengsätze waren im März in Mailand, Turin und anderen Städten des Landes explodiert. Sie hatten Autos und Gebäude beschädigt, aber niemanden verletzt. Die Sprengsätze waren zumeist in Mistkübeln und Containern versteckt gewesen und nachts detoniert.

Die mutmaßlichen Anarchisten werden beschuldigt, eine „Fraria“ genannte Anarchistengruppe gegründet zu haben, der unter anderem umstürzlerische Propaganda, Anschläge und Morddrohungen gegen Politiker der Regierungskoalition vorgeworfen werden.

Anarchistische Untergrundorganisationen hatten im Dezember 2003 eine Briefbombe an den damaligen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi geschickt. Diese war in Prodis Händen explodiert, ohne ihn jedoch zu verletzten. Aus Bologna waren auch Briefbomben an den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, an den Sitz von Eurojust in Den Haag und an andere EU-Abgeordnete gesendet worden. Verletzt wurde auch hier niemand. Seit Ende 2003 richten sich die Sorgen der Sicherheitsbehörden vor allem auf die Bewegung des „Anarchismo Insurrezionalista“, die für den bedingungslosen Kampf gegen die Institutionen mit allen Mitteln eintritt.

Neben dem getöteten Carabiniere wurde ein weiterer bei der Explosionin am Donnerstag in der Polizeistation der mittelalterlichen italienischen Stadt Latina verletzt.

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