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"Im Kleinen menschlich bleiben"

Roni hat ein Maschinenbaustudium abgeschlossen. Seinen Laptop würde der junge Techniker gerne wieder für die Arbeit verwenden.
Roni hat ein Maschinenbaustudium abgeschlossen. Seinen Laptop würde der junge Techniker gerne wieder für die Arbeit verwenden. ©MiK
Paul (51) und Renee (49) haben vor über zwei Monaten Roni aus Syrien bei sich in Alberschwende aufgenommen. W&W hat die „WG“ besucht.

„Das alles ist eigentlich zufällig passiert“, erinnert sich Renee, die zusammen mit Paul vor einigen Monaten Roni bei sich aufgenommen hat. „Wir waren einmal zu Besuch im Alberschwender Flüchtlingsheim. Wenn man die Menschen kennenlernt und zu dem, was man über die Nachrichten erfährt, einen Namen, ein Gesicht und eine Geschichte erfährt, kann man nicht sagen, dass einen das nichts angeht! Privat können wir nur im Kleinen menschlich bleiben, aber hierbei viel bewegen“, erklärt Renee. „Lernt die Leute kennen! Ihr werdet sehen, dass die Unterschiede überhaupt nicht groß sind“, lautet ihr Appell.

„Falsche Gesetze“

Wenn Roni an seine Flucht zurückdenkt und dann die Bilder des grausamen Schicksals der Flüchtlinge in Ungarn von vergangener Woche sieht, hat er gemischte Gefühle: „Es ist schrecklich, nicht nur, weil das theoretisch auch mir hätte passieren können“, erklärt er. „Zu 75 Prozent sehe ich die Schuld für so etwas bei den EU-Staaten, die die Menschen in Not durch falsche Gesetze zwingen, so zu reisen. Sie werden wie Verbrecher behandelt und müssen sich verstecken und dann passieren solche schrecklichen Dinge. Dass andere das Elend ausnutzen, um schnelles Geld zu machen, ist keine Überraschung.“ Ronis Familie war selbst schon in der Situation, dass sie helfen konnte und hat das auch getan: „In den Jahren 2003 bis 2005 kamen viele Flüchtlinge aus dem Libanon nach Syrien. Meine Großeltern haben in ihrem Haus eine Familie aufgenommen. Das war selbstverständlich“, sagt er.

Familiäre „Probleme“

Reibereien wegen Kultur oder Religion gebe es bei Paul, Renee und Roni keine. „Wenn wir uns streiten, dann wegen alltäglichen Dingen, wie z.B. den Ausgeh- oder Essenszeiten. So wie es auch mit meinen eigenen Söhnen ist“, sagt Renee und lacht. Religion ist in ihrem Haushalt kein Problem. „Wir reden viel über das Thema und lernen gegenseitig viel von einander. Wir drei sind aber alle nicht besonders religiös. Darum ist Bergkäse im Essen problematischer, als die Kirchenglocke.“

„Lasst mich arbeiten!“

Roni ist in einem ähnlichen Alter, wie die Söhne von Renee. Er hat ein Maschinenbaustudium abgeschlossen und in Syrien mit der Reparatur von Handys und Computern etwas dazu verdient. „Als man mich in die Armee einziehen wollte, war mir klar, dass ich gehen muss“, erinnert er sich. Hier könne er kaum erwarten, arbeiten zu dürfen. „Ich hätte einen Job, aber leider noch keine Arbeitserlaubnis. Jeden Tag denke ich mir: ,Lasst mich arbeiten!‘“

Factbox: „Vorarlberg zeigt Herz“

Die gemeinnützige Organsiation „Vorarlberg zeigt Herz“ ließ am vergangenen Wochenende mit einer tollen Aktion aufhorchen. Eine kleine Gruppe Vorarlberger Innen, darunter auch Model Sandy P.Peng (Bild), fuhr nach Traiskirchen, um zu helfen und mit Anrainern und Flüchtlingen zu sprechen. Sie verteilten Essen, Schlafsäcke, Matten, Winterkleidung und Malbücher sowie Buntstifte an die Kinder.

INFOS & KONTAKT

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E-Mail: objektmanagement@caritas.at

Tel.: 05522 200-1221

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