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Islam-Karikaturen: Große Entrüstung

Die Entrüstung in der moslemischen Welt über Karikaturen des Propheten Mohammed in dänischen und norwegischen Zeitungen ebbt nicht ab. Das EU-Büro im Gazastreifen wurde gestürmt.

Bewaffnete Mitglieder der palästinensischen Al-Aksa-Brigaden besetzten am Montag ein EU-Büro im Gazastreifen und forderten von Dänemark und Norwegen eine Entschuldigung. Die Hamas rief zu einem Boykott dänischer Produkte auf. Die EU drohte Saudiarabien mit Sanktionen, sollte die Regierung den Boykott unterstützen.

Eine der umstrittenen Karikaturen zeigt Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe samt brennender Zündschnur. Auf einer weiteren Zeichnung hat er ein Schwert in der Hand. Die Aarhuser Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlichte sie bereits am 30. September, eine norwegische Zeitung druckte sie im Jänner nach.

Bereits seit Tagen wird in mehreren islamischen Staaten dagegen protestiert, bis zum Montag verliefen die Proteste friedlich. An der Erstürmung des EU-Büros im Gazastreifen waren etwa 15 Extremisten beteiligt. Zehn Männer bezogen mit Handgranaten und Panzerfäusten bewaffnet Wache, bevor die Besetzung eine halbe Stunde später beendet wurde. Die Extremisten verbrannten dänische Flaggen und drohten, keine Dänen und Norweger in den Gazastreifen einreisen zu lassen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte, es habe sich nicht um eine Besetzung, sondern nur um Demonstrationen vor dem Büro für technische Assistenz gehandelt. Dabei seien Gewehrsalven in die Luft geschossen worden. Ein dänischer Mitarbeiter des Büros sie nach Jerusalem versetzt worden, um ihn nicht zu gefährden.

Die radikal-islamische Hamas forderte wenig später alle Moslems auf, dänische Produkte zu boykottieren. „Die protestantische Gemeinde in Dänemark unterstützt diesen Rassismus unter dem Deckmantel der Pressefreiheit“, erklärte die Organisation, die am Mittwoch die Parlamentswahl in den Autonomiegebieten gewonnen hat.

Die dänische Lebensmittelkette Arla erklärte, der Boykott ihrer Produkte sei im Nahen Osten bereits nahezu komplett. Ihr Angebot sei aus den Regalen von Saudiarabien bis Katar verschwunden. EU-Handelskommissar Peter Mandelson teilte der saudiarabischen Regierung mit, bei einer Unterstützung des Boykotts werde die EU die Welthandelsorganisation WTO einschalten. Riad habe beteuert, nicht zu dem Boykott aufgerufen zu haben, teilte Mandelsons Sprecher mit.

Im Irak verübten Aufständische am Montag einen Sprengstoffanschlag auf einen dänisch-irakischen Militärkonvoi. Verletzt wurde dabei niemand. Die Koalitionsstreitkräfte leiteten Ermittlungen ein, ob der Angriff mit den Karikaturen zusammenhängen könnte, wie der britische Major Peter Cripps mitteilte. Im überwiegend von britischen Truppen kontrollierten Süden des Irak sind rund 430 dänische Soldaten stationiert.

EU verteidigt Meinungsfreiheit

Im Konflikt um islam-kritische Karikaturen in einer dänischen Zeitung hat die EU-Kommission am Montag die Meinungsfreiheit verteidigt. Zwar hätten mehrere Kommissare schon erklärt, dass ihnen die Zeichnungen missfielen, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Die Karikaturen, die zu Protesten in der arabischen Welt geführt hatten, unterlägen aber der Meinungsfreiheit. Dies werde die Kommission gegen alle Kritik verteidigen.

Als „sehr ernst“ bezeichnete der Sprecher einen Aufruf zum Boykott dänischer Waren. „Der Boykott Dänemarks wäre ein Boykott der EU“, sagte er. EU-Handelskommissar Peter Mandelson habe darüber bereits mit Regierungsvertretern in Saudiarabien gesprochen und wolle dies am kommenden Wochenende auch in Oman tun. Der geistige Chef der ägyptischen Moslembrüder, Mohammed Mehdi Akef, rief am Montag alle Moslems der Welt zu einem Boykott dänischer und norwegischer Waren auf.

Nach der Eskalation im Streit um die Mohammed-Karikaturen sorgt sich die dänische Regierung um die Sicherheit ihrer Bürger in moslemischen Ländern. Das Außenministerium rief am Montag Dänen, die sich in solchen Ländern aufhalten, zu besonderer Vorsicht auf. Dänische und norwegische Hilfsorganisationen riefen mehrere Mitarbeiter aus der Region zurück.

Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte Ende September 2005 zwölf satirische Zeichnungen mit dem Titel „Die Gesichter Mohammeds“ abgedruckt. Darunter war ein Bild, das Mohammed mit einem Turban in Form einer Zeitbombe zeigte. Moslems beklagten, dass die Karikaturen ihre religiösen Gefühle verletzten. Die dänische Zeitung hatte ihr Recht auf Pressefreiheit betont, sich jedoch für eventuelles Leid der Moslems entschuldigt. Am 10. Jänner druckte auch das christliche norwegische „Magazinet“ die Zeichnungen ab.

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