Irak: Bombenanschlag bei Heiligtum

Im Irak sind am Donnerstag bei einem Autobombenanschlag nahe eines schiitischen Heiligtums zwölf Menschen getötet worden, unter ihnen Pilger aus dem Iran.

37 weitere wurden nach Angaben von Sicherheitskräften verletzt, als der Sprengstoff am frühen Morgen in der Nähe der Maitham-al-Tammar-Moschee detonierte. Die den Schiiten heilige Stadt Kufa liegt 140 Kilometer südlich von Bagdad. Augenzeugen berichteten, dass zwei Busse ausgebrannt seien.

Die Stadt gilt als eine der Hochburgen des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr und seiner Miliz „Mahdi-Armee“, der unter anderem Gräueltaten an Sunniten angekreidet werden. In der vergangenen Woche hatten Extremisten eine schiitische Moschee in Al-Makdadiya nordöstlich von Bagdad mit Mörsergranaten angegriffen und schwer beschädigt. Seitdem Extremisten am 22. Februar die Goldene Moschee von Samarra, eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten, zerstört hatten, kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen zwischen Sunniten und Schiiten.

Unbekannte haben in Bagdad einen sunnitischen Ex-Richter des gestürzten Baath-Regimes des inhaftierten früheren Diktators Saddam Hussein erschossen. Bei dem Überfall auf das Auto des Juristen am Donnerstag im Westen der irakischen Hauptstadt wurden dessen Sohn und Fahrer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Saleh Hassan Jass al-Awzi setzte sich in der Vereinigung ehemaliger Richter für eine Aufhebung der nach der US-geführten Invasion gegen sie verhängten Berufsverbote ein.

Im Zuge der so genannten Ent-Baathifizierung wurden viele Mitglieder der Baath-Partei aus dem öffentlichen Dienst entfernt. In seinem Bemühen, der Gewalt ein Ende zu bereiten, hat der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki im Rahmen seines Versöhnungsplanes eine Überprüfung dieser Praxis zugesagt. Einige Vertreter der sunnitischen Minderheit werfen regierungstreuen schiitischen Milizen vor, Todesschwadronen auf ehemalige Vertreter des Baath-Regimes anzusetzen.

Auf den Straßen der irakischen Hauptstadt Bagdad hat die Polizei innerhalb eines Tages nach eigenen Angaben 35 Leichen von Zivilisten gefunden. In der Gerichtsmedizin hieß es am Donnerstag, die Opfer seien von ihren Mördern alle gefoltert worden. Im zentralen Leichenschauhaus von Bagdad waren alleine im Juni insgesamt 1595 Gewaltopfer registriert worden. Der amerikanische Botschafter Zalmay Khalilzad hatte die verschiedenen konfessionell ausgerichteten Milizen beschuldigt, schon weitaus mehr Menschen umgebracht zu haben als die Aufständischen.

Der US-Kongress hat das Verteidigungsministerium unter Strafandrohung zur Herausgabe von Dokumenten aufgefordert, die neues Licht auf den Folterskandal von Abu Ghraib im Irak werfen könnten. Die Aufforderung sei dem Pentagon Ende vergangener Woche zugegangen, hieß es am Mittwoch (Ortszeit) im Kongress in Washington. Anlass sind Aussagen eines Unteroffiziers im US-Militärgeheimdienst, Samuel Provance, vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. Provance hatte ausgesagt, dass die Führung der US-Armee von den Demütigungen und Misshandlungen irakischer Gefangener in der berüchtigten Haftanstalt Abu Ghraib bei Bagdad Kenntnis gehabt habe. Demnach handelten die als Aufseher eingesetzten Militärpolizisten auf Anweisung von Geheimdienst-Offizieren.

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