Irak: Zahlreiche Sicherheitskräfte getötet

Bei einer neuen Welle der Gewalt sind am Wochenende in der nordirakischen Provinz Dijala mindestens 19 Sicherheitskräfte getötet worden. Allein bei einer Schießerei in Bakuba kamen nach offiziellen Angaben acht Polizisten ums Leben.

In Tal Afar im Norden des Landes lieferten sich amerikanische und und irakische Soldaten am Sonntag den dritten Tag in Folge Gefechte mit Aufständischen. Die Einwohner wurden aufgefordert, die Stadt zu verlassen, was als Hinweis auf einen bevorstehenden Großangriff der US-Streitkräfte gewertet wurde.

Über mögliche Tote und Verletzte in Tal Afar war zunächst nichts bekannt. Es sei zu gefährlich, Rettungswagen in das Gebiet 420 Kilometer nordwestlich von Bagdad zu entsenden, erklärten Krankenhausmitarbeiter. Bei den Gefechten in Dijala wurden am Samstag in Burhis, einem Vorort von Bakuba, sechs weitere Polizisten und zwei Soldaten erschossen. Drei irakische Soldaten starben nach Polizeiangaben, als Bewaffnete ihren Konvoi nördlich von Bakuba überfielen.

In Samarra, 95 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden am Samstag vier Zivilpersonen getötet, als drei fehlgeleitete Mörsergranaten in einem Wohngebiet landeten. Elf weitere Menschen wurden verletzt. Der Angriff habe sich offenbar gegen eine US-Einrichtung gerichtet, teilte die Polizei mit.

Die Regierung in Bagdad bestätigte am Sonntag, dass der erste Prozess gegen den ehemaligen Machthaber Saddam Hussein am 19. Oktober beginnen soll. Zusammen mit sieben Mitangeklagten werde sich Saddam Hussein wegen eines Massakers aus dem Jahr 1982 an Schiiten in der Stadt Dudjail nördlich von Bagdad verantworten müssen, sagte Regierungssprecher Laith Kubba. Bei einem Schuldspruch droht dem früheren Präsidenten die Todesstrafe. Unterdessen teilte die Familie von Saddam Hussein mit, dass sein Anwälteteam neu zusammengestellt worden sei. Ein irakisches Sondertribunal hatte Anfang Juli die ersten Klagen gegen den Ex-Präsidenten zugelassen. Saddam Hussein ist seit Dezember 2003 in Haft.

Der Prozessbeginn soll vier Tage nach dem für den 15. Oktober geplanten Verfassungsreferendum stattfinden. Es gebe aber keinen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen, sagte Kubba. Unter anderem sollen vor dem von den USA eingerichteten Sondertribunal der mitangeklagte ehemalige Vizepräsident Taha Yassin Ramadan und Saddam Husseins Halbbruder und ehemaliger Geheimdienstchef Barsan Ibrahim el Hassan erscheinen. Dem internationalen Anwälteteam von Saddam Husseins werde künftig der Iraker Khalil el Dulaimi vorstehen, teilte die Familie des Ex-Präsidenten mit. Die Neuzusammensetzung der Verteidigung hatte die älteste Tochter des Ex-Machthabers beschlossen.

Unterdessen bemühten sich die Volksgruppen im Land weiter um einen Kompromiss über den umstrittenen Verfassungsentwurf. Sie setzten ihre Gespräche über sprachliche Änderungen an dem Verfassungsentwurf am Samstag fort, wie der schiitische Unterhändler Khaled al Attijah mitteilte. Ein westlicher Diplomat erklärte, wesentliche Veränderungen seien jedoch nicht zu erwarten. Ziel ist es, einen Kompromiss zu finden, der auch von der sunnitischen Minderheit akzeptiert werden könnte. Der Verfassungskonvent hatte den Entwurf vor einer Woche gegen den Willen der Sunniten beschlossen.

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