Israelische Rassisten zwingen Misch-Hochzeit unter Polizeischutz

Aus dem Ruder lief die Situation, nachdem das Paar seine Hochzeitsanzeige auf Facebook veröffentlichte.
Aus dem Ruder lief die Situation, nachdem das Paar seine Hochzeitsanzeige auf Facebook veröffentlichte. ©EPA
So hatten sich Mahmoud Mansur und Morel Malka ihre Hochzeit nicht vorgestellt: Umringt von Leibwächtern müssen sie am Sonntagabend den Weg zum Festsaal zurücklegen. Davor skandieren hinter einer Polizeikette Hunderte rechtsextreme Israelis Hassparolen gegen die Eheschließung einer gebürtigen Jüdin mit einem arabischen Israeli.
Pro- & Contra-Demos

In Jaffa, dem alten Hafenviertel von Tel Aviv, wo mittelständische Juden und Araber in enger Nachbarschaft miteinander leben, werden in der Wohnung der Familie Mansur vier Stunden vor dem Fest im geschmückten Wohnzimmer Platten mit orientalischen Süßigkeiten gereicht. Morel, die zum Islam konvertierte, nachdem sie Mahmud vor fünf Jahren kennenlernte, hält unter musikalischer Begleitung Einzug in den Salon. Ihr weißes Brautkleid ist schon etwas zerdrückt von den Umarmungen der Familie ihres Bräutigams.

Schwiegervater freut sich

“Morel ist meine zweite Tochter, eine hatte ich schon, nun habe ich sogar zwei”, freut sich Schwiegervater Mohammed Mansur. Der Brautvater fehlt. Er hat es vorgezogen, im israelischen Fernsehen zu verkünden, dass er “nicht zur Hochzeit meiner Tochter mit einem Araber” gehen werde. Die israelischen Nachfolger von Romeo und Julia hatten schon damit gerechnet, dass ihr Jawort zu familiären Spannungen führen würde. Aber dass sich die Zerrissenheit des ganzen Landes darin kristallisiert, hat sie dann doch überrascht.

Aus dem Ruder lief die Situation, nachdem das Paar seine Hochzeitsanzeige auf Facebook veröffentlichte. Das bekamen Rassisten der Gruppierung Lehava mit, die sich dem “Kampf gegen die Assimilierung der Juden und gegen Mischehen” verschrieben hat. Die Lehava (Hebräisch für “Flamme”) rief dazu auf, lautstark vor dem Festsaal zu protestieren. In sozialen Netzwerken erhielt sie dafür vielfache Zustimmung, aber auch massiven Widerspruch. Die Eheschließung zwischen Morel und Mansur wurde zum nationalen Politikum.

“Haben die schönste Hochzeit”

“Das ficht uns alles nicht an. Wir werden die schönste Hochzeit haben, die man sich nur vorstellen kann”, versichert der Bräutigam. Der Jungunternehmer mit freundlichem, rundem Gesicht hatte einen Teil seines Ehrentags vor dem Amtsgericht der Nachbarstadt Rishon Lezion verbracht, wo er beantragte, die Demonstration der Rechtsextremisten vor dem Festsaal per Eilentscheid zu untersagen.

Sein Anwalt machte geltend, dass das Brautpaar schon seit Tagen per Telefon, Mail und Facebookeinträgen massiv bedroht und beleidigt wird. Der Richter bewertete das Demonstrationsrecht höher und erließ nur die Auflage, dass die Proteste 200 Meter Abstand halten müssten.

Selbst konserativer Staatschef wünscht Glück

Israels Staatschef Reuven Rivlin, obwohl selbst ein Erzkonservativer, hielt dagegen: “Es gibt eine rote Linie zwischen Meinungsfreiheit und Aufstachelung zum Hass”, schrieb er auf seiner Facebookseite und wünschte dem jungen Paar eine glückliche Ehe.

Glück haben am Abend zunächst diejenigen der 800 geladenen Hochzeitsgäste, die von der richtigen Seite zum Festsaal gekommen sind. Einige Dutzend spontane Sympathisanten bilden dort ein Ehrenspalier, verteilen Rosen und singen jüdische Liebeslieder. Auf Schilder haben sie Slogans gemalt wie: “Die Liebe besiegt Alles” oder “Juden und Muslime lehnen es ab, Feinde zu sein”.

Rassisten skandieren “Tod den Arabern”

Wer das Pech hatte, von der anderen Seite des Parkplatzes zu kommen, muss sich den Weg durch pöbelnde Rassisten bahnen, die mit Bussen angereist sind und Hass-Parolen skandieren: “Tod den Arabern” oder “Meine jüdische Schwester kriegst Du nicht”. Beim Versuch, den Polizeikordon zu durchbrechen, werden fünf junge Rechtsradikale festgenommen.

“Okay, es ist eine Hochzeitsfeier. Aber es gibt nichts zu feiern, weil die Verschmelzung durch Mischehen eine Plage ist”, versucht Lehava-Sprecher Benzi Gopstein eine Rechtfertigung. Er ist landesweit bekannt wegen seiner rassistischen Entgleisungen in israelischen Talkshows. Das Brautpaar hat es unterdessen geschafft, durch einen Nebeneingang zu seinem Fest zu gelangen. Aber die Fanatiker vor dem Saal kündigen an, künftig jede Mischhochzeit in Israel belästigen zu wollen.

(APA)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • Israelische Rassisten zwingen Misch-Hochzeit unter Polizeischutz
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen