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Intergeschlechtlichkeit: "Ärzte drängen Eltern nach der Geburt zu einer OP"

Schwarzach - Im VOL.AT-Gespräch erklärt Gabriele Rothuber von Intersex Salzburg, wie schwierig das Leben für intergeschlechtliche Menschen ist. Außerdem erzählen Romy und Viktoria, die Leiterinnen der Vorarlberger Selbsthilfegruppe "Tansidentität/Transsexualität/Intersexualität", im VOL.AT-Interview, was in solche einer Situation das wichtigste ist.

“Das Wichtigste ist die Abgrenzung zwischen Transgender und Intergeschlechtlichkeit”, stellt Gabriele Rothuber am Anfang des Gesprächs klar. Transgender werden mit einem Geschlecht geboren und es sei ganz klar welchem Geschlecht sie physisch eigentlich angehören. Sie entscheiden sich jedoch irgendwann in ihrem Leben, dass sie sich mehr als Frau oder mehr als Mann fühlen.

Großer Unterschied

Bei Intergeschlechtlichkeit haben die Menschen entweder von Geburt an beide Normgeschlechter oder man könne sie nicht genau einem Normgeschlecht zu ordnen. Das große Problem sei, dass nach der Geburt ein Geschlecht eingetragen werden müsse. Dadurch werden die Eltern oft dazu gedrängt, sich für ein Geschlecht zu entscheiden und die Kinder werden dann gleich operiert, erläutert Rothuber die Situation. Dies sei jedoch kein Muss. Hier ruft der Verein VIMÖ auf, ein Verbot der “Zwangskorrektur” einzuführen. So können sich die Personen später selbst entscheiden, ob sie eine Frau oder ein Mann sein wollen.

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8.000 bis 12.000 intergeschlechtliche Menschen

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Gabriele Rothuber

Die Häufigkeit liegt bei ungefähr 1 zu 500.  “In Deutschland gibt es zwischen 80.000 bis 120.000 intergeschlechtliche Personen”, erklärt Rothuber.  In Österreich geht von 8.000 bis 12.000 Personen.

Wird oft nicht bei der Geburt erkannt

Wichtig sei, dass bei vielen Menschen die Intergeschlechtlichkeit bei der Geburt nicht festgestellt wird. Meist werde dies erst in der Pubertät festgestellt, da bei den jungen Mädchen die Regel ausbleibe oder junge Burschen nicht in den Stimmbruch kommen. Es gäbe auch Fälle, bei denen es erst im Erwachsenenalter festgestellt werde. Zum Beispiel wenn eine Frau versuche ein Kind zu bekommen, dies aber nicht funktioniere.

transgender-woman
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Thema muss im Allgemeinbewusstsein verankert werden

Für Rothuber ist es besonders wichtig, dass dieses Thema wieder in das Allgemeinbewusstsein der Menschen gerückt wird. Früher wussten die Großeltern noch, dass es Zwitter gibt, heute versuche man es tot zu schweigen. Man müsse den Menschen wieder die Vielfalt in Erinnerung rufen. Andererseits müsse sich auch das Gesetz laut Rothuber ändern.

transgender
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Begriffe sorgen für Verwirrung

Rothuber glaubt auch, dass die Bezeichnungen für dieses Phänomen in der Bevölkerung für Verwirrung sorgen.  Deshalb sei es wichtig, dass die Kinder schon in der Schule über dieses Thema aufgeklärt werden. Im Gegensatz zu Transgender, welche ganz viel für etwas kämpfen, müssen intergeschlechtliche Menschen ganz viel gegen etwas kämpfen. Dabei gehe es immer um das Menschenrecht der Selbstbestimmung.

penis-statue
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Jeder zehnte entspricht nicht der Geschlechternorm

“Interessant ist, dass heutzutage in Amerika jeder zehnte nicht der Geschlechternorm entspricht”, berichtet Rothuber im Gespräch. Dies bedeute nicht, dass diese Person intergeschlechtlich sein müssen. Das bedeute lediglich, dass das Geschlecht nicht der „Norm“ entspreche. Einen Grund dafür ortet Rothuber in der Pornographie. Viele Menschen würden sich zu sehr an der Pornographie orientieren und glauben, dass genau so ein Penis oder eine Vulva aussehen müsse.

 

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