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Impfplan hält vorerst trotz Johnson & Johnson-Lieferstopps

Johnson & Johnson-Stoff kein dominanter Teil des heimischen Impfplans
Johnson & Johnson-Stoff kein dominanter Teil des heimischen Impfplans ©APA/AFP
Der vorläufige Impfstoff-Lieferstopp des US-Herstellers Johnson & Johnson nach Europa dürfte sich im Kampf gegen das Coronavirus vorerst nicht auf den österreichischen Impfplan niederschlagen. Es gebe "Alternativen", mit denen sich das Impfprogramm auffüllen lasse, sagte der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch dem Nationalen Impfgremium angehört, im "Ö1 Mittagsjournal" .

Das Vakzin des US-Herstellers, von dem eine Dosis zur Vollimmunisierung ausreicht, sei kein "dominanter Teil des österreichischen Impfplans", sagte Kollaritsch. Die in den USA beobachteten Nebenwirkungen nach einer Impfung wären äußerst selten aufgetreten, betonte der Experte. Es handle sich um "sechs Fälle von außergewöhnlichen thromboembolischen Ereignissen auf 6,8 Millionen verimpfte Dosen".

Am Abend werden in Wien weitere, detailliertere Informationen aus den USA zu den möglichen Impffolgen erwartet. Ob danach das Nationale Impfgremium zusammentreten wird, um das weitere Vorgehen hinsichtlich der Dosen von Johnson & Johnson zu beraten - 16.800 wurden bereits an Österreich geliefert, die Lieferung von weiteren 31.200 Dosen wäre bevor gestanden -, ist unklar. Kollaritsch merkte an, die dokumentierten Nebenwirkungen seien derart selten, dass man sich "sehr genau überlegen wird müssen, wie man die Kosten-Nutzen-Bewertung dieses Impfstoffes macht".

Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von AstraZeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge vermutlich mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. "Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist", sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

In den USA sind seit der Zulassung des Johnson & Johnson-Vakzins Ende Februar bei mehr als 6,8 Millionen Verimpfungen im Anschluss sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen erfasst worden. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. In den Präparaten von Johnson & Johnson und AstraZeneca wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Dies macht sich vor allem durch Kopfschmerzen bemerkbar, auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen können auftreten. Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

(APA/dpa)

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