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Im Angesicht des weißen Todes

Klaus Hagen ist der „Bewegung am Berg“ verfallen.
Klaus Hagen ist der „Bewegung am Berg“ verfallen. ©Privat
Wer einmal unter eine Lawine kam, wird dieses Erlebnis ein Leben lang nicht vergessen. Der 45-jährige Familienvater Peter Tuchel* hat schwere Tage hinter sich. Sehr nahe ist ihm der tragische Lawinentod des beliebten Dornbirner HNO-Arztes gegangen.

Nicht nur weil er diesen gekannt hat, sondern vor allem deswegen, weil ihn dieses Unglück schmerzhaft an sein eigenes Schicksal erinnert. Peter Tuchel kam vor gut einem Jahrzehnt selbst unter eine Lawine. Er hatte damals Glück, überlebte schwer verletzt. Er will seinen richtigen Namen nicht öffentlich bekannt geben. „Weil mich dann noch mehr Leute anreden und das damals Erlebte noch stärker hochkommt. Das will ich nicht.“

Glück gehabt

Es war der Faschingssonntag im Jahr 2000. Peter Tuchel, ein leidenschaftlicher Tourenskifahrer, wollte beim Oberzalimkopf nahe Brand Richtung Tal fahren, als er das Schneebrett auslöste, das ihn wenig später verschlang. „Ich war bewusstlos, erwachte erst viel später im Spital wieder. Ich hatte schwere Kopfverletzungen, Bein- und Armbrüche.“ Was Tuchel wahrscheinlich das Leben rettete: Ein Ski ragte aus dem Schnee, unter dem er begraben lag. „Wie beim Dornbirner Arzt herrschte auch bei mir Lawinenstufe 3. Ich hatte Glück, er nicht.“ Aus diesem Grund würden ihn solche Ereignisse sehr belasten. Auf Skitouren geht Tuchel freilich weiterhin. „Doch niemals mehr bei Lawinenstufe 3. Ich bin jetzt Familienvater und gehe kein Risiko mehr ein. Auch wenn ich die Berge nach wie vor liebe.“

Bei Bewusstsein

Körperlich unversehrt blieb der heute 57-jährige Bankbeamte Johannes Kuhn, als ihn vor mehreren Jahren beim Skifahren in Lech ein Schneebrett erwischte. Was für ihn das Erlebnis jedoch schlimm machte: „Ich war bei vollem Bewusstsein, als mich das Schneebrett unter sich begrub.“ Im Nebel war Kuhn damals von der gesicherten Piste abgekommen und in freies Gelände gelangt, löste dadurch das Schneebrett aus. Hilflos lag Kuhn damals knapp einen halben Meter unter dem zusammengepressten Schnee, konnte sich nicht mehr bewegen, hörte die Instruktionen des Skilehrers, der in unmittelbarer Nähe eine Gruppe führte. Ihn sahen sie im Nebel nicht. Glück für Kuhn: Eine Hand ragte aus dem Schnee. „Ich geriet Gott sei Dank nicht in Panik, bekam genug Luft. Ich wusste, meine zwei Kollegen würden mich finden. Das geschah dann auch nach einer halben Stunde. Natürlich bist du danach geschockt. Meine Lehre daraus: Gehe ja kein Risiko mehr ein.“

Bewegung am Berg

Ein gewisses Risiko in Kauf nimmt praktisch jedes Wochenende der Lustenauer Prokurist Klaus Hagen (47). Die Lust am Tourengehen hat ihm auch die Bekanntschaft mit einem Schneebrett in den Schweizer Bergen nicht genommen. „Ich war selber schuld“, sagt Hagen heute. „Ich habe das Ausmaß der über Nacht erfolgten Schneeverfrachtungen am Hang nicht richtig eingeschätzt.“ Als das Schneebrett losbrach, blieb Hagen in einem wilden Ritt siegreich, konnte sich in letzter Sekunde aus der tödlichen Gefahr retten. Noch mehr seine Sinne geschärft habe dieses Erlebnis. Hagen bereitet sich auf jede Tour gewissenhaft vor, ein Restrisiko bleibt dennoch. Einige Kollegen und Freunde Hagens bezahlten im Laufe der Jahre ihr Risiko mit dem Leben. Warum es einen wie ihn trotzdem magisch immer wieder in die verschneiten Berge zieht? „Es ist diese Faszination der Bewegung am Berg. Wenn es so ruhig um dich herum ist, so still und schön. Das ist herrlich.“

*Name von der Redaktion geändert.

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