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In Vorarlberg wird täglich ein Fußballfeld verbaut

In Vorarlberg wird immer mehr Bodenfläche verbaut - und das Verkehrsaufkommen steigt mit.
In Vorarlberg wird immer mehr Bodenfläche verbaut - und das Verkehrsaufkommen steigt mit. ©VOL.AT/Hartinger
Bereits 140 Quadratkilometer an Boden sind in Vorarlberg für Verkehr- und Bauflächen verbaut. Und täglich kommt ein Stück in der Größe eines Fußballfeldes dazu. Darauf macht der VCÖ anlässlich des Weltbodentags am 5. Dezember aufmerksam. Der Club fordert eine verdichtete Siedlungsentwicklung, da diese nicht nur Verkehr, sondern auch den Flächenverbrauch einschränkt.

Seit dem Jahr 2006 ist der Verbrauch an Bau- und Verkehrsflächen fast fünf Mal so stark gestiegen wie die Bevölkerungszahl. Durch Zersiedelung wird viel Flächenverbrauch und auch viel Verkehr verursacht.

Flächenverbrauch nimmt stetig zu

“Die heutige Generation geht mit der Ressource Boden alles andere als nachhaltig um und lebt damit auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder”, stellt Ulla Rasmussen vom VCÖ fest. In ganz Österreich machen allein die Verkehrsflächen laut Umweltbundesamt bereits 2.051 Quadratkilometer aus, das sind um 89 Quadratkilometer mehr als noch im Jahr 2006.

Fläche so groß wie Dornbirn und Lustenau verbaut

In Vorarlberg nehmen die Verkehrsflächen 50 Quadratkilometer in Anspruch, um rund 7 Quadratkilometer mehr als noch im Jahr 2006. Die Bauflächen haben um elf auf 90 Quadratkilometer zugenommen. Legt man die verbaute Fläche von 140 Quadratkilometer in ganz Vorarlberg zusammen, kommt ein lückenlos verbautes Gebiet in etwa so groß wie die Gemeindeflächen von Dornbirn (121 km²) und Lustenau (22,5 km²) heraus.

Das scheint angesichts der Gesamtfläche Vorarlbergs von 2.601 Quadratkilometern nicht sonderlich viel zu sein. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Vorarlberg ein Hochgebirgsland ist, von der Gesamtfläche eignet sich nur rund ein Fünftel für intensive bauliche und landwirtschaftliche Nutzung. In Zahlen: Von 520 nutzbaren Quadratkilometern sind bereits 140 versiegelt.

Bodenfresser Einfamilienhaus

Der Flächenverbrauch hängt wesentlich von den Siedlungsstrukturen ab. Streusiedlungen verbrauchen besonders viel Fläche: Ein Einfamilienhaus in Streulage verbraucht aufgrund der Aufschließung doppelt so viel Naturfläche wie ein Einfamilienhaus in zentraler Lage und neunmal so viel Fläche wie ein dreigeschoßiger Wohnbau. Ein weiterer Aspekt: Je mehr Boden versiegelt ist, umso weniger Wasser kann bei Starkregen vom Boden aufgenommen werden, was wiederum Hochwassersituationen verschärfen kann.

Vorarlberg liegt weit unter Österreich-Schnitt

Vergleicht man den Flächenverbrauch pro 1.000 Einwohner schneidet Vorarlberg im Bundesländer-Vergleich aber noch gut ab. Während in Vorarlberg auf 1.000 Einwohner rund 37 Hektar Bau- und Verkehrsflächen entfallen, sind es im Österreich-Schnitt 53 Hektar, in Kärnten 75 Hektar, in Niederösterreich 81 Hektar und im Burgenland sogar 110 Hektar. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hat nur Wien mit 11 Hektar einen geringeren Flächenverbrauch als Vorarlberg.

“Diese drei Bundesländer haben auch den niedrigsten Pkw-Motorisierungsgrad, während das Burgenland, Niederösterreich und Kärnten die meisten Pkw pro 1.000 Einwohner und die höchste Autoabhängigkeit aufweisen”, schlüsselt Rasmussen den Zusammenhang von Siedlungsstrukturen und Mobilitätsverhalten auf. Wien, Vorarlberg und Tirol sind jene drei Bundesländer, wo der Anteil der klimafreundlich im Öffentlichen Verkehr, mit Rad oder zu Fuß zurückgelegten Alltagswege am höchsten ist.

Zersiedelung = lange Wege = mehr Verkehr

Zersiedelung frisst nicht nur viel Landschaft, sondern verursacht auch viel Autoverkehr und damit mehr Emissionen und zusätzliche Kosten. “Je zersiedelter die Region, umso mehr wird mit dem Auto gefahren. Die Wege sind länger, das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln schlechter. Wenn es zusätzlich noch an Radwegen fehlt, werden auch kürzere Strecken mit dem Auto gefahren”, betont die VCÖ-Expertin.

Der VCÖ fordert eine verkehrs- und flächensparende Raumordnung. “Wird das Wohnen in den Ortszentren forciert, wird nicht nur weniger Fläche verbraucht und die Mobilität klimafreundlicher. Die Orte werden auch belebt, der soziale Zusammenhalt in der Gemeinde gestärkt”, meint Rasmussen. Anreize kann auch die Wohnbauförderung setzen, indem zusätzlich zum Energieverbrauch des Hauses auch der Energieverbrauch der Mobilität mitberücksichtigt wird. Nach VCÖ-Ansicht sollte das Energiesparhaus zum Verkehrssparhaus weiter entwickelt werden. Dann komme Österreich auch seinen Klimaschutzzielen näher. (red)

Flächenverbrauch in Vorarlberg

  • Verkehrsflächen: 50 qkm (plus 7 qkm)
  • Bauflächen: 90 qkm (plus 11 qkm)
  • Gesamt: 140 qkm (plus 18 qkm)

Quelle: Umweltbundesamt (Stand 2014, in Klammer Änderung zu 2006)

Flächenverbrauch nach Siedlungsart

  • Wohnbau (siebengeschoßig): 88 qm
  • Wohnbau (dreigeschoßig): 119 qm
  • Einfamilienhaus: 582 qm
  • Einfamilienhaus in Streulage: 1.057 qm

Naturfläche inkl. Aufschließungsstraßen pro 100 qm Bruttogeschoßfläche (Quelle: Dallhammer)

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