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ImPulsTanz: "Ghostdance" bot Musiktheater

Mit Tanz hatte diese Performance nur am Rande zu tun: Geister lassen sich - möchte man Thomas Köck und Andreas Spechtl Glauben schenken - sowieso besser mit Sounds und Geschichten beschwören. Schaurig-schön, nachdenklich, aber auch ein wenig mühsam gestaltete sich die Uraufführung ihres "Ghostdance" Freitagabend im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals im Wiener mumok.

Explodierende Universen, aber keine Künstler erwarten das Publikum eingangs. Gleich im ersten Raum der Ausstellung “Doppelleben”, die das Museum für moderne Kunst passenderweise für den Dramatiker Köck und den als Ja, Panik-Frontmann bekannten Spechtl zur Verfügung stellt, fällt die Frage: “Do you believe in ghosts?” Schließlich muss man darauf an diesem Abend mit einem klaren “Ja” antworten. Geister, das sind bei “Ghostdance” die Zukünfte und Utopien, die sich die Menschen der Vergangenheit erträumten.

Nach einem kurzen Abstecher in den Eingangsbereich geht es, begleitet von einem ins Mark gehenden Geschrei, aufwärts, wo nun endlich die Künstler warten. Ganz im Sinne alter indianischer Traditionen haben sie einen Kreis gebildet, ebenso wie es das Publikum um sie herum tut, um die Geister des 20. Jahrhunderts anzurufen. Statt indigener Trommeln arbeitet man heute mit Laptops, Mischpulten und Plattenspielern.

Die Farbpalette des Raumes ist auf schwarz-weiß reduziert, und so passen auch die hageren Künstler in ihren schwarzen Existenzialisten-Outfits perfekt in die Szene. Elektronische Musik tönt durch den Raum, manchmal auch ein Schlagzeug, manchmal Gesprächsfetzen, manchmal etwas ganz Unerwartetes. Bewegt wird sich hier – wenn überhaupt – in vor- und zurückwippenden Schritten. Dafür verspürt das Publikum vereinzelt Tanzimpulse.

Hin und wieder sprechen, flüstern und singen Köck und Spechtl in langsamem Englisch in herabhängende Mikrophone, in einer Art, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Hier findet die Ausstellung zu ihren Anfängen zurück: Die Künstler beschreiben den Ursprung des Universums und des “Sounds”. Später sollen sie aus dem 20. Jahrhundert erzählen, von Erfindungen wie dem Aufnahmegerät Magnetophon, von Faschismus und Nationalsozialismus. Und auch vom “Refugee-Philosopher” Theodor Adorno, der vor beiden warnt: “Don’t get too comfortable”, und die Musik fürchtet, die keine Kritik mehr anregt: “It would be music that erased history.”

Das Konzept zur Performance – die Hauntology – entlehnten die Künstler beim verstorbenen britischen Kulturwissenschafter Mark Fisher, der sich damit der Theorie vom Ende der Geschichte entgegenstellte. So wird auch “Ghostdance” im Programmheft unter anderem als “andauerndes, nicht endenwollendes Nachdenken, ein Gespräch spätnachts über das, was gewesen sein wird”, beschrieben; ein Musiktheater, das reflektieren lässt über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das gelingt den beiden Künstlern wohl nicht bei allen Zusehern. Denn “Ghostdance” kann schnell wie zusammengewürfeltes Tonmaterial wirken. Lässt man sich darauf ein, kann die Show aber auch ungewöhnliche, eindrucksvolle und nachdenklich machende Abendgestaltung sein. Eine weitere Möglichkeit dazu biete der 16. Juli, an dem Köck und Spechtl ihr Werk nochmal ins mumok bringen.

(S E R V I C E – )

(APA)

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