Irak: US-Präsident Obama ordnet Luftangriffe gegen IS an

US-Jets versuchen IS-Vormarsch zu stoppen
US-Jets versuchen IS-Vormarsch zu stoppen
US-Präsident Barack Obama hat am Luftangriffe gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Irak angeordnet. Obama sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington, die "zielgerichteten Luftangriffe" dienten zum Schutz von Zivilisten und US-Soldaten. Die USA müssten handeln, um einen "Völkermord" an den Yeziden (Jesiden) im Nordirak zu verhindern, betonte Obama.
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Zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung den IS-Terror scharf verurteilt und die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, dem Irak zu helfen.

UNO-Sicherheitsrat “schockiert”

Das mächtigste UNO-Gremium zeigte sich “schockiert” über das Schicksal tausender Yeziden (Jesiden) und Christen, die vor den Jihadisten geflohen sind und “dringend humanitäre Hilfe” benötigten, sagte der britische UNO-Botschafter Mark Lyall Grant.

Der US-Präsident betonte, dass er sich die Entscheidung für Luftangriffe nicht leicht gemacht habe. “Ich nehme keine Entscheidung so ernst wie jene zum Einsatz militärischer Gewalt”, sagte Obama. Schließlich hätten die Vereinigten Staaten “andere Werkzeuge in unserem Arsenal”. Doch wenn das Leben von Amerikanern und jenes von Tausenden Zivilisten in Gefahr sei, müssten die USA handeln.

Keine US-Bodentruppen in den Irak

Drei Jahre nach der prestigeträchtigen Beendigung des umstrittenen Militäreinsatzes im Irak unterstrich Obama zudem, dass er keine Bodentruppen ins Zweistromland schicken werde. “Wir werden keinen weiteren Krieg im Irak führen”, betonte er.

Ob die US-Luftwaffe bereits erste Angriffe geflogen hat, sagte der Präsident nicht. Ein führender Regierungsvertreter bestritt dies. Zuvor hatte auch ein Pentagon-Sprecher einen Bericht der kurdischen Peshmerga-Kämpfer dementiert, wonach US-Kampfjets Stellungen von Jihadisten im Nordirak angegriffen hätten.

Abwurf von Hilfsgütern angeordnet

Neben den Luftangriffen ordnete Obama auch den Abwurf von Hilfsgütern über dem Irak an. Das Pentagon hatte schon vor der Presseerklärung des US-Präsidenten bestätigt, dass Militärflugzeuge Pakete mit Lebensmitteln und Wasser über dem Nordirak abgeworfen hätten. Im Sinjar-Gebirge sind nach UNO-Angaben rund 200.000 Menschen ohne Lebensmittel und Wasser eingeschlossen, die vor den IS-Extremisten geflüchtet sind.

“Wie bei einem Exodus”

Ein Völkermord drohte nach Angaben des Patriarchen der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako, auch an den Christen im Nordirak. Seinen Angaben zufolge flohen Hunderttausend Menschen am Donnerstag zum Teil zu Fuß aus ihren Heimatdörfern. “Wie bei einem Exodus oder vergleichbar mit einem Kreuzweg flüchten Christen zu Fuß in der sengenden Sommerhitze des Irak in die kurdischen Städte Erbil, Duhok und Sulaymaniya, unter ihnen auch kranke und alte Menschen, Kinder und Schwangere”, sagte der Patriarch.

Die US-Luftangriffe sollen zum Schutz der eingekesselten Yeziden in der Bergregion, aber auch der US-Militärberater in der nordirakischen Stadt Erbil dienen. Sie hatten in den vergangenen Wochen gemeinsame Einsatzzentren mit der irakischen Armee eingerichtet. Darüber hinaus unterstützt Washington den Irak mit umfangreichen Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen.

Obamas Vorgänger George W. Bush war im März 2003 ohne UNO-Mandat in das Zweistromland einmarschiert und hatte Machthaber Saddam Hussein gestürzt. Bushs Regierung rechtfertigte den Angriff mit einer angeblichen Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen sowie Verbindungen der irakischen Führung mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida. Beide Gründe stellten sich später als falsch heraus. Nach einer jahrelangen Besatzung, die von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der schiitischen Mehrheitsbevölkerung und der sunnitischen Minderheit im Irak geprägt war, zog Obama Ende 2011 die letzten US-Truppen ab.

Ölpreise ziehen an

Die Ölpreise haben am Freitag mit deutlichen Aufschlägen auf eine absehbare Intervention der USA im Irak reagiert. In der Früh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September 106,45 US-Dollar (79,6 Euro). Das waren 1,01 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 65 Cent auf 97,99 Dollar.

(APA/red)

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