Neue Infineon-Chipfabrik in Villach eröffnet

Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka und COO Jochen Hanebeck
Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka und COO Jochen Hanebeck ©APA/GERT EGGENBERGER
In Villach ist heute eine neue Chipfabrik des deutschen Halbleiterkonzerns Infineon eröffnet worden. In die Erweiterung der Leistungshalbleiter-Produktion in Kärnten, die während eines globalen Chipmangels erfolgt, wurden 1,6 Milliarden Euro investiert. Die Nachfrage ist jedenfalls groß: "Die Kunden reißen uns die Chips aus der Hand, das Timing ist perfekt", sagte Infineon-Vorstand Jochen Hanebeck.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte beim symbolischen Eröffnungsakt die Bedeutung von Innovation beim Klimaschutz. Der EU-Kommissionsvertreter in Österreich, Martin Selmayr sieht in Villach ein "Silicon Valley".

Das gesamte Projekt mit Forschung und Entwicklung wird vom Bund mit rund 100 Mio. Euro gefördert, das Geld kommt aus einem 150 Mio. Euro schweren Programm für Mikroelektronik. Derzeit herrscht im Gefolge der Corona-Krise ein globaler Chipmangel, der ganze Industrieproduktionen bremst. Die von Infineon in Villach und Dresden produzierten Leistungshalbleiter (Energiesparchips) werden etwa in Solaranlagen, Windkraftwerken oder in der Elektromobilität eingesetzt und sollen dabei helfen, die CO2-Einsparungsziele zu erreichen.

Die Entscheidung zur Investition in ein neues Werk richte sich nicht nach der Höhe der Förderung, aber eine Subvention helfe natürlich im "global extrem verzerrten Wettbewerb", sagte Infineon-CEO Reinhard Ploss. Sowohl die USA als auch Südkorea und China investierten sehr viel in den Ausbau ihrer Halbleiterindustrie. Den Infineon-Standort Villach bezeichnete Ploss als "Wurzel der Leistungshalbleiterei".

Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka dankte allen Beteiligten, die die Errichtung der neuen Fabrik ermöglichten. Auch die Kooperation mit den Behörden habe sehr gut funktioniert. Durch die neue Produktion seien 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze im IT-, Elektronik- und Technik- und Ingenieursbereich entstanden, von denen der Großteil schon besetzt sei. Auch ein weiterer Ausbau wäre in Villach möglich, Ploss hielt sich zu der Frage aber bedeckt. Zunächst müssten die Kapazitäten der Fabrik voll aufgebaut werden, das werde einige Jahre dauern. Der Konzern wolle jährlich um 9 Prozent wachsen, derzeit sei das Wachstum viel höher. "Diese Halle wird die Zielsetzung wesentlich unterstützen", so der Infineon-Boss.

Künftig soll die Villacher 300-mm-Dünnwafer-Fabrik mit der Infineon-Fabrik in Dresden zu einer virtuellen Mega-Fabrik zusammengeschlossen werden. Dann könne man besser auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren, kündigte Hanebeck an. Beide Fabriken zusammen hätten im Endausbau ein Umsatzpotenzial von 5 Milliarden Euro jährlich.

An der feierlichen Eröffnung am Nachmittag nahmen neben dem Bundeskanzler auch Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sowie der Villacher Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) teil. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton schickte eine Videobotschaft. Die symbolische Eröffnung der High-Tech-Fabrik erfolgte per Klick auf eine App, statt ein Band durchzuschneiden.

Die Produktion in der neuen Chipfabrik ist bereits im August angelaufen, diese Woche wurden die ersten Produkte weggeschickt. Nun werden schrittweise weitere Maschinen im Reinraum in Betrieb genommen. Im Volleinsatz soll die neue Fabrik 2 Milliarden Euro mehr Umsatz pro Jahr bringen. Ursprünglich waren 1,8 Mrd. Euro pro Jahr erwartet worden, dies wurde nun nach oben hinaufgeschraubt.

Die Entscheidung zum Bau der Fabrik war bereits im Jahr 2018, also vor der aktuellen Chipkrise, gefallen, die Investition hat strategische Gründe. Derzeit sind Halbleiter international Mangelware, es kommt zu Produktionsverzögerungen und Lieferproblemen, insbesondere Autowerke müssen ihre Bänder stoppen.

Villach ist im Konzern das Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter und Leistungselektronik. Die Fertigung der Chips erfolgt auf 300-Millimeter-Dünnwafern, die mit 40 Mikrometern dünner als ein menschliches Haar sind. In Villach wurde die Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-Millimeter-Dünnwafern vor rund zehn Jahren entwickelt, die dann am Infineon-Standort Dresden in den vergangenen Jahren zur vollautomatisierten Volumenfertigung ausgebaut wurde. Die Nutzung dieser Technologie bringe aufgrund des größeren Scheibendurchmessers Produktivitätsvorteile und reduziere den Kapitaleinsatz, so das Unternehmen.

Infineon Technologies Austria ist ein Tochterunternehmen der Infineon Technologies AG mit Sitz in München. Infineon Österreich hat seinen Hauptsitz in Villach, weitere Niederlassungen gibt es in Graz, Klagenfurt, Linz und Wien. Mit rund 4.500 Beschäftigten in Österreich, davon 1.960 in Forschung und Entwicklung, wurde im Geschäftsjahr 2020 ein Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielt. Mit einem Forschungsaufwand von fast 500 Millionen Euro zählt das Unternehmen zu den forschungsstärksten in Österreich.

(APA)

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