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Ins Gleichgewicht bringen

Gleichklang. Drei der vier Baukörper von der Hangseite gesehen. Die Wohnräume mit tiefen Terrassen schwingen weit nach Süden bzw. nach Westen.
Gleichklang. Drei der vier Baukörper von der Hangseite gesehen. Die Wohnräume mit tiefen Terrassen schwingen weit nach Süden bzw. nach Westen. ©Bruno Klomfar
Bregenz - In Wohnungsfragen ist ja jeder sein eigener Fachmann. Doch wenn’s ernst wird, kriegt man leicht weiche Knie – ist wirklich an alles gedacht? Wie wär’s mit einer guten Beratung?

Damit ist bereits ein erster Schritt getan – heraus aus dem eigenen Schneckenhaus, Erfahrung nutzen. Das hatten die Planergemeinschaft Hörburger Kuess Ritsch Schweizer und das Unternehmen Rhomberg-Bau im Sinn, als sie fragten, was Wohnungsbau heute zu leisten habe. Es begann 2003 und führte Fachleute und Laien zusammen.

Der zweite Schritt – dank reicher Erfahrung mit der Planung von Wohnhäusern stellen die Architekten fest: das freistehende Einfamilienhaus kann nicht alles sein. Doch: Wie lassen sich die gepriesenen und erwünschten Eigenschaften dieser Bauform im Geschoßbau umsetzen?

Drittens: Bauen hat sich technisch verändert, neue Fragen stellen sich, allen voran: Was können wir uns auf diesem Planeten noch leisten? Wie muss Bauen beschaffen sein, damit es im Gleichgewicht mit der Umwelt bleibt? Nachhaltigkeit heißt das.

Der Begriff wurde weit aufgefasst mit vier Schwerpunkten: Ökonomie – Effizienz, Haltbarkeit und Dauer der Konstruktion; Ökologie – Betrieb und graue Energie, Kosten vom Rohstoff bis zur Entsorgung; Gesundheit, körperlich und seelisch – Verträglichkeit von Stoff und Umgebung; Kultur – städtebauliche Integration und Gestaltung, kurz gesagt: Bauen, das kurzfristige Moden überdauert.

Die Integration von Wissenschaft und Praxis wurde vom Bund unter dem Stichwort „Haus der Zukunft“ gefördert, mit einem Workshop, der Planer, Bauträger und Bauherrenvertreter an einen Tisch brachte, um das eigene Selbstverständnis der Partner und den intensiven Ideenaustausch zu vertiefen. Der starke Auftritt der Nutzer ergab fünf Flexibilitätskriterien: unterschiedliche Wohnungsgrößen anbieten; eigene Raumaufteilung, Bad, WC und Küche eingeschlossen, möglich machen; Fenster flexibel setzen; Innenwände rückbaubar; Balkone unterschiedlich groß.

Das klingt nach Quadratur des Kreises. Nicht alles gelang. Nur einem potenten Auftraggeber ist zu danken, dass man sich über unsinnige Auflagen hinwegsetzen konnte, rechtliche Probleme aus dem Weg räumen konnte. Die flexiblen Balkongrößen scheiterten dann doch an juristischen, konstruktiven und gestalterischen Hindernissen.

Nimmt man die großzügigen Haupt- und umlaufenden „Neben“-Balkone als Kompromiss, so kann man dennoch sagen: Ziel erreicht – dank Ausschöpfung moderner Bautechnik. Insbesondere die Stützen mit integrierter Entwässerung sind ein wichtiger Baustein – mit der Installation im Doppelboden war Flexibilität der Nasszellen möglich. Das mit Aufzugkern, Treppenhauswand und Betondecken ausgesteifte Skelett erlaubt freie Stellung der Wände. Die umlaufenden Balkone bilden eine zweischichtige Fassade mit außen liegendem Sicht- und Sonnenschutz und rückwärtiger Klimahülle und freier Anordnung der Fenster, modular strukturiert.

Doch Flexibilität neutraler Pläne kann überfordern. Die von den Eigentümern erarbeiteten Grundrisse – meist in Absprache mit Möbelhäusern – glichen einander wie ein Ei dem anderen. Also: Planungshilfe unter dem Motto „bewusste Planen“, von mehr als der Hälfte der heutigen Bewohner genutzt. Die Bewohnerin Mair-Fleisch erinnert sich: „Ich hab‘ nicht gewusst, was das bedeutet – aber es hat sich sehr bewährt. Ohne Bereitschaft, sich darauf einzulassen, geht’s nicht. Emotionen brechen auf, um Grundlegendes geht’s – wie bei einem mediativen Prozess. Unsere unterschiedlichen Vorstellungen kamen auf den Tisch – anfangs, und so gab’s keine späteren Planungs-Streitereien.“

„Individuelle Gestaltung“, so Architekt Ritsch, „ist keine Design-Frage. Es geht um etwas ganz anderes – um eigene Bilder, gespeist aus eigener Erinnerung, Erfahrung, Erwartung. Da zahlt es sich aus, tiefer zu graben.“ Das Ergebnis gibt ihm recht: Nun gibt es charakteristische Wohnungen, keine gleicht der anderen. Und dennoch: ein Bau aus einem Guss.

Wie kriegt man das „unter ein Dach“? Was sich zu widersprechen scheint, ist integriert – die Gestaltung lebt von Polaritäten, in ein ausgeglichenes Verhältnis gebracht. So die Fassade: vielschichtig in Raumtiefe, Material, Form und Farbe stellt sie sicher, dass der Spagat zwischen Nutzerfreiheit und prägnanter Gebäudeform gelingt. Und im Grundriss: Lebhafte Räume aus geraden und gebogenen Linien, ausgeglichen. Damit ist angesprochen, was wohl am meisten auffällt – die organische Form. „Die verdankt sich keinem Gestaltungswillen“, so der Architekt, „sondern intensiver Auseinandersetzung mit dem Ort“. Wem Energieströme und Geomantie zu viel sind, mag das Stichwort „Genius Loci“ helfen: Die Bauten mit strengem Rückgrat und ausladender Sonnenseite orientieren sich zur Mittags- und Abendsonne, schwingen in lockerem Rhythmus der Geländekante und dem Waldsaum entlang, pulsieren zwischen Engführung und weitem Grün – gleiche Bauten bar jeder Monotonie.

Dynamik changierender Ansichten in Kobaltblau und Weinrot, frischer Lärche und Alu-Natur, horizontal geschichtet mit vertikalen Akzenten: Spannung und Entspannung, ausgeglichen. Ein nobler Ausdruck, der es gar nicht nötig hat, auszustellen, was da alles drin steckt – sei es die ungewöhnliche Raumhöhe, barrierefreie Bauweise, erhöhter Schallschutz, höchste energetische Effizienz, Individualität. In zwei Bauabschnitten wurden je zwei Baukörper von der AG Ritsch, Hörburger, Kuess und Schweitzer 2006 bzw. 2009 ausgeführt. Seit drei Jahren wohnen die Mair-Fleischs hier. „Die besondere Wohnqualität macht’s – wegen der Aussicht kauft man sich diese Wohnung nicht. Wir haben unseren eigenen Mikrokosmos geschaffen, aus einem Guss – mit Werten unserer Herkunft, gemäß unseren heutigen Bedürfnissen zeitgemäß gestaltet und offen für die Zukunft. Privater Rückzug und doch offen, im Grünen und stadtnah, und dieses Runde hat etwas Beruhigendes – harmonisch.“

Zum technischen Standard – ein Raumklima mit kontrollierter Lüftung ohne Staub, Insekten und Lärm – kommen soziale Angebote wie Versorgung mit Lebensmitteln, Car- Sharing, Fahrradwerkstatt, Spielplätze und der Kinderhort. Bereichernd ist die Nachbarschaft und Hausgemeinschaft – mit Begegnungen bei sommerlichen Grillfesten und dem schon regelmäßigen Kastanienfest vor Weihnachten. Oft, nicht immer – ausgeglichen eben.

Daten & Fakten

Objekt: Wohnanlage Sandgrubenweg

Bauherr: Rhomberg Bau GmbH

Architektur:

  • Atelier für Baukunst, DI Wolfgang Ritsch, Dornbirn
  • DI Helmut Kuess, Bregenz 
  • DI Norbert Schweitzer 
  • DI Gerhard Hörburger

Fachplanung:

  • Statik: Mader & Flatz
    Ziviltechniker GmbH, Bregenz
  • HSL: Peter Messner GmbH, Dornbirn
  • E: Kurt Düngler, Gaißau
  • Bauphysik: DI Lothar Künz ZT GmbH, Hard

Objektdaten:

  • Planung: Etappe I 2003–2006; Etappe II 2009–2009
  • Ausführung: Etappe I 2005–2006; Etappe II 2009–2010
  • Grundstücksfläche: 10.072 m²
  • Nutzfläche: 5812 m²

Bauweise:

  • UG: Massiv
  • EG – 3.OG: Mischkonstruktion, Stahlbetonskelettbau und Holzbau

Ausführung:

  • Baumeisterarbeiten, Stahlbeton: Rhomberg- Bau, Bregenz;
  • Holzbau: M & S Holzbau, Dornbirn; 
  • Förderanlagen Doppelmayr Lifte, Wolfurt; 
  • HSL – Stolz, Bregenz; 
  • Heizungstechnik: KWG, Mils; 
  • Kontr. Be- und Entlüftung: Drexel & Weiß, Wolfurt; 
  • Elektro – ITEC, Lauterach; 
  • Dach Spengler – Rümmele & Jäger, Lauterach; 
  • Fenster und Türbau: Trefz, Wüstenrot (D); 
  • Sonnenschutz Schiebeläden: AST, Nenzing; 
  • Sonnenschutz Sunscreen: Berchtold, Rankweil;

Auszeichnungen:

  • Mobilitätspreis VCÖ 2006
  • Vorarlberger Holzbaupreis 2007
  • Zukunft 3 der Landeshauptstadt Bregenz 2006/2007

Leben & Wohnen
Für den Inhalt verantwortlich:

vai Vorarlberger Architektur Institut

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