AA

In Rankweil herrscht Aufbruchstimmung

Im Rahmen der Zentrumsentwicklung wurden zehn wichtige Maßnahmen definiert. Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall berichtet im Interview über Pläne und Maßnahmen im Bereich Infrastruktur, Zentrumsentwicklung und Soziales.

Der Frühling ist die Zeit des Erwachens – herrscht auch in Rankweil Aufbruchsstimmung?

Katharina Wöß-Krall: Ja,natürlich – und wie. Vor allem bei der Infrastruktur und im Bereich Soziales tut sich viel. Beispielsweise steht ab Herbst 2021 allen Rankweiler Unternehmen eine neue überbetriebliche Kinderbetreuungseinrichtung für Kinder von 1 bis 3 Jahre für ihre Mitarbeiter in Brederis zu Verfügung. Zusätzlich wurden Volksschule und Kinderbetreuungseinrichtungen in Brederis saniert und mit einem flexiblen und modernen Nutzungskonzept verknüpft. Mit solchen zukunftsfähigen Konzepten untermauern wir unsere Auszeichnung als familienfreundlichste Gemeinde Vorarlbergs. Bewertet wurden Projekte aus den Bereichen Familien, Pflege, Integration und soziale Netzwerke. Für attraktive Arbeitsplätze sorgen wir als Marktgemeinde mit Enkeltagen, Arbeitszeitmodellen nach dem Stundenplan der Kinder, Alters- und Bildungsteilzeit und geblockten Teilzeitarbeitszeiten. Aber auch hinter den großen Entwicklungsprozessen im Ortskern und in Brederis stehen zahlreiche Einzelprojekte, welche parallel dazu weiterlaufen müssen.

Welche Themen stehen aktuell auf der Tagesordnung der Gemeindeverantwortlichen?

Katharina Wöß-Krall: So vielfältig die Bevölkerung ist, so vielfältig sind auch die Themen, mit denen wir täglich zu tun haben. Von A wie Abfallkalender bis Z wie Zentrumsentwicklung. Wir sind für alles zuständig, was die Lebensqualität der Rankweiler stärkt und erhöht. Dazu gehören Brandschutz und Straßenbau ebenso wie das Meldewesen oder die Ortspolizei. Aber auch die Instandhaltung der Wasserleitungen sowie der Kanalisation oder die Vergabe von gemeinnützigen Wohnungen fallen in unseren Aufgabenbereich. Nicht zu vergessen die angegliederten Organisationen wie die Bibliothek, die Musikschule, das Sozialzentrum oder der Bauhof. Dazu kommt noch aktuell der zusätzliche und enorme Verwaltungsaufwand der Covid-19-Teststraßen und die sich laufend ändernden Rahmenbedingungen. Ohne die rund 200 Gemeindemitarbeiter, welche in Teil- oder Vollzeit tätig sind, wäre eine so gute Versorgung der aktuell etwa 12.000 Rankweiler gar nicht möglich.

Gemeinsam mit der Bevölkerung wird ein Prozess zur Ortskernentwicklung umgesetzt – welche sind hier die nächsten Schritte?

Katharina Wöß-Krall: Gemeinsam mit der Bevölkerung haben wir in vier Workshops vier Begegnungsräume definiert, in welchen wir uns auf zehn Top-Maßnahmen konzentrieren werden. Die Begegnungsräume sind der Marktplatz und die Ringstraße Süd als Treffpunkte für Bildung, Kultur und Veranstaltungen. Der Liebfrauenberg soll als Wallfahrtsort zeitgemäß auf spirituelle Erlebnisse ausgerichtet sein. Die Bahnhofstraße wird zur begrünten Flanierallee, einer Begegnungszone mit einem vielfältigen Angebot für Einkauf und Gastronomie. Die Ringstraße hingegen soll als junge, aktive, geschäftige und pulsierende Begegnungszone gelten. Als Erstes werden wir uns auf zehn Top-Maßnahmen konzentrieren.

Dazu gehören die Landesstraße Ringstraße, die Bahnhofstraße, das Quartier Schleife, das Kinderbetreuungshaus Markt, die Häusle-Villa, die Gestaltung des Marktplatzes, das Areal Rauch/Raiba, eine Mediathek, die Gestaltung des Liebfrauenbergs sowie innovative Arbeits- und Wohnformen für alle Generationen. In einem detaillierten Masterplan sind unter anderem die Nutzung der Erdgeschoße, 20 Schlüssel-grundstücke sowie Kriterien für die Gestaltung festgehalten. Letzteres umfasst beispielsweise maßvolle Verdichtung, Weiterentwicklung der vorplatzbildenden, gegliederten Straßenraumstruktur, Erhaltung von Sichtachsen von und zur Basilika oder ortstypische Fassadengliederung, durchgängige Farbkonzepte sowie die Gestaltung der Dachlandschaft oder die räumliche Beziehung von Architektur und Grünraum.

Jedes einzelne Gebäude an den Hauptstraßen im Ortszentrum wurde außerdem hinsichtlich Denkmalschutz, erhaltenswürdiger Baustruktur sowie Baumbestand betrachtet. In den kommenden Jahren geht es vor allem um die Umsetzung: Zusätzlich zu einem regelmäßigen Ortskerntag und einem öffentlichen Raum als Anlaufstelle für die Bevölkerung ist ein externer Ortskernmanager geplant, welcher sich auf Projektbasis um die Umsetzung, Entwicklung, Planung und Budgetierung all dieser Projekte kümmert – selbstverständlich unterstützt durch die Abteilungen im Rathaus. Wir werden zudem auch weiterhin eine laufende und transparente Kommunikation mit der Bevölkerung aufrecht erhalten. Sobald es die Corona-Situation zulässt, wird es eine öffentliche Veranstaltung geben, bei welcher das Ergebnis der Ortskernentwicklung der Bevölkerung präsentiert wird.

Gibt es schon konkrete Pläne für die Häusle-Villa?

Katharina Wöß-Krall: So wie in anderen Bereichen auch, war uns bei der Häusle-Villa der Einbezug der Bevölkerung sehr wichtig. Daher haben wir Vertreter aus der Bevölkerung eingeladen, an mehreren Workshops zu den grundsätzlichen Nutzungsmöglichkeiten teilzunehmen. Parallel dazu wurde vom Architekturbüro Wolfgang Ritsch eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die Ergebnisse daraus geben den Rahmen vor, in welchem sich die künftige Nutzung der Häusle-Villa bewegen wird. Laut der Studie lassen sich Lifte und Fluchtwege baulich gut umsetzen. Auch der Anschluss an das Nahwärmenetz sowie der Einbau von ausreichend Sanitär- und Lüftungsanlagen sind machbar. Einzige Einschränkung: Die meisten Wände in der Häusle-Villa sind tragend. Daher ist eine Vergrößerung der Räume nur teilweise möglich. Insgesamt stehen in der Häusle-Villa rund 280 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, mit der benachbarten Stickerei kommen nochmals 120 Quadratmeter dazu.

Das bedeutet, dass eine multifunktionale Nutzung als Büros, als Veranstaltungsräume oder eine Mischung denkbar wäre. Im Zuge der Machbarkeitsstudie wurde klar, dass auch der Park beim Sigmund-Nachbauer-Denkmal in die Überlegungen eingebunden werden sollte, um eine stimmige Gesamtwirkung zu erzielen. Zudem muss stets der Denkmalschutz mitgedacht werden: Veränderungen am bestehenden Gebäude müssen deutlich erkennbar sein, ohne dass die Wirkung des Gebäudeensembles verloren geht. Zurzeit führt Architekt Wolfgang Ritsch zusammen mit einem Bauleiter und dem Bundesdenkmalamt eine Vorerhebung hinsichtlich statischer Voraussetzungen durch. Darauf aufbauend wird die Sanierung des Gebäudes ausgeschrieben. Die endgültige Entscheidung über die Nutzung der Häusle-Villa inklusive Park und Stickerei wird erst zu einem späteren Zeitpunkt fallen.

Brederis soll zukünftig mehr in den Fokus rücken – was sind die Beweggründe dafür?

Katharina Wöß-Krall: Die Ausgangslage des Ortsteils Brederis ist im Vorarlberger Rheintal einzigartig: Einerseits handelt es sich dabei um einen historischen Siedlungskern entlang der Schweizer Straße, der immer noch umgeben ist von großen Ackerflächen und Wiesen. Andererseits gibt es großflächige Handels- und Industrieanlagen, Freizeitgebiete und ein hochrangiges Straßennetz mit der Autobahn. Ziel des Prozesses ist, Brederis weiterhin als lebenswerten Ortsteil weiterzuentwickeln, welcher Themen wie Verkehr, Wohnen, Ortsbild, Freiraum, Treffpunkte und öffentlichen Raum, aber auch Herausforderungen wie Klimawandel und Naturvielfalt berücksichtigt. Innerhalb eines Jahres soll ein Leitbild entstehen, welches sämtliche Rahmenbedingungen einbezieht.

Sie sind neue Obfrau der Regio Vorderland-Feldkirch – wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Katharina Wöß-Krall: Die Zusammenarbeit, das Miteinander in der Region, ist mir ein großes Anliegen. Daher werden wir die bestehenden Kooperationen weiter ausbauen. Inhaltlich werden wir uns dieses Jahr vor allem intensiv mit der Raumplanung beschäftigen. Das strategische Zielbild des regREK – ein raumplanerischer Werte- und Zielkatalog für die gesamte Region –  soll im Laufe des Jahres beschlossen werden. Darin wird es vor allem um Bauen und Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften, Unterwegs sein, Klima und Energie, Bewahren und Schützen, Erleben und Genießen, Zusammenleben und Wachsen und Kooperieren gehen.

Noch vor dem Sommer wird der Zielbild-Entwurf der Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. Das wird im Zuge der zweiten Beteiligungsphase mit einer öffentlichen, virtuellen Veranstaltung und einer schriftlichen Online-Beteiligung geschehen. Die Umsetzung wird ab 2022 in Angriff genommen. Auch das Thema Klimawandel hat für die Regio-Gemeinden hohe Priorität. Daher hat die Regio Vorderland-Feldkirch sich entschieden, eine Teilnahme am KLAR!-Programm anzustreben und die Klimawandelanpassung zu einem Schwerpunkt der regionalen Zusammenarbeit zu machen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Jetzt im Fokus 8
  • In Rankweil herrscht Aufbruchstimmung
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen