"Ist Nacktsitzen verboten?"

Hohenems - Die Luft ist heiß, das Wasser warm. Doch das Gesetz klimafest. Als Polizist Josef Heuberger an diesem strahlenden Sommertag Richtung Mitteldamm am Alten Rhein bei Hohenems aufbricht, macht er das weder aus Spaß, noch weil er sich als sittenstrenger Moralwächter sieht.
"Ist Nacktsitzen verboten?"

„Ich muss“, sagt der sportliche Emser Postenkommandant. „Weil es immer wieder Beanstandungen über Nacktbader hier gibt. Zuletzt von ein paar Damen, die sogar homosexuelle Aktivitäten beobachtet haben wollen.“ Also: Rauf aufs Elektrorad und rein zwischen dem Gebüsch auf den engen Naturpfad Richtung Mitteldamm bei den Rheinauen.

Zehn Euro

Die Radtour erfährt einen schnellen Zwischenstopp. Ein Herr um die 50 hat es sich am Wegesrand gemütlich gemacht. In ungezwungener Lendenfreiheit. „Tut mir leid“, sagt Heuberger. „Das Sittenpolizeigesetz erlaubt Nacktbaden nicht. Können Sie sich ausweisen?“ Kann er nicht, der Arme. „Macht zehn Euro“, zückt Heuberger den Stift und füllt fein säuberlich ein Organstrafmandat aus. „Ich dachte“, mündet beim Sünder der Schreck in Galgenhumor, „dass vielleicht Nacktsitzen nicht strafbar sei.“

Keine Fluchtmöglichkeit

Kaum hundert Meter weiter zieht der nächste Adam gegen das Gesetz den Kürzeren. „Aber warum denn? Ich wusste nicht, dass dies verboten ist. Nackt schauen wir doch alle gleich aus. Sie wie ich.“ Heuberger nickt, lächelt und kassiert. Ein lässig um die Ecke schlendernder Nudist wird plötzlich zum Sprinter. Blitzartig reißt er beide Hände vors Gemächt und verschwindet mit einem Satz im dicht verwachsenen Hinterland. Diese Fluchtmöglichkeit bleibt einem anderen Verfechter textilloser Natürlichkeit verwehrt. Friedlich, aber nun mal pudelnackt, kauert er in einer Schotternische direkt am Wasser. Aus ists mit dem Nudistenglück. „Ausweis? „Nein, leider . . .“ „Zehn Euro – Sie wissen schon warum?“ „Ja bitte.“ Die schnörkellose Amtshandlung lässt den jungen Herrn verdutzt, aber nunmehr mit Badehose, zurück.

Toleranz bei oben ohne

Josef Heuberger beendet den Patrouillengang beim sogenannten Waibelloch. Ein höflicher Hinweis für eine attraktive Oben-ohne-Dame ohne Organstrafmandat bildet den Schlusspunkt seiner Tour im Namen der Sittlichkeit. „Bei oben ohne sehen wir von einer Strafe ab“, erklärt der Polizist. Und entsinnt sich dabei einer heiteren Diskussion, die er kürzlich mit einigen älteren Damen im Anblick halbnackter Tatsachen führen musste. Zurück in seiner Amtsstube zieht der 53-jährige Polizist Bilanz. „Wir machen solcherart Kontrollen sporadisch. Vor allem dann, wenn wir Klagen über Nacktbader oder gar unzüchtige Handlungen bekommen“. Besondere Genugtuung über ertappte Nacktbader kommt beim Polizisten freilich nicht auf. „Mein Gott. Wenn wir keine anderen Sorgen hätten als diese, dann könnten wir nicht klagen.“ Zu widersprechen ist ihm mit dieser Ansicht wohl kaum.

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