Islamlehrer scharf angewiesen

Bregenz - In zwei Briefen an den Landesschulrat, die laut Landesrat Siegi Stemer "am 28. Juli einlangten", hat der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) Anas Shakfeh alle Fragen des Landes beantwortet.

Beide Schreiben umfassen annähernd 120 Seiten. Weit über 90 Seiten dokumentieren die Zeugnisse der 23 islamischen Religionslehrer, die zur Zeit in Vorarlberg unterrichten. Stemer hatte als Landesschulrat vor Monaten einen Nachweis der Qualifikationen der islamischen Religionslehrer erbeten. Die Zeugnisse, die ihm nun vorliegen, belegen Ausbildungen in Deutschland, Österreich, Ägypten und der Türkei. In Österreich besuchen mehr als 40.000 Kinder in rund 2000 öffentlichen Schulen den islamischen Religionsunterricht, der von über 350 Lehrern erteilt wird. Seit 1998 werden Islamlehrer in Wien ausgebildet. Schätzungen nennen bis zu 50 Absolventen seither. Das reicht bei Weitem nicht. Deshalb unterrichten nachwievor Lehrkräfte aus dem In- und Ausland, deren theologische wie pädagogische Qualifikation zu hinterfragen ist.

Andere Meinung

“Bei den meisten Vorarlberger Lehrern” liegt laut Stemer eine Bestätigung des Islamischen Religionspädagogischen Instituts in Wien vor. Die anderen Zeugnisse werde man prüfen. In Bezug auf Abdi Tasdögen vertritt Anas Shakfeh eine andere Meinung als das Bildungsministerium. Tasdögen, schreibt er, sei Vorsitzender der Religionsgemeinde Tirol und Vorarlberg und als solcher auch Vorgesetzter der islamischen Religionslehrer. Die Funktion eines Schulkoordinators übe Tasdögen ehrenamtlich im Auftrag des Obersten Rates aus. “Ich denke, da verwechselt Shakfeh etwas”, entgegnet Stemer. Religionsinterne Funktionen blieben Tasdögen unbenommen, “nur mit dem Schulsystem haben sie nichts zu tun”. Der von Wien aus agierende Fuat Sanac sei Fachinspektor und damit Ansprechpartner für Lehrer und Schulbehörde. Sonst niemand. Eine scheinbar außerordentlich hohe Qualifikation Tasdögens erwies sich bei näherer Durchsicht als die Bestätigung der Universitäten Linz und Innsbruck, dass Tasdögen “nur als außerordentlicher Hörer” zugelassen sei, da ihm Voraussetzungen für die Studienberechtigungsprüfung fehlen. Dennoch konnte sich Shakfeh, der sich im Übrigen “höflichst für die späte Antwort entschuldigt” hat, einen Seitenhieb nicht verkneifen: Auch die Mehrheit der österreichischen Bundesregierung habe nicht mehr als einen Sekundarabschluss (Matura) und verrichte trotzdem eine verantwortungsvolle Tätigkeit, schrieb Shakfeh an den Landesrat. In Bezug auf die Schulbücher bestätigt der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, dass ein wissenschaftlicher Beirat aus drei Professoren im April Änderungsvorschläge gemacht habe, die derzeit eingearbeitet werden. Belegexemplare schicke er ehestmöglich.

Scharfe Anordnung

Was nun jene vier Pflichtschullehrer anlangt, die von Vorarlberg beanstandet wurden, vermittelte Shakfeh den Eindruck harten Durchgreifens. So habe er einen Lehrer wegen disziplinärer Unzulänglichkeiten am 27. Juni letztmalig ermahnt. “Er wird suspendiert, wenn nochmals etwas vorkommt.” Bei allen vier Lehrern finden sich in den Unterlagen “relativ scharfe Anordnungen”, wonach sie vor Beginn des Schuljahres 09/10 Deutschkurse besuchen müssen. Tun sie das nicht, “droht ihnen eine Nichtverlängerung der Dienstverträge”. Überprüfen wird das die Schulbehörde Ende August. “Kopien der Anordnung mit den Unterschriften der Betroffenen hat Präsident Shakfeh uns auch geschickt.” Die neuen Lehrpläne liegen seit April im Ministerium. “Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.” Fachinspektor Fuat Sanac habe überdies umfangreiche Berichte über seine Tätigkeit vorgelegt und mit Sektionschef Wolfgang Stelzmüller und Kultusamtsleiter Oliver Henhapel besprochen. Fazit: “Vertraglich scheint alles neu geregelt zu werden.” Stemer hat seine Schulaufsicht angewiesen, die Erfüllung der Vereinbarungen regelmäßig zu überprüfen.

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