"Ich fühlte mich verschaukelt"

Brigitta Häfele hält mit ihrem Ärger über das LKH Feldkirch nicht hinter dem Berg.
Brigitta Häfele hält mit ihrem Ärger über das LKH Feldkirch nicht hinter dem Berg. ©VOL.AT/Philipp Steurer
Hohenems - Brigitta Häfele wurde am LKH Feldkirch gleich zweimal der OP-Termin verschoben.
"Medizinstudenten ans Land binden"

Der Ärger über das Erlebte ist bei Brigitta Häfele (68) noch immer nicht ganz verraucht. Zwei Mal war sie für einen Operationstermin im LKH Feldkirch vorgemerkt und vorbereitet, in beiden Fällen wurde er verschoben. Beim zweiten Mal riss der Frau aus Hohenems allerdings der Geduldsfaden. Sie packte ihre Tasche, unterschrieb, dass sie freiwillig gehe, und ging. „Ich fühlte mich einfach verschaukelt“, sagt Brigitta Häfele. Vonseiten der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) werden beide Verschiebungen mit Notfällen begründet. Dass es die Patientin gleich zweimal getroffen habe, sei bedauerlich. Doch auf Notfälle habe man keinen Einfluss, zudem gebe es nur bestimmte OP-Zeiten.

Zum Ärztemangel kommt im LKH Feldkirch auch ein Engpass bei OP-Kapazitäten. Der verschärfend wirkt, seit die Anästhesie aus personellen Gründen nur noch vier der insgesamt fünf Operationstische betreut. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Laut KHBG-Direktor Dr. Gerald Fleisch bleibt diese ansonsten auf die Sommermonate beschränkte Regelung weiterhin aufrecht. Ein zusätzlicher OP-Saal befindet sich in Bau. Er steht aber erst im Herbst zur Verfügung. So lassen sich mitunter nicht einmal geplante Eingriffe termingerecht durchführen.

Sehr zum Missfallen von betroffenen Patienten wie Brigitta Häfele. Vor acht Jahren musste sie am Knie operiert werden. „Mit besten Erfahrungen“, wie sie sagt. Heute ist diese Überzeugung nicht mehr gegeben. Die Qualität der ärztlichen Betreuung habe sehr gelitten, meint die Frau, die für eine Graue-Star-OP dort einrücken sollte. Wobei es beim ersten Termin ihren Aussagen zufolge eine besondere Begegnung gab. „Ich war schon für den Eingriff vorbereitet, als ein Arzt kam und sagte, er habe schlechte Nachrichten, es sei kein Narkosemittel mehr da, der Patient vor mir habe zu viel gebraucht“, erzählt Brigitta Häfele. Auf ihre Frage, was denn bei einem Notfall passiere, habe eine Schwester gemeint, das sei Blödsinn, Narkosemittel seien genug da, nur keine Ärzte. Am nächsten Tag wurde die Augenoperation nachgeholt.

Es ging sich wieder nicht aus

Vier Wochen später folgte der OP-Termin für das zweite Auge. „Ich sollte als dritter Patient drankommen“, berichtet Häfele weiter. Wieder die entsprechende Vorbereitung. Während die anderen Patienten im Zimmer der Reihe nach plangemäß zu ihren Eingriffen kamen, hieß es für Brigitta Häfele warten und nochmals warten. Nach Mittag rechnete sie schon gar nicht mehr mit der OP. Sie sollte recht behalten. Kurz danach teilte ihr ein Arzt mit, es gehe sich heute nicht mehr aus, sie werde am nächsten Tag operiert. „Da bin ich explodiert“, gibt die resolute Hohenemserin freimütig zu. Jetzt ist Brigitta Häfele, die ihren 93-jährigen Mann pflegen muss und deshalb „nicht ohne Planung wegbleiben kann“, auf der Suche nach einem anderen Arzt, der den zweiten Eingriff vornimmt.

Heuer bereits mehr Ärzte gekommen als gegangen

Mit Zahlen tritt KHBG-Direktor Dr. Gerald Fleisch dem Vorwurf, nichts gegen den Ärztemangel zu tun, entgegen. Demnach haben am LKH Feldkirch seit 1. Jänner 39 Ärzte neu begonnen, seit Oktober 2011 sind es insgesamt 58 Ärztinnen und Ärzte. Gesamt wurden an allen Landeskrankenhäusern seit Jahresbeginn 67 Ärztinnen und Ärzte eingestellt. Dem stehen 19 Austritte (ohne Karenzierungen und Sonderurlaube) gegenüber. Das sei eine erfreuliche Entwicklung, so Fleisch. Er betont auch die hohe Qualität des Vorarlberger Gesundheitswesens. „Weiterhin erfolgreich können wir aber nur sein, wenn wir gemeinsam ein positives Außenbild des heimischen Krankenhauswesens prägen“, meint Fleisch.

Gleichzeitig verweist der KHBG-Direktor auf die finanziellen Erstmaßnahmen, die schon gesetzt wurden, wie Erhöhung der Abgeltung für Überstunden, Erhöhung der monatlichen Zulagen für ärztliche Mitarbeiter, Einführung eines modernen Karrieremodells für leitende ärztliche Mitarbeiter, Erleichterungen für ärztliche Dienstnehmer ab dem vollendeten 50. Lebensjahr sowie Zeitvergütungen an den Intensivbehandlungseinheiten.

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