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IGGÖ Präsident Ümit Vural: Dialogbereit und klare Ziele

Ümit Vural will der Regierung dialogbereit gegenübertreten.
Ümit Vural will der Regierung dialogbereit gegenübertreten. ©APA/Herbert Pfarrhofer
Bei der Antritt-Pressekonferenz am Montag hat der neue Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, seine Pläne vorgestellt. Er bietet vor allem der Regierung einen Dialog an.
Neuer IGGÖ Präsident

Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, will verstärkt gegen antimuslimischen Rassismus sowie gegen extremistische Tendenzen in den eigenen Reihen vorgehen. Zugleich will Vural nach dem internen Streit innerhalb der Glaubensgemeinschaft wieder für Eintracht und Einheit sorgen, wie der am Wochenende neu gewählte IGGÖ-Präsident am Montag erklärte.

Nach den Auseinandersetzungen um mehrere vom bisherigen Präsidenten Ibrahim Olgun angestoßene Moscheenschließungen durch die Regierung hatte sich der Schurarat, das Parlament der Glaubensgemeinschaft, ja auf die Ablöse Olguns und die Wahl von Vural verständigt. Auf den Juristen und Rechtsanwaltsanwärter, der kurdische Wurzeln hat, aus der Türkei kommt und in Österreich aufgewachsen ist, wartet nach den monatelangen Debatten um den “politischen Islam” eine herausfordernde Aufgabe

Vural will Regierung dialogbereit gegenübertreten

Der türkis-blauen Bundesregierung, die den Islam zuletzt gleich an mehreren Fronten – von extremistischen Moscheen bis zum Kopftuch – ins Visier genommen hatte, will Vural dialogbereit gegenübertreten. “Wir werden auf jeden Fall eine Stimme der Vernunft sein. Man wird in uns einen vertraulichen Gesprächspartner finden.” Er sei nicht für Konfrontation, sondern wolle sich auf dem Boden des Rechtsstaats für die Anliegen der Muslime in Österreich einsetzen. “Die Muslime in diesem Land dürfen sich nicht als Bürger zweiter Klasse fühlen”, sagte Vural bei seiner Antrittspressekonferenz.

Das neue Führungsteam der IGGÖ will vor allem gegen antimuslimischen Rassismus auftreten. “Dem werden wir uns widmen. Wir kennen die Folgen und Auswirkungen von Rassismus, wir sind die Opfer von Rassismus.” Muslimische Frauen lebten etwa zunehmend in Angst, weil sie angepöbelt und beschimpft würden. Gemeinsam mit der Mehrheitsbevölkerung wolle man dem Rassismus die “rote Karte” zeigen. Innerhalb der Glaubensgemeinschaft soll etwa die Rechtsberatung verbessert werden.

Neuer IGGÖ-Präsident will die Imame-Ausbildung in Österreich

Zugleich will Vural auch gegen extremistische Tendenzen in den eigenen Reihen vorgehen. “Extremismus als ganzes ist sehr gefährlich und vor allem für unsere Jugendlichen sehr gefährlich. Diskriminierung führt zu Frustration und Hilflosigkeit und genau darauf setzen die Extremisten auch auf muslimischer Seite.” Vural will etwa die Imame-Ausbildung in Österreich, die derzeit nur in Ansätzen vorhanden ist, qualitativ verbessern und professionalisieren. Der neue IGGÖ-Präsident kann sich dabei auch eine verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit und eine europäische Imame-Ausbildung vorstellen.

In der Kopftuchdebatte spricht sich Vural gegen Verbote und für Aufklärung aus. Hier stelle sich die Frage, wie ernst man es mit Grund- und Menschenrechten, mit der Bundesverfassung und mit der offenen liberalen Demokratie nimmt, so Vural. “Niemand kann erklären, dass Verbote von Kleidungsstücken in einer offenen und liberalen Demokratie würdig sind. Jede Frau muss selbst entscheiden können.” Bei Kindern sei dies etwas anders, weil man nicht erwarten könne, dass Kinder eine solche Entscheidung bewusst und frei treffen. Trotzdem müsse auch hier der Grundsatz Dialog und Aufklärung statt Verbote gelten. Ob die Glaubensgemeinschaft ein Kopftuchverbot für Kinder bekämpfen wird, werde man sich “genau anschauen” und prüfen.

Grundsätzliche Änderungen stehen bei Vural am Plan

Vural kündigte zudem Reformen innerhalb der Glaubensgemeinschaft an. “Es reicht nicht aus, nur einen Namen an der Spitze der IGGÖ zu ändern, es braucht auch grundsätzliche Änderungen und eine Professionalisierung.” So soll etwa die Kommunikation mit den Muslimen sowie die Medienarbeit verbessert werden. Der frühere ATV-“Klartext”-Redakteur Rusen Timur Aksak wurde als Pressesprecher Vurals engagiert.

Ein “Herzensanliegen” sei es Vural auch, Frauen in der Glaubensgemeinschaft mehr Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben. Bei seiner Pressekonferenz wurde Vural von seinem Führungsteam – alles Männer – flankiert: Vizepräsident Adis Cancic und die Mitglieder des Obersten Rats, Abdul Hasim Mohammed, Muhammed Al-Khoutani sowie Erich (Muhammad) Waldmann.

Vural will “einen österreichischen Weg” gehen

Der türkischen Religionsbehörde Diyanet, zu der Vorgänger Olgun beste Kontakte pflegte, fühlt sich Vural nicht verpflichtet. “Wir in Österreich entscheiden über die Zukunft selbst in unseren Organen. Wir vertreten den Islam in Österreich und wollen einen österreichischen Weg gehen.” Den Meinungsaustausch mit Glaubensvertretern anderer Länder werde man aber natürlich weiter pflegen. “Es gibt für mich keine Türken, keine Araber, keine Bosnier, sondern es gibt für mich nur die österreichischen Muslime. Ich will nicht, dass wir nach Ethnien wahrgenommen werden. Ich bin hier aufgewachsen, ich hab mich hier assoziiert, und das gilt für mein gesamtes Team.”

Eine besondere Nähe zur Milli Görus-Bewegung stellte Vural in Abrede. “Milli Görus ist für mich mein Vater, der mich mit sechs, sieben Jahren in die nächstgelegene Moschee mitgenommen hat. Das hat mich geprägt, mehr ist es nicht.” In der Islamischen Föderation, auf deren Ticket Vural in den Schurarat und die neue Funktion gelangte, habe er sich engagiert, aber keine Funktionen ausgeübt. “Ab heute zählt für mich ausschließlich die Glaubensgemeinschaft.”

(APA/Red)

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