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Iran: Erste Holocaust-Karikatur

Im Iran ist eine erste Holocaust-Karikatur auf der Internetseite des Hauses der Karikatur veröffentlicht worden. Sie stammt von einem Mann aus Melbourne.

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana hat am Montag eine Vermittlungsreise in den Nahen Osten begonnen, um in der Region die Wogen der Empörung über die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen zu glätten. Zum Auftakt der viertägigen Reise traf er im saudiarabischen Jeddah mit dem Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, zusammen.

In Riad wollte Solana König Abdullah und Außenminister Prinz Saud al-Faisal treffen. Danach war eine Begegnung mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Moussa, in Kairo vorgesehen. Weitere Stationen der Reise sind Jordanien, die Palästinenser-Gebiete und Israel.

Im Iran wurde unterdessen eine erste Holocaust-Karikatur auf der Internetseite des Hauses der Karikatur veröffentlicht. Die Zeichnung habe ein Mann aus Melbourne „aus Solidarität mit der moslemischen Welt“ und als Beitrag zur Meinungsfreiheit eingeschickt, teilte die zur iranischen Zeitung „Hamshari“ gehörende Institution mit. Das Massenblatt hatte am 7. Februar einen Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb ausgeschrieben.

EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) verurteilte die Veröffentlichung von Holocaust-Karikaturen. Man verstehe die Sensibilität der moslemischen Welt, aber auch in der Reaktion auf die dänischen Mohammed-Karikaturen müsse „die Balance gefunden werden“. „Gewaltanwendung“ und „Symbolmissbrauch“ und die Verletzung von anderen Tabus wie dem Holocaust seien zu verurteilen, sagte Schüssel nach einem Treffen mit Vertretern der christlichen, jüdischen und islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien.

Kritik an der späten Reaktion der EU auf die Proteste in islamischen Ländern wies der EU-Ratsvorsitzende zurück und verwies auf die Stellungnahme der EU-Außenminister vom 30. Jänner. Die Botschaft der EU sei „Verständnis für die Gefühle (der Moslems, Anm.), aber auch Beharren zu zeigen für unser Lebensmodell“. An diesem Lebensmodell werde man „nicht rütteln lassen“, sagte Schüssel. Gemeinsam mit den Vertretern der Religionsgemeinschaften lobte der Kanzler die Gesprächskultur in Österreich als vorbildlich für Europa. Auch Außenministerin Ursula Plassnik (V) betonte die Bedeutung des Dialogs der Kulturen, damit „aus dem Nebeneinander der Kulturen ein Miteinander wird“.

Nach Ansicht des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf haben die umstrittenen Mohammed-Karikaturen moderate und radikale Moslems gleichermaßen aufgebracht. Musharraf sagte am Montag vor Journalisten in Islamabad, die verantwortlichen Zeitungen seien sich der Konsequenzen für die Welt und für den Frieden nicht bewusst. „Ich verstehe nicht, wie ein zivilisierter Mensch das Thema der Pressefreiheit nehmen kann, um die Gefühle so vieler Menschen zu verletzten“, sagte Musharraf. „Ich glaube, das bringt die Pressefreiheit an ihre Grenzen.“ In ihrem Protest seien alle Moslems vereinigt. Sogar gemäßigte Gläubige gingen auf die Straßen, weil die Zeichnungen die Gefühle aller Moslems verletzt hätten.

In Pakistan demonstrierten am Montag erneut rund 7.000 Studenten gegen die Karikaturen. Sie warfen in Peshawar Steine auf das Edmond College, eine christliche Universität, und riefen „Nieder mit Amerika“ und „Nieder mit Dänemark“. Als die Demonstranten versuchten, zur Residenz des Provinzgouverneurs zu gelangen, setzten die Sicherheitskräfte Tränengas und Schlagstöcke ein. Hunderte Personen wurden festgenommen.

In Hebron im Westjordanland zogen hunderte palästinensische Kinder durch die Stadt. Sie traten auf eine dänische Flagge und riefen antidänische Parolen. Einige der rund 500 Kinder waren erst vier Jahre alt. Der Protest wurde von einer Schule mit Verbindungen zur Hamas organisiert. Zwischenfälle gab es nicht.

Norwegen kündigte am Montag an, es werde seine diplomatische Vertretung in den palästinensischen Gebieten wieder öffnen. In den vergangenen Tagen habe es keine Drohungen gegeben, sagte Büroleiter Sten Arne Rosnes. Das Gebäude war am 2. Februar für die Öffentlichkeit geschlossen worden; es wurde jedoch weiter gearbeitet.

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen traf am Montag mit einem jüngst gebildeten Netzwerk moderater Moslems zusammen. Kritiker erklärten allerdings, die Gruppe unter der Führung des Abgeordneten Naser Khader repräsentiere die 200.000 Moslems in Dänemark nicht angemessen.

Khader hatte die Gruppe Demokratische Muslime Anfang Februar gegründet. Ihm wird vorgeworfen, die moslemische Gemeinschaft in Dänemark zu spalten. Der Abgeordnete erhielt bereits mehrfach Morddrohungen und steht unter Polizeischutz.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief unterdessen zu einem Dialog auf, um die Lage zu beruhigen. „Zur Zeit haben wir eine Megafon-Diplomatie“, sagte Annan im dänischen Fernsehen. „Ich glaube, wir sollten die Megafone ausschalten und anfangen, ruhig miteinander zu reden.“

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