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Illustrierte berichtet über Kriegsverbrecher

Die neue Vorarlberger Monatsillustrierte „Echo“ bringt mit der Titelgeschichte ihrer Jänner-Ausgabe erstmals die Geschichte des Vorarlberger Kriegsverbrechers Irmfried Eberl an eine breitere Öffentlichkeit.

Anlass ist das erste Buch, das über den Arzt und zeitweiligen Lagerkommandanten von Treblinka erschienen ist.

Unter der Verantwortung Eberls waren 300.000 Menschen während der Nazizeit ermordet worden. Laut des jungen Historikers und Buchautors Michael Grabher hatte Eberl auch selbst immer wieder den „Gashahn“ eigenhändig betätigt. Schon im Jänner 1940 habe Eberl an den ersten Vergasungsversuchen mit Kohlenmonoxid im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg an der Havel teilgenommen.

Als Arzt und Wissenschaftler war er in das so genannte Euthanasieprogramm der Nazis an führender Stelle aufgenommen worden. So verfasste er beispielsweise für die geheim operierenden Ärztekollegen ein Kompendium mit 61 Mustergutachten von möglichst glaubhaften natürlichen Todesursachen, um damit die Morde zu verschleiern. 1942, Eberl war inzwischen SS-Untersturmführer, bereitete er den Aufbau des Vernichtungslagers Treblinka vor, das er am Anfang auch leitete. In diesen nur sechs Wochen waren dort 280.000 Menschen umgebracht worden. Anschließend wurde er Leiter der Tötungsanstalt Bernburg.

Der Fall des verurteilten Massenmörders Irmfried Eberl, der 1910 in Bregenz geboren wurde, war bisher in Vorarlberg nur in Historiker- und Ärztekreisen geläufig. Das ist auch für den Historiker Wolfgang Weber (Vorarlberger Landesarchiv und Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck) erstaunlich, zumal auch die beiden Brüder Eberls während der NS-Zeit führende öffentliche Funktionen in Vorarlberg ausübten: “Über Irmfried Eberl findet sich auch ein Eintrag im Biographischen Lexikon der Deutschen Burschenschaften, seine Verbrechen wurden auch immer wieder öffentlich genannt“ – jedoch nur mit geringem Widerhall.

Weber verweist auch darauf, dass – in anderer Dimension – unter Vorarlberger Ärzten Eberl kein Einzelfall gewesen sei. Nach dem NS-Gesetz von 1947 wurde von den 1946 in Vorarlberg zugelassenen 136 Ärzten 28 die Praxiserlaubnis entzogen. Unter anderem in einem Fall deshalb, weil der betreffende Mediziner in seiner Heimat für das „Euthanasieprogramm“ verantwortlich war.

Ums Haar wäre Irmfried Eberl davon gekommen. Unter falschen Angaben kam er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft frei und hatte 1947 bei UIm/D beinahe schon die Wiederzulassung als Arzt in der Tasche. Im Zusammenhang mit anderen Untersuchungen stießen die Behörden dann allerdings auf seine Spur und er wurde inhaftiert. Der Vollstreckung des Todesurteils entzog er sich durch Selbstmord in seiner Zelle am 16. Februar 1948.

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