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Im Ländle sind die Sauen los

Schwarzach - Zwei wurden in Au erlegt, in Damüls richteten sie große Flurschäden an und am Bödele verunzieren ihre Wühlattacken stark frequentierte Wanderwege: Die Wildschweine fühlen sich sauwohl im Ländle.

So wohl, dass sie bleiben. Ein Problem für Grundbesitzer, Landwirte und Jägerschaft.

„Die Jäger sind mit der Bejagung der Sauen überfordert“, gibt Bezirksjägermeister und Hegeleiter des Mellentales, Hans Metzler, zu. Im Mellental hat heuer ein Großteil der „deutschen Einwanderer“ überwintert. Üblicherweise überleben Wildschweine einen kalten Winter in den Bergen nicht, aber mittlerweile frischen die Sauen ein bis vier Nachkömmlinge.

Genaue Schätzungen, wie viel Schwarzwild sich derzeit in Vorarlberg aufhält, gibt es nicht, da die Sau einen riesigen Aktionsradius hat. Hans Metzler spricht vorsichtig von 20-40 Stück, Wildbiologe bei der Vorarlberger Landesregierung, Hubert Schatz, meint, dass es „nicht gerade Hunderte“ sind. Aber: „Die Wildsau ist bei uns heimisch geworden, ob es uns passt oder nicht.“

Zukunft „rosig“

Obwohl die Tiere keine Schonzeit haben und massiv bejagt werden, sieht die Zukunft für die Sau gut aus bei uns: Wärmeres Klima, großflächige Gertreideanbauten und der Rückzug der Baumgrenze bieten dem Schwarzwild immer bessere, weil ähnliche Bedingungen wie in ihrem Kerngebiet, dem deutschen Allgäu. Zusätzliches Plus für die Sau: Im bergigen und bewaldeten Vorarlberg findet sie ideale Deckung vor dem Jäger. Letzterer kann ein Wildschwein nur zufällig erlegen. „Es sind schon Treibjagden mit 50 Leuten organisiert worden“, sagt Hans Metzler. Ohne Erfolg. Denn Wildschweine sind hochintelligent, schneller als ein Hirsch und sehr geschickt.

Und vor allem: Kein anderes Wild ist so scheu wie die Wildsau. Menschen sind also nicht gefährdet. Vor einer hundert Kilo schweren Bache mit Frischlingen sollte man sich dennoch in Acht nehmen, warnt Hubert Schatz.

Gefräßige „Schädlinge“

Am wenigsten Freude mit dem heimisch gewordenen Schwarzwild haben Grundeigentümer und Landwirte. Auf der Suche nach Nahrung wühlen und scharren die Sauen nach Wurzeln, Würmer, Engerlingen und Knollen. Auf bewirtschafteten Feldern mögen sie auch Mais, Gerste und Weizen. Die Schäden, die sie dabei anrichten, können enorm sein; die Diskrepanzen zwischen Bodenbesitzern und Jägerschaft deshalb auf Dauer groß werden.

Die Natur alleine kann den Bestand nicht regeln, dazu passt sich das Schwarzwild zu schnell und zu geschickt an und besiedelt die Berglandschaft. Trotzdem wehren sich die Jäger, die alleinige Verantwortung für eine Überpopulation zu tragen. „Das wäre nicht fair. Wir haben sie nicht hergebeten. Und sie sind nun mal da“, sagt Wildbiologe Schatz. Für die Jäger sind die Sauen genauso eine Plage, denn sie stören das Wild. Und obwohl Wildschweine nicht gehegt werden, kann sich die Wildsau im schlimmsten Fall seelenruhig über eine Rotwild-Fütterung hermachen, wenn sie will.

In Teilen Deutschlands treibt das gewichtige Tier Grundbesitzer und Jagdpächter zur Verzweiflung. Dort müssen die verheerenden Schäden vom Jäger bezahlt werden. Die Folge: Jagdgebiete mit Wildschweinvorkommen will kaum mehr jemand pachten.

Die Wildsauen sind eine Plage, die eine große Herausforderung an alle Beteiligten darstellt. Grundeigentümer sollten verstärkt Akzeptanz zeigen, die Jäger Aktionismus, empfiehlt Hubert Schatz, für den klar ist: „Wir müssen jeder Sau habhaft werden!“

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