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Italien: „Kein Lösegeld für entführte Helferinnen"

Der italienische Außenminister, Franco Frattini, hat erneut bestritten, dass die Regierung Berlusconi Lösegeld für die Freilassung der beiden im Irak entführten Sozialarbeiterinnen bezahlt habe.

„Im Irak haben wir Tausende und Tausende von Kranken behandelt, viele andere kommen nach Italien. Wir garantieren Hilfe in verschiedenen Bereichen. Dies ist das Lösegeld, das wir bezahlt haben“, betonte Frattini im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Montag-Ausgabe).

Frattini versicherte, dass sich die Regierung Berlusconi nicht nur um die beiden italienischen Helferinnen, Simona Pari und Simona Torretta, gekümmert habe. „Die Regierung hat ihr Informantennetz zur Befreiung der französischen Journalisten zur Verfügung gestellt. Dasselbe haben wir für die britische Geisel Ken Bigley getan. Wir bemühen uns außerdem, damit die Leiche des (im August getöteten) Journalisten Enzo Baldoni nach Italien zurückkehrt“, betonte der Außenminister.

Mit seinen Worten dementierte Frattini einen Bericht des britischen Wochenmagazins „Sunday Times“, demnach die Regierung in Rom fünf Mio. Dollar (vier Mio. Euro) für die Freilassung der beiden Helferinnen gezahlt hatte. Eine kuwaitische Tageszeitung hatte vergangene Woche berichtet, dass die Kidnapper der Italienerinnen vom Kabinett Berlusconi eine Mio. Dollar in zwei Tranchen erhalten hatten.

Der italienische Außenminister sprach sich für die Beteiligung arabischer Truppen an einer Mission im Irak. Die arabischen Ländern sollten im Rahmen eines Stabilisierungsprozesses unter der UNO-Leitung eine stärkere Rolle im Irak spielen, betonte der Minister. „Wir müssen eine Übergangsphase in die Wege leiten, von der jetzigen multinationalen Mission zu einer übernationalen Kraft, in der moslemische Länder die Hauptrolle spielen“, meinte Frattini.

Der italienische Vizepremier, Gianfranco Fini, hatte am Samstag bei einem Besuch in Ägypten betont, dass Italien seine Truppen womöglich nach der für Jänner geplanten Wahl im Irak abziehen werde. Wenn eine repräsentative Regierung in Bagdad im Amt sei, gebe es keine Notwendigkeit mehr für die Präsenz ausländischer Soldaten, sagte Fini in Kairo nach einer Unterredung mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa.

Italien hat 3.000 Soldaten im Irak stationiert. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zählt zu den wichtigsten Verbünden der USA im Irak. Sie hat bisher erklärt, die Truppen solange in dem Land zu lassen, wie dies gewünscht werde. Mussa fordert von der von den USA geführten Koalition einen Zeitplan.

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