Illegale Straßenrennen in Vorarlberg: So ticken die meisten Straßenrowdys

Beim INFAR hat man Erfahrungen mit Rasern.
Beim INFAR hat man Erfahrungen mit Rasern. ©VOL.AT, INFAR
Illegale Straßenrennen sollen scheinbar zumindest für einen Unfall am vergangenen Wochenende verantwortlich sein. Doch was für eine Art von Mensch fährt solche Rennen? Wir fragten beim Institut für Nachschulung und Fahrer-Rehabilitation (INFAR) nach.
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Cornelia Bauer leitet das Institut INFAR in Vorarlberg, seit 16 Jahren beschäftigt sie sich mit auffällig gewordenen Verkehrsteilnehmern. Immer wieder hat und hatte sie im Rahmen von Nachschulungen und Verhaltenstrainings mit Verkehrsteilnehmern zu tun, die aufgrund rowdyhaftem Verhalten im Straßenverkehr aufgefallen sich.

“Ich bin das Auto”

Vielen gemein sei ein hoher emotionaler Bezug zu dem eigenen Auto. Aufgrund eines niedrigen Selbstwertgefühls würden sie sich oft über das eigene Auto und dessen Marke definieren. Dies könne sogar zu Aussagen wie “ich bin das Auto” führen, berichtet Bauer. “Ich bin gut, wenn ich gut fahre”, fasst sie diese Art der Selbstwertbestätigung zusammen.

Emotional und impulsiv

Hinzu kommt häufig eine mangelnde Impulskontrolle. Sie lassen sich leicht durch andere Verkehrsteilnehmer provozieren. “Fahrverhaltensfehler anderer werden dabei oft als Provokation aufgefasst, die nach einer Reaktion verlangt”, erklärt die INFAR-Leiterin. Dies gelte meist nicht nur für die Straße. “Solche Personen sind auch häufig abseits der Straße verhaltensauffällig”, bestätigt Bauer. Oft genug ginge es darum zu zeigen, wie man “richtig” fährt.

Selbstbestätigung und Suche nach Abenteuer

Zu den sogenannten “extra motives” der besonders gefährdeten Gruppe der jungen Fahrern zählen laut der Psychologin die Selbstdarstellung und -bestätigung, die Auslotung eigener Grenzen, aber auch Spaß am Fahren und die Positionierung in einer Gruppe wie dem Freundeskreis. Hinzu kommen verstärkte Autonomie- und Auslebungstendenzen sowie eine allgemein eher niedrige Hemmschwelle. In risikoreichen Verkehrssituationen können sie zeigen, was sie können – was wiederum zur Selbstwertsteigerung beiträgt. Auch die Suche nach Abenteuern (sensation seeking) dürfe man nicht unterschätzen.

Auto als Ventil

Doch auch psychosoziale Belastungen können zu unsozialen Verkehrsverhalten führen, weiß Bauer. So diene das Auto oft als Ventil, um Aggressionen und Stress abzubauen. Hinzu kommen in gewissen Fällen auch antisoziales Verhalten wie disfunktionale Denkschemen: Andere würden ja auch so fahren, der eigene Fahrstil sei unproblematisch, fehlende Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmern. Manche seien sich einfach nicht bewusst, dass sie andere Personen gefährden könnten.

Türken mit BMW sei reines Klischee

Dass es sich hierbei vor allem um junge Männer mit türkischem Migrationshintergrund und 3er BMW handeln würde, tut Bauer als Klischee ab. Auch seien die jungen Verkehrsraser alles andere als unbelehrbar, betont Bauer. Vielmehr könne man sie recht erfolgreich durch verkehrspsychologische Interventionen erreichen. Wie erfolgreich und langfristig diese Besserung anhält, weiß man jedoch nicht.

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