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Italien: Hitzige Debatte nach Vatikan-Appell

Die Worte des Präsidenten der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, der sich gegen die Gleichberechtigung unverheirateter Paare geäußert hat, sorgen für hitzige Debatten in Italien.

Der Führer der größten Linkspartei (DS), Piero Fassino, meinte zwar, die Bischöfe hätten das Recht, sich zu dem Thema zu äußern, die Linke habe jedoch das Recht, sich zu den Interessen unverheirateter Paare zu äußern, die ihr Zusammenleben besser regeln wollten.

Während Ruini sein Plädoyer für die Familie hielt, protestierten Homosexuellengruppen gegen die „unnachgiebige Haltung“ der Kirche in Fragen der Sexualmoral. Sie warfen dem Vatikan vor, mit seiner Einmischung in das politische Leben Italiens die Verabschiedung eines Gesetzes zu verhindern, das Homosexuellenpaaren die Gleichberechtigung sichern würde.

Der Präsident der Bischofskonferenz kündigte an, die Kirche werde es „kritisch begleiten“, wenn Rom gesetzliche Rahmenbedingungen für unverheiratete Paare schaffe, „die über privatrechtliche Abmachungen hinausgehen“. Es gehe der Kirche aber nicht darum, unverheiratete Paare – egal ob hetero- oder homosexuell -, an den Pranger zu stellen. Die italienischen Bischöfe forderten die Politik auf, den rechtlichen Schutz von Ehe und Familie weiter zu gewährleisten. Deren Stellung dürfe durch die rechtliche Anerkennung nichtehelicher Lebensgemeinschaften nicht relativiert werden.

Es sei falsch, die verschiedenartigen Lebensformen als gleichwertig zu bezeichnen, meinte Ruini. Es entstünden Probleme, wenn Kinder keinen „wirklichen, dauerhaften Raum des Schutzes und der Geborgenheit“ hätten.

Der italienische Oppositionschef Romano Prodi hatte vergangene Woche mit einem ersten Schritt in Richtung Legalisierung von Homo-Partnerschaften für heftige Diskussionen in Italien gesorgt. In einem Brief an die Organisation für die Rechte der italienischen Homosexuellen, Arcigay, hatte Prodi Unterstützung für die Einführung des so genannten „Zivilen Solidaritätspakts“ (PACS) signalisiert, der in Frankreich die gemeinsame steuerliche Veranlagung, Gütergemeinschaft und bevorzugte Erbbestimmungen von Paaren vorsieht.

„Der zivile Solidaritätspakt hat in 96 Prozent der Fälle nichts mit dem Problem der Homosexuellen zu tun. Millionen von Menschen, die seit Jahren zusammen leben, gemeinsam Kinder oder Erbschaftsprobleme mit der Wohnung haben, sind am Solidaritätspakt interessiert“, verteidigte sich Prodi vor den Angriffen der Kirche. Er habe niemals die Einführung der Ehe unter Homosexuellen sowie deren Adoptionsrecht befürwortet.

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