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Ines Doujaks ungewöhnliche Samenbank im Kunst Haus Wien

Die Künstlerin Ines Doujak in ihrer Ausstellung "Landschaftsmalerei" im Kunst Haus Wien
Die Künstlerin Ines Doujak in ihrer Ausstellung "Landschaftsmalerei" im Kunst Haus Wien ©APA
Der Titel "Landschaftsmalerei" führt bewusst in die Irre. Was die 1959 in Klagenfurt geborene und in Wien lebende Künstlerin Ines Doujak ab Freitag im Rahmen der "Viennale Biennale for Change" im Kunst Haus Wien zeigt, ist alles andere als konventionell - und eigentlich eine Samenbank. Punktgenau beschäftigt sie sich mit zwei Arbeiten mit den aktuellen Themen von Nachhaltigkeit, Landraub, Monokultur und Klimawandel. Eines von vielen Projekten der Biennale-Partner des MAK.

Von einem befreundeten Gärtner, der über 40 Jahre lang Samen gesammelt hat, habe sie nach seinem Tod die umfangreiche Sammlung übernommen, erzählte Doujak am Donnerstag bei einem Pressetermin. Trotz großer Verluste durch einen Brand gebe es noch immer "eine ungeheure Menge an Material. Alles war fein säuberlich beschriftet. Ich bin keine Botanikerin, aber ich habe begonnen, mich mit den Samen zu beschäftigen." Samen seien ja "schlummerndes Leben" und erinnerten gleichzeitig in der wissenschaftlichen Namensgebung oft an Menschen, die gelebt haben. So habe der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der Erfinder der Nomenklatur der Pflanzen, etwa oft Unkräuter nach seinen Feinden benannt. Hier hat Ines Doujak eingegriffen und über 100 Pflanzen umbenannt - nach revolutionären Frauen aus Geschichte und Gegenwart.

Neue Namensgeberinnen sind etwa eine brasilianische Frauenrechtlerin, eine philippinische Guerilla-Kommandantin oder eine afghanische Rapperin. "Es sind Frauen, die außergewöhnliche Leben geführt haben", erläuterte Doujak. Ihre Biografien sind in einem Begleitbuch oder via QR-Codes im Web nachlesbar. Die Codes sind auf fein säuberlich in die Kunst Haus-Garage geschlichteten Gläsern angebracht, vor denen in hübschen Gefäßen die Samen zu bestaunen sind. Wer will, kann dabei auf einer Hollywoodschaukel Platz nehmen. "Die Installation ist ein Memorial für meinen verstorbenen Freund und auch ein Denkmal für die Kämpfe, die Menschen auf sich nehmen", sagte die Künstlerin, die zudem im Innenhof des Kunst Hauses eine Art Naturlehrpfad errichtet hat: Tafeln mit historischen, teilweise bereits ausgestorbenen Apfelsorten verbindet sie als Beispiele für die Vernichtung von Artenvielfalt mit Original-Zitaten über Landraub, bei dem Großkonzerne gewachsene Strukturen zerstören. "Es ist ein Thema, das leider an Aktualität gewonnen hat." Gerne hätte man die Open-Air-Ausstellung auch an der Donaukanal-Lände vor dem Kunst Haus weitergeführt, der Plan sei jedoch an den Behörden gescheitert, erzählte Doujak.

Neben dem Kunst Haus Wien gibt es zahlreiche weitere Projektpartner der "Viennale Biennale for Change". Die Universität für angewandte Kunst Wien zeigt die Ausstellung "Ecologies an Politics of the Living" im Angewandte Innovation Lab und betreibt eine interaktive Medienskulptur ("Collective Action Viewer") am Karlsplatz. Die Wirtschaftsagentur Wien beschäftigt sich in einem fahrenden Forschungslabor mit Urban Food und den "Essensräumen von morgen" ("Eat Love"), die Kunsthalle Wien nützt ab 10. Juni die Kunsthalle am Karlsplatz für einen "Space for Kids", bei dem Kinder mit Künstlern in Workshops neue Sichtweisen auf die Umwelt entwickeln können, und richtet am 18. Juni unter dem Titel "Getting wet" eine "diskursive Veranstaltung" rund um das Thema Wasser aus. Im Architekturzentrum Wien schließlich findet am 3. und 4. September eine Konferenz unterschiedlichster Wissenschaftssparten statt. "Planet matters" widmet sich in vier Panels den Themenbereichen Essen, Technologie, Bodenfrage und Kreislaufgesellschaft.

(S E R V I C E - "Ines Doujak: Landschaftsmalerei", Kunst Haus Wien, Wien 3, Untere Weißgerberstraße 13, 28.5.-3.10., tgl. 10-18 Uhr, ; viennabiennale.org)

(APA)

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