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Katzenbabys in Hard im Müll entsorgt: Ignorierte Kastrationspflicht schafft Tierleid

Wenige Stunden nach dieser Aufnahme starb dieses Katzenbaby. Es wurde in Hard im Müll entsorgt.
Wenige Stunden nach dieser Aufnahme starb dieses Katzenbaby. Es wurde in Hard im Müll entsorgt. ©Vorarlberger Tierschutzheim
Hard. Auf einem Harder Spielplatz sind am Mittwoch drei ein paar Tage alte Babykätzchen im Müll entsorgt worden. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Durch die vielfach nicht eingehaltene Kastrationspflicht werden Tierschützer immer häufiger mit tragischen Vorfällen konfrontiert. Sie appellieren: Wer seine Katze, seinen Kater nicht kastriert, macht sich am Leid dieser Tiere mitschuldig.

Die Katzenmutter schnurrt, als sie das Köpfchen eines ihrer Kätzchen ableckt. Um anschließend ein ihr fremdes Köpfchen zu putzen. Zwei der Kätzchen sind nicht die ihren. Angenommen hat die Katzendame, ein Schützling des Vorarlberger Tierschutzheims, sie nach anfänglichem Zögern trotzdem.

Neben ihr kniet eine Mitarbeiterin des Vorarlberger Tierschutzheims. “Das kann doch nicht wahr sein. Was ist nur mit solchen Menschen los”, fragt sie sich, während sie eines der Kätzchen streichelt. Auch um zu sehen, ob es genügend Körperwärme abbekommt.

Vorarlberger Tierschutzheim
Vorarlberger Tierschutzheim ©Jemandem waren diese Kätzchen so viel wert wie Müll. Dort landeten sie auch, verpackt in einem Plastiksack. Im Bild: Die zwei Geschwisterchen werden im Vorarlberger Tierschutzheim umsorgt. Trotz des beherzten Einsatzes der Tierschützer kam für sie jede Hilfe zu spät. Foto: Vorarlberger Tierschutzheim

Die ganze Nacht sitzt die Frau bereits bei den nur wenige Tage alten Katzenwelpen. In weniger als einer halben Stunde wird sie erleben, dass all ihre Bemühungen umsonst waren. Wie zuvor eines ihrer Geschwisterchen, das in den Händen eines Tierheim-Mitarbeiters gestorben war, werden auch diese Findelkinder noch in dieser Nacht einschlafen. Und nicht mehr aufwachen.

Frau findet Kätzchen in Müll

Ein junge Bregenzerin hatte die Kätzchen in Hard in einer Mülltonne in der Nähe eines Spielplatzes gefunden. Fest verpackt in einem Plastiksack, in dem sie beinahe erstickt wären.

Die alljährliche “Katzenschwemme”…

“Katzenbabys ohne Mama im Gebüsch gefunden”, “Kätzchen in Kiste ausgesetzt”, “Kätzchen unter Auto abgelegt”: In diesen Tagen werden Tierschützer im ganzen Land mit tragischen Vorfällen konfrontiert. Alle Jahre wieder, vor allem im Mai. Man spricht von den sogenannten “Maikätzchen”. In Vorarlberg ist die Zeit der Katzenschwemme angebrochen. Tierheim und Tierschutzvereine sind überlastet und müssen etliche Kätzchen aufpäppeln und vermitteln.

Ein Kraftakt. Bei einem Katzenbaby ohne Mutter bedeutet das für die Tierschützer nämlich, alle zwei Stunden parat zu stehen. Auch nachts. Das Kätzchen braucht schließlich seine Milch. So kümmert sich allein die Pflegerin der Katzenpflegestelle Vandans derzeit um mehr als 18 Babykätzchen, einige von ihnen nur ein paar Tage alt. Auch sie wurden zumeist ausgesetzt gefunden.

… als Resultat der ignorierten Kastrationspflicht

Alles ein Resultat der so oft nicht eingehaltenen Kastrationspflicht. Während die einen gar nicht wissen, dass die Kastration von Kätzinnen wie Katern mit regelmäßigem Zugang ins Freie in Österreich bereits seit 2005 verpflichtend ist, scheuen andere die Kosten. Und wieder andere wollen erst gar nichts davon wissen. Sie ignorieren die Vorschrift, oft auch aus falsch verstandener Tierliebe.

Geltende Ausnahmen

Ausgenommen von der Kastrationspflicht sind reine Wohnungskatzen, Tiere, die zur Zucht verwendet werden und Katzen “in bäuerlicher Haltung”. Wobei nicht alle Katzen, die auf einem Bauernhof leben, auch automatisch in “bäuerlicher Haltung” gehalten werden. Die Ausnahme betrifft Katzen, die sich unter anderem in Bauernhofnähe aufhalten – allerdings als Streunertiere, zwar von Menschen gefüttert, aber nicht in menschlicher Obhut gehalten.

Eine Ausnahme, die fallen muss, sind sich nicht nur Österreichs Tierschutzombudsleute einig. Sie fordern von der Politik eine Änderung im Bundestierschutzgesetz. Auch alle Bauernkatzen mit Freigang und Streunertiere, die sich auf einem Hof aufhalten, müssten kastriert werden, sind sie überzeugt.

Tierschutzombudsmannstelle in Vorarlberg

Warum nicht kastrieren Tierleid bedeutet

Eine Katze wird bereits nach wenigen Monat geschlechtsreif und wirft durchschnittlich zweimal jährlich bis zu sechs Junge, mindestens aber drei. Die Jungen wiederum kommen selbst nach vier bis fünf Monaten ins paarungsfähige Alter. So vermehren sich unkastrierte Katzen mit Freigang explosionsartig. Nach fünf Jahren kann eine einzige Katze bis zu 12.000 Nachkommen zählen.

“Unglaubliches Tierleid ist die Folge”, so der Verein “Pfotenhilfe”. Schon allein dadurch, dass streunende Katzen “Wind und Wetter und einer unsicheren Ernährungssituation schutzlos ausgesetzt” sind und “meist früh an ihren unbehandelten Krankheiten” sterben, berichtet “Vier Pfoten”. Viele freilebende Katzen leiden an Nahrungsmangel, unter Infektionskrankheiten und Parasitenbefall. Oft drohe den Tieren ein langer Leidensweg bis zum qualvollen Tod. “Jeder, der seine Katze oder seinen Kater nicht kastriert, macht sich am Leid der Tiere mitschuldig”, unterstreicht Susanne Hemetsberger, Geschäftsführerin des Österreichischen Tierschutzvereins.

Vorarlbergs verwilderte Katzenpopulation: ein hausgemachtes Problem

Ein Problem, das früher hauptsächlich südliche Länder betraf, hat damit Einzug in Österreich gehalten. Der ganzen Alpenrepublik bereitet die rasch wachsende Population an Streunern Kopfzerbrechen. So auch Vorarlberg, das bereits mit einem ausgewachsenen Problem mit verwilderten Katzen kämpft. Einem hausgemachten.

Nicht jedes Kätzchen findet ein Plätzchen

Und auch wenn Katzen hierzulande zu den beliebtesten Haustieren gehören, sei die Annahme falsch, dass jedes geborene Kätzchen auch automatisch ein Plätzchen findet. “Speziell am Land werden unzählige Jungtiere nach wie vor getötet und nicht nur die unkontrollierte Vermehrung und chronische Unterernährung sind Gründe zur Besorgnis. Auch die hohe Duchseuchungsrate mit unterschiedlichen Krankheiten ist problematisch”, erklärt Sascha Sautner, Sprecher der Pfotenhilfe.

Von FIP bis Katzenschnupfen

Denn “mit der unkontrollierten Vermehrung steigt neben einer zusätzlichen Belastung für viele Singvögel und andere geschützte Tierarten auch die Gefahr einer Ausbreitung von diversen Krankheiten, an denen die Katzen sehr oft schwer erkranken oder sogar sterben. So steigt die Gefahr der Ausbreitung von Katzenkrankheiten wie Leukose, FIP, Katzenseuche und Katzenschnupfen, die auch freilaufende Hauskatzen gefährden”, warnen die Österreichischen Tierschutzombudsleute.

Erschlagen oder ertränkt

Nicht selten komme es vor, dass Katzen-Babies durch Erschlagen oder Ertränken, also streng verbotene tierquälerische Methoden, “dezimiert” würden. Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (Paragraph 6), der mit hohen Geldstrafen geahndet wird. Geahndet wird übrigens auch die Nichteinhaltung der Kastrationspflicht. Tierhalter in Österreich müssen mit Strafen bis zu 3.750 Euro rechnen.

Die Kastration von Katzen verhindert damit nicht nur eine unkontrollierte Vermehrung und unnötiges Tierleid. Sie hat auch Vorteile im Zusammenleben mit der Samtpfote. So entfällt das unerwünschte Markieren, Rang- und Revierkämpfe werden weniger, mögliche Nachbarschaftsstreiterein erübrigen sich. Auch sei die Akzeptanz in der Bevölkerung für eine kastrierte Katzenpopulation deutlich höher als für unkastrierte, meinen die Tierschutzsombudsleute.

Wer sich eine Kastration nicht leisten kann

Für all jene, die finanziell nicht in der Lage sein, die Tierarztkosten aufzubringen, gibt es Katzenkastrationsaktionen der Vorarlberger Landesregierung in Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Tierärzten, informiert das Vorarlberger Tierschutzheim. Örtliche Tierschutzvereine und das Tierschutzheim helfen und beraten gerne, wenn es um das Thema Katzenkastration geht.

Hier finden Ihre Tier-Inserate ein Plätzchen: zur Tierecke Vorarlberg

Hinweis in eigener Sache:
Ursprünglich hatte es geheißen, dass die Kätzchen auf einem Spielplatz in Bregenz gefunden worden waren. Das Vorarlberger Tierschutzheim hat den Fundort nachträglich korrigiert, der Artikel wurde entsprechend geändert.

Hallo Tierfreunde!Wir waren so schockiert, fassungslos und bemüht die Babys zu versorgen, dass wir den Fundort irrtü…

Posted by Vorarlberger Tierschutzheim on Donnerstag, 25. Juni 2015

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