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Im Kampf gegen das Rauchen: „Warnhinweise sind nutzlos“

Dr. Günter Diem findet klare Worte zum Thema Rauchen.
Dr. Günter Diem findet klare Worte zum Thema Rauchen. ©VOL.at/ Paulitsch
Lustenau (VN-mm) - Präventivmediziner Günter Diem fordert rigoroseres Durchgreifen beim Nichtraucherschutz.

Er gilt schon lange als energischer Verfechter eines generellen Rauchverbots. Ebenso hat Dr. Günter Diem von Anfang an die österreichische Lösung als Ergebnis einer „lauwarmen, unentschlossenen nationalen Gesundheitspolitik“ gegeißelt. Knapp zwei Jahre nach Einführung des Nichtrauchergesetzes sieht der Allgemein- und Präventivmediziner aus Lustenau seine Befürchtungen bestätigt. „Die Diskussion läuft weiter auf der falschen Ebene. Statt über die gesundheitlichen Folgen wird über die ökonomischen Nachteile für die Gastronomie debattiert“, ärgert sich der Mediziner.

Wieder mehr junge Raucher

Dabei sieht er nicht in erster Linie die Lokalbetreiber in der Schuld. „Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt, indem man ihnen weismachte, dass mit Umbauten alles geregelt ist.“ Da jetzt zurückzukrebsen hält Günter Diem zwar für schwierig, weil viele viel Geld lockergemacht hätten, aber nicht unmöglich. „Es wäre klar besser, den Schritt zu einem strikten Rauchverbot zu setzen, auch wenn er unpopulär erscheint.“ Diese nachdrückliche Ansage kommt nicht von ungefähr. Beinahe ein Viertel der 15-Jährigen und älteren Bevölkerung in Österreich greift täglich zur Zigarette. Wobei der Anteil bei den Frauen (19,4 Prozent) steigt, jener der Männer (27,5 Prozent) rückläufig ist. „Mit Besorgnis“ registriert der Arzt außerdem wieder eine Zunahme bei jüngeren Personen.

Prävention am Ende

Die steigenden Zigarettenpreise bewertet er im Kampf gegen das Rauchen als ebenso nutzlos wie die Warnhinweise auf den Packungen. Beides wirke höchstens kurzfristig abschreckend. Auch die Prävention sieht Dr. Günter Diem am Ende. „Jetzt helfen nur noch legislative Maßnahmen“, sagt er. Das heißt für ihn schlicht und einfach, die Gelegenheiten drastisch zu reduzieren, etwa durch ein generelles Rauchverbot in Lokalen und die Einschränkung der Abgabemöglichkeiten. „Gleichzeitig müssen wir dem Rauchen die Normalität nehmen und künftige Generationen davor bewahren einzusteigen“, mahnt Diem die Verantwortung der Gesellschaft ein. Gruppendruck und Lebensstilattribute wie Lässigkeit verleiten nach wie vor am häufigsten zum Nikotinkonsum. „Rauchen ist ja keine Weltanschauung, sondern muss erlernt werden“, verdeutlicht Diem. Ist die Entscheidung dafür gefallen, dauert es allerdings nicht lange, bis die suchterzeugende Wirkung des Nikotins greift. Entsprechend mühsam erweist sich der Ausstieg. 30 Prozent der Raucher schaffen es nie, andere nur nach unzähligen Versuchen. „Viele fühlen sich unwohl mit ihrer Sucht. Auch ihnen müssen wir helfen“, so der Appell des Arztes, der auch als Berater für die (WHO) tätig ist.

Forschungsprojekt

Dass die Gefährlichkeit von Zigaretten „Jahrzehnte verschwiegen wurde, obwohl sie bekannt war“, ärgert den Vorsorgemediziner besonders „Sagen wir doch klar, dass Rauchen die Lebensqualität alles andere als erhöht, sondern drastische Folgen wie Lungenkrebs zeitigt.“ Da müsse ein Umdenken in der Gesellschaft beginnen. „Sonst hecheln wir, was die gesundheitlichen Auswirkungen betrifft, weiter nur hinterher“, warnt Diem. Seine diesbezüglich umfassenden Erfahrungen kann er in einem Forschungsprojekt mit der MedUni Graz einbringen.

Heiße Debatte um Nichtraucherschutz

Die Diskussion um den mangelhaften Nichtraucherschutz in Österreich ist auch in Vorarlberg wieder neu entbrannt. Wie berichtet, setzte es im ersten Halbjahr 2011 nicht weniger als 79 Anzeigen gegen Lokalbetreiber, die gegen das Nichtrauchergesetz verstoßen haben sollen. Das waren mehr als im gesamten Jahr 2010. Dies ist insofern bermerkenswert, als den Behörden offensive Kontrollen in der Gastronomie nicht erlaubt sind. Sie dürfen erst nach Vorliegen einer Anzeige tätig werden.

Kritik an Bundesregierung

Überhaupt stößt die von vielen als „typisch österreichisch“ kritisierte Nichtraucherregelung mit ihren zahllosen Ausnahmen zunehmend auf Kritik. So wirft etwa der Leiter der Werkstatt für Suchtprophylaxe, Andreas Prenn, der Bundesregierung Versäumnisse bei strukturellen Maßnahmen vor. Ebenso wie Dr. Günter Diem kritisiert er, dass die Debatte stattdessen auf dem Rücken der Wirte und des Gastronomie­personals ausgetragen werde. Laut Prenn mangelt es zudem an Unterstützungen, die Rauchern einen leichteren Ausstieg aus der hartnäckigen Sucht ermöglichen könnten.

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