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Irak: Massaker an Armeerekruten

Aufständische haben am Samstag in der ostirakischen Provinz Diyala 49 Nationalgardisten erschossen. Die irakische Polizei fand die Leichen am Rand der Straße von Badrah nach Mandala nahe der iranischen Grenze.

37 von ihnen wurden noch am Samstag, 12 weitere am Sonntag gefunden, bestätigte die Polizei in der Provinzhauptstadt Bakuba.

In der westirakischen Stadt Bagdadi und in Samarra rissen zwei Selbstmordattentäter am Samstag 20 Menschen in den Tod. Der irakische Ministerpräsident Iyad Allawi befürwortet eine politische Lösung für die irakische Widerstandshochburg Falluja. Die US-Armee fasste dort nach eigenen Angaben ein führendes Mitglied der Extremistengruppe von Abu Musab al-Zarqawi. Bei einem US-Luftangriff auf die Widerstandshochburg starben sechs Menschen.

Die ermodeten irakischen Soldaten waren Rekruten, die im US-geführten irakischen Militärlager von Kirkusch für ihre Aufgaben in der Nationalgarde ausgebildet wurden. Sie waren auf dem Weg in den Urlaub nach Bakuba. Dabei gerieten sie offenbar in einen Hinterhalt der Aufständischen. Wie die Polizei in Bakuba schilderte, hielten die Rebellen die Busse der Rekruten an, ließen sie aussteigen und erschossen sie kaltblütig am Straßenrand.

Ein Kommandant der Nationalgarde sagte, die Leichen hätten bäuchlings auf der Straße gelegen und seien durch Kopfschüsse getötet worden. Sie hätten ihr Geld und ihre Ausweispapiere noch bei sich gehabt, die Mörder hätten ihnen lediglich die Schuhe abgenommen.

Das vom US-Militär geführte Militärlager in Kirkush bildet sowohl Angehörige der neuen irakischen Armee als auch Nationalgardisten aus. Die neuen Sicherheitskräfte sind ein bevorzugtes Ziel der Anschläge von Aufständischen und Selbstmordattentätern.

Bei einem Selbstmordanschlag im westirakischen Bagdadi starben 19 Polizisten, wie Krankenhausärzte mitteilten. Weitere 47 Menschen wurden verletzt worden, als der Attentäter sein Auto am Samstagmorgen in ein Ausbildungszentrum der Polizei steuerte und sich in die Luft sprengte. In Samarra riss ein Selbstmordattentäter einen Soldaten der irakischen Nationalgarde mit in den Tod. Bagdadi und Samarra liegen in der sunnitischen Unruheprovinz Al Anbar rund zweihundert Kilometer westlich von Bagdad.

Bei einem US-Luftangriff auf die irakische Widerstandshochburg Falluja starben am Sonntag nach Polizeiangaben drei Polizisten und drei irakische Zivilisten. Nach Angaben der US-Armee galt der Angriff einem Kommandoposten von Aufständischen.

Iraks Regierungschef Allawi will seine Drohung eines massiven Militäreinsatzes gegen die Rebellen in Falluja vorerst nicht wahrmachen. „Wir werden alle politischen Mittel ausschöpfen“, sagte er in einem am Samstag ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News. Eine Militärinvasion bleibe allerdings eine denkbare Option, falls alle anderen Bemühungen scheitern sollten. In der vergangenen Woche hatte Allawi die Bewohner von Falluja aufgefordert, den mutmaßlichen Terroristenführer Zarqawi auszuliefern; andernfalls werde es eine Großoffensive geben.

Die US-Armee fasste in Falludja nach eigenen Angaben ein führendes Mitglied von Zarqawis Extremistengruppe. Um wen es sich bei dem gefassten Zarqawi-Anhänger handelte, wurde nicht bekannt. Die US-Armee hat Falluja seit über einer Woche mit rund tausend Mann umzingelt. Die USA vermuten, dass sich Zarqawi und seine Gefolgsleute in der Stadt verstecken. Washington hat ein Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (rund 20 Millionen Euro) auf den Jordanier ausgesetzt. Der radikale Schiitenprediger Moktada al-Sadr bot den sunnitischen Aufständischen in Falluja seine Unterstützung an.

Zarqawis Anhänger benannten sich derweil um und bekannten sich im Internet zu einer Reihe von Anschlägen. Die Gruppe Al-Tawhid wa al-Jihad (Ein-Gott-Glaube und Heiliger Krieg) heiße nun „Tanzeem Qaedat al-Jihad Fee Bilad al-Rafidain“ (Al-Kaida-Organisation des Heiligen Krieges im Land von Euphrat und Tigris), hieß es in einer am Samstag im Internet veröffentlichten Stellungnahme.

Es war zunächst nicht möglich, die Echtheit der auf mehreren von Extremisten genutzten Internet-Seiten bekannt gegebenen Erklärung zu bestätigen. Am vergangenen Sonntag hatte Al-Tawhid wa al-Jihad ihre Loyalität zur Al-Kaida erklärt und sich erstmals öffentlich zu Verbindungen mit Bin Ladens Organisation bekannt.

Bei einem Granatenangriff auf einen Armeestützpunkt im Irak kam der US-Diplomat Ed Seitz ums Leben, wie ein US-Außenamtssprecher in Peking mitteilte. In der westlich von Bagdad gelegenen Stadt Ramadi wurden nach Polizeiangaben die Leichen eines erschossenen Polizisten und eines ebenfalls ermordeten angeblichen Spions entdeckt.

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