Im Internet verliebt: Vorarlbergerin überweist Betrüger 100.000 Euro

Eine 77-Jährige Vorarlbergerin verliebte sich über das Internet in einen Mann und ließ sich von ihm dazu bewegen, über 100.000 Euro an ihn zu überweisen, ohne ihn einmal getroffen zu haben.
Eine 77-Jährige Vorarlbergerin verliebte sich über das Internet in einen Mann und ließ sich von ihm dazu bewegen, über 100.000 Euro an ihn zu überweisen, ohne ihn einmal getroffen zu haben. ©Unsplash
Eine 77-jährige Vorarlbergerin aus dem Bezirk Bregenz hat einer Bekanntschaft, in die sie sich über das Internet verliebt hatte, über 100.000 Euro überwiesen. Laut Polizei nennt sich die Betrugsmasche "Love Scam".

Mit dem englischsprachigen Begriff „Love Scam“ wird eine Form des Internetbetrugs bezeichnet, bei der gefälschte Profile in Singlebörsen oder auf Social Media dazu benutzt werden, den Opfern Verliebtheit vorzugaukeln – mit dem Ziel eine finanzielle Zuwendung zu erschleichen.

Auf Facebook kennen gelernt

Eine 77-jährige Frau aus dem Bezirk Bregenz lernte auf Facebook einen Mann kennen, in den sie sich im Zuge der wochenlangen Kommunikation verliebte. Da der Mann immer wieder angab, sich in finanziellen Engpässen zu befinden und die Frau um Geld bat, überwies sie von Ende 2017 bis Anfang August 2018 insgesamt über 100.000 Euro.

Immer gleiche Vorgehensweise

Die Vorgehensweise der Betrüger ist dabei immer die Gleiche. Mit beeindruckenden Details über den beruflichen Werdegang und Reisen um die ganze Welt und Mitleid erweckenden Geschichten über gescheiterte Ehen wird das Interesse geweckt.

Zu Beginn sind die Nachrichten eher unauffällig, bald schickt der Betrüger aber Liebesgedichte und andere Liebesschwüre und verspricht, das Opfer besuchen zu kommen. Opfer glauben oft, den Traumpartner gefunden zu haben. Ein Treffen wird vereinbart. Doch dann folgt plötzlich die schlechte Nachricht, das versprochene Treffen kann aus einem der folgenden Gründe nicht stattfinden:

  • Krankes Familienmitglied – der Betrüger benötigt dringend Geld für Operation. Auch eigene Krankheit wird manchmal vorgeschoben.
  • Schulden – der Betrüger hat Schulden, in die er ohne eigenes Verschulden geraten ist und muss sie dringend zurückzahlen.
  • Gefängnis – er wurde unschuldig auf Geschäftsreise verhaftet, hat aber keine Ausweisdokumente, da diese gestohlen wurden. Für das Anfertigen neuer Dokumente durch die Botschaft wird nun Geld benötigt.
  • Geld für Flug – Der Betrüger möchte das Opfer besuchen kommen, hat aber nicht so viel Geld. Meist wird der Betrüger am Flughafen oder auf dem Weg zum Flughafen bestohlen und das Geld ist weg.
  • Militärdienst – der Betrüger ist angeblich Angehöriger der Armee und erhält nur gegen Bezahlung Urlaub, um das Opfer zu besuchen.

Die Taktik ist hierbei immer die gleiche: Der Betrüger ist angeblich unverschuldet in eine Notlage gekommen, in der er Geld braucht – nur wenn er es vom Opfer erhält, kann das ersehnte Treffen stattfinden. Manchmal tritt in dieser Phase auch ein Komplize auf, der sich als Arzt, Vorgesetzter, Freund bzw. Verwandter, usw. ausgibt und die Geschichte des Betrügers bestätigt.

Emotionale Abhängigkeit

Zahlt das Opfer, so sind die Betrüger meist nur kurz zufrieden. Das versprochene Treffen kann nun aus einem anderen Grund nicht stattfinden, unter einer neuen Ausrede wird wieder um Geld gebeten. Weigert sich das Opfer zu zahlen, macht der Betrüger ihm Vorwürfe und beschuldigt es, ihn nicht zu lieben. Oft gelingt es ihm, sein Opfer so unter Druck zu setzen, dass es nochmals zahlt, sogar mehrmals. Manche der in emotionaler Abhängigkeit geratenen Frauen überweisen nicht nur ihr gesamtes Barvermögen an die Betrüger, sondern auch noch aufgrund deren Forderungen aufgenommene Kredite.

Erst wenn das Opfer zahlungsunfähig ist, sich endgültig weigert zu zahlen oder auf einem vorherigen Treffen besteht, endet der Betrug: Die Internetprofile des Betrügers werden gelöscht und er meldet sich nicht mehr.

Namen prüfen

Die Polizei Vorarlberg rät zur Vorsicht bei Bekanntschaften über das Internet und empfiehlt, mit einer vertrauten Person über die Bekanntschaft zu sprechen, bevor Überweisungen getätigt werden. Auch eine kurze Suche nach dem Namen der Bekanntschft im Internet kann schon oft frühzeitig vor einer Betrugsmasche warnen. Oft tauchen die Namen der vermeintlichen Verehrer bereits als Warnung in verschiedenen Foren auf.

Abschließend ermutigt die Polizei Geschädigte, im Falle eines Betrugverdachts, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Auch die Beamten wissen: “Liebe macht blind”. Genau das sei auch der Grund, warum die Täter sich der Gefühlswelt der Opfer bedienen, um an deren Geld zu gelangen.

(red)

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