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Im Land "ist Islamismus nicht aktuell"

Schwarzach - Auf Einladung des Kuratoriums Sicheres Österreich haben sich die Spitzen der Vlbg. Sicherheitsbehörden und Kollegen aus der Nachbarschaft gestern im Medienhaus mit dem Phänomen des "Islamismus" befasst.

Ohne Muslime, aber bemüht um eine Versachlichung der Diskussion. Unter den rund 360.000 Vorarlbergern finden sich an die 30.000 Muslime. Nach Wien leben in Vorarlberg somit prozentuell die meisten Moslems. Maximal zwei Drittel davon sind in 45 türkischen und vier bosnischen Vereinen organisiert. Sie beten in 30 Moscheen und Gebetshäusern.

Das Gros völlig friedlich

Das Gros der Muslime lebt völlig in Einklang mit unseren Gesetzen, betont Sicherheitsdirektor Elmar Marent. Und sein Stellvertreter Hans-Peter Ludescher fügt an: „Nein, Islamismus ist nicht aktuell in Vorarlberg.” Von Hasspredigern wüsste man. Da vertraut die Sicherheitsdirektion auf ihre Kontakte in die moslemischen Vereine. „Dennoch gibt es Probleme.” So beklagt Ludescher, dass ausgerechnet jene, die islamische Religionslehrer ausbilden, den fundamentalistischen Islam predigen. Er spielt auf Amir Zaidan an, der in Wien das Religionspädagogische Institut leitet und in Deutschland als Muslimbruder und Islamist verschrieen ist.

Einig waren sich gestern alle, dass nur eine gelungene Integration vor radikalen Strömungen schützen kann.

Deutscher Experte skizziert Täterprofile

Markus Kaiser ist im Internet zuhause. Er arbeitet für den Verfassungsschutz in Baden-Württemberg.„Islamismus” heißt sein Thema. Auf Anfrage bestätigt er: „Das Internet ist heute die größte islamische Schule der Welt.”

Videobotschaften

Man findet harmloses und Hasstiraden. Kaiser hat auch jenes Video aus dem Netz gezogen, das er den Sicherheitsvertretern des Landes nun vorspielt. Der Streifen hinterlässt betretenes Schweigen. Da ist vom Krieg die Rede. Von den unzähligen Leiden der Muslime. Und davon, dass sie endlich zurückschlagen müssen. In ewigem Singsang wiederholt der Prediger seine Botschaft. „Wenn sie das wieder und wieder hören, verfehlt es seine Wirkung nicht.”

Tickende Zeitbomben

Der deutsche Verfassungsschutz sieht sich heute einer neuen Art von islamischem Terrorismus gegenüber. Die Täter tragen keine Rauschebärte. „Sie entstammen der Mittelklasse, sind im Zielland aufgewachsen, gut ausgebildet, sie wirken integriert.” Ihr westlicher Pass erlaubt ihnen weite Reisen. Sie sind völlig unauffällig. „Nicht einmal ein tief religiöses Milieu findet man als Hintergrund.”

So ein „einsamer Wolf” war auch der Kofferbomber vom Juni 2006. „Er fand seinen Spezi zuletzt übers Internet. Ansonsten operierte er völlig allein.”

Einsame Wölfe sind das neue Herzstück des „homegrown terrorism”. Sie erhalten keine Instruktionen von außen und brauchen keine Geldmittel. „Sie arbeiten nicht mit anderen Zellen zusammen.” Sinnsucher sind sie zu Beginn, die den Islam zur Gestaltung des eigenen Schicksals entdecken. Später finden sie „Mitbrüder” und außerfamiliäre Geborgenheit. Als neu erwachte strenge Muslime fühlen sie sich vom Westen bedroht. Sie solidarisieren sich mit den Leiden der islamischen Welt, die täglich über die Fernseher flimmern.

„Niemand weiß, zu welchem Zeitpunkt sie sich dann völlig verändern.” Manchmal führen „charismatische Gefährder” den Prozess herbei, an dessen Ende der künftige Attentäter sein Leben als ultimative Waffe des Islam begreift. „Diese Leute kann man nicht mehr stoppen.”


„Es gibt keinen absoluten Sprecher der Muslime.”

Elisabeth Dörler spricht perfekt Türkisch. Sie hat acht Jahre in Istanbul unterrichtet. Heute moderiert sie den katholisch-islamischen Dialog in Vorarlberg. Sie zeigt eindrucksvoll, wie vielschichtig sich die islamische Welt hierzulande darstellt.

Das „Haus des Islam”

„Bis in die 60er Jahre gab es praktisch keine Muslime im Land.” Bis 1950 durften sich gläubige Muslime überdies nur „im Haus des Islam” niederlassen, also in islamischen oder islamfreundlichen Ländern. Andere Regionen waren als „Haus des Krieges” tabu.

Dass Österreich als „Haus des Vertrages” einen Sonderstatus einnimmt, „war und ist weltweit vielen Muslimen nicht bewusst”. Dabei hat Österreich seit 1912 ein Islamgesetz. „Muslime sind voll anerkannt.” Aber auch die Grenzen sind klar: Die österreichische Verfassung steht klar über islamischem Recht. „Wer das nicht anerkennt, darf sich hier nicht niederlassen.” Die großen Gruppierungen skizziert sie so:

  • Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ): Theologisch konservative Bewegung, die Koranschulen errichtet. Sieben Gemeinden in Kennelbach, Lustenau, Hohenems, Götzis, Rankweil, Bludenz und ein Zentrum in der Dornbirner Bildgasse, „politisch unauffällig”.
  • Österreichisch-islamische Föderation (Mili Görüs): „Leben nach islamischen Grundsätzen, versucht, das islamische Recht zu leben. Sie bemühen sich, nicht anzuecken.” Verstärkt Zusammenarbeit mit arabischen Ländern. Vier Gemeinden in Dornbirn, Feldkirch, Lustenau, Zentrale in Bregenz.
  • Österrreichischer Kultur- und Sportverein – Ülkücüler: Eher nationaler Verein, hat im Westen die Wendung zum islamischen Denken angenommen. Gemeinden in Bregenz, Lustenau, Bludenz und Feldkirch.
  • Österreichisch-Türkisch-Islamischer Verein ATIB: Die Leiter der 13 Gemeinden sind vom Amt für Religiöse Angelegenheiten in Ankara entsandt, ihre Theologie entspricht der im türkischen Staat üblichen. Gemeinden in Bregenz, Dornbirn, Lustenau, Hohenems, Hard, Frastanz, Bludenz, Nenzing, Hörbranz, Bezau, Höchst, Rankweil und Mäder. „In der Praxis beste Erfahrungen in der Zusammenarbeit.”
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