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Israel protestiert gegen Musikfestival von Sanremo

Rapper Ghali sorgte für Verstimmung bei Israel (Archivbild)
Rapper Ghali sorgte für Verstimmung bei Israel (Archivbild) ©APA/AFP
Der israelische Botschafter in Italien, Alon Bar, hat gegen das in der Nacht auf Sonntag zu Ende gegangene Musikfestival von Sanremo protestiert. "Ich halte es für beschämend, dass die Bühne des Sanremo-Festivals genutzt wurde, um auf oberflächliche und unverantwortliche Weise Hass und Provokation zu verbreiten", kritisierte Bar. Er protestierte unter anderem gegen den Rapper Ghali, der nach seinem Auftritt am Samstag "Stoppt den Völkermord in Palästina" gerufen hatte.

"Bei dem Massaker vom 7. Oktober wurden unter den 1.200 Opfern über 360 junge Menschen während des Nova-Musikfestivals abgeschlachtet und vergewaltigt. Weitere 40 von ihnen wurden entführt und befinden sich noch immer in der Hand von Terroristen. Das Festival hätte seine Solidarität mit ihnen zum Ausdruck bringen können. Es ist schade, dass dies nicht geschehen ist", erklärte der Botschafter.

Auch für die Präsidentin der jüdischen Gemeinden Italiens, Noemi Di Segni, sei es schade, dass nicht auch ein Appell für die Freilassung der Geiseln in den Händen der Hamas gerichtet wurde. In Sanremo wurden "Begriffe verwendet, die wieder einmal die Geschichte unseres Landes und ganz Europas beleidigen", kritisierte Di Segni.

Der in Mailand von tunesischen Eltern geborene Ghali wies die Vorwürfe zurück. "Ich habe schon immer über das Thema Palästina gesprochen, nicht erst seit dem 7. Oktober. Die Politik des Terrors geht weiter, die Menschen haben Angst zu sagen, stoppt den Krieg, stoppt den Völkermord", betonte der 30-Jährige.

Prompt kam die Reaktion der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI, die das Festival organisiert und sendet. "Jeden Tag berichten unsere Nachrichten und Programme über die Tragödie der Geiseln in den Händen der Hamas und erinnern an das Massaker an Kindern, Frauen und Männern am 7. Oktober. Meine Solidarität mit dem israelischen Volk und der jüdischen Gemeinschaft ist von Herzen und aus Überzeugung", antwortete RAI-Chef Roberto Sergio.

Mehrere Aufrufe für den Frieden wurden während des Musikfestivals gerichtet. "Kein Blut mehr, kein Krieg mehr. Frieden!", sagte Italiens Pop-König Eros Ramazzotti bei seinem Auftritt am Donnerstag. Zweimal griff der Sänger Dargen D'Amico das Thema mit einem Aufruf zum Waffenstillstand auf: "Es gibt Kinder unter den Bomben, ohne Wasser, ohne Nahrung. Unser Schweigen ist Mitverantwortung".

Für den staatlichen Fernsehsender Rai bedeutete die Übertragung des ältesten nationalen Songwettbewerbs eine Woche lang beste Einschaltquoten mit durchschnittlich stets mehr als zehn Millionen Zuschauern. Zu manchen Zeiten lief auf mehr als zwei Dritteln der in Italien eingeschalteten Fernseher Sanremo. Am letzten Abend lag die Quote sogar bei 74,1 Prozent. Im Durchschnitt waren es 14,3 Millionen Zuschauer.

(APA)

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