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"Ich bin nicht mehr in einem schwarzen Loch"

Kürzlich feierten die Psychosozialen Gesundheitsdienste (PGD) die Eröffnung ihrer Werkstätten vor 10 Jahren. Ziel der Werkstätten ist die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

Rund 170 Gäste, unter anderem LR Dr. Greti Schmid, Landtagsvizepräsidentin Dr. Gabriele Nußbaumer, der Bürgermeister der Stadt Dornbirn, DI Wolfgang Rümmele, sowie Kunden und Netzwerkpartner konnten beim Jubiläum begrüßt werden.

Menschen mit seelischen Erkrankungen haben in unserer leistungsorientierten Gesellschaft vielfach keinen Platz. Von Kündigungen sind sie schneller betroffen, bei der Suche nach Arbeit braucht es oft viele Anläufe, bis sich eine Stelle findet. Die Werkstätten der Psychosozialen Gesundheitsdienste übernehmen hier eine wichtige Aufgabe.

Ein Projekt, das Hoffnung gibt

Hier werden Menschen mit psychischen Erkrankungen wieder schrittweise auf das Arbeiten am freien Arbeitsmarkt vorbereitet. “Das Arbeitsprojekt war für mich die letzte Chance. Hier bekomme ich Bestätigung”, meint Doris M. Oder Marco F., der lange Zeit gesundheitsbedingt im Krankenstand war: “Durch den stufenweisen Aufbau bin ich wieder in der Lage, eine Tätigkeit auszuüben,” sagt er. Auch Judith S. war bereits krankheitsbedingt in Pension. “Die Arbeit in der Werkstatt gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden, wieder etwas wert zu sein. Ich bin nicht mehr in einem schwarzen Loch.” Drei Erfahrungen, die stellvertretend sind für viele Menschen, die in den Werkstätten begleitet werden. “Auf die Ausgangssituation des Mitarbeiters wird individuell eingegangen. Die Anforderungen werden auf die Fähigkeiten und Grenzen des einzelnen Mitarbeiters abgestimmt und sukzessive gesteigert”, erklärt Arno Feistenauer, Werkstättenleiter in Dornbirn. So kann es beispielsweise sein, dass jemand sich nicht 8 Stunden durchgehend konzentrieren kann. Ist das der Fall, wird das Stundenausmaß individuell angepasst. Ebenso, wenn jemand bei seiner Tätigkeit sehr schnell ermüdet.

Besonders nach langer Krankheit und langen stationären Aufenthalten sei ein solches Training für Menschen mit seelischen Erkrankungen hilfreich, da sich Tagesstruktur und Beschäftigung förderlich auf den Selbstwert und stabilisierend auf die seelische Gesundung auswirken, erklärt der Werkstättenleiter. So unterstützend das Projekt ist, der erste Schritt dieses Angebot anzunehmen ist für Betroffenen oft sehr schwer. Ängste, nach der Teilnahme am Arbeitstraining stigmatisiert zu sein oder bei Bewerbungen schlechtere Chance zu haben, wenn die Krankheit erwähnt wird, nennt Feistenauer als Gründe.

400 Männer und Frauen seit den Anfängen betreut

Seit der Gründung vor 10 Jahren wurden in allen drei Werkstätten gemeinsam rund 400 Männer und Frauen im Arbeitsprojekt und im Beschäftigungsprojekt betreut. Die Tätigkeit im Arbeitsprojekt ist grundsätzlich auf die Dauer von zwei Jahren ausgerichtet. In dieser Zeit sollte eine Stelle außerhalb des Projektes gefunden worden sein. Der Vermittlungserfolg lag immer bei den vom Bundessozialamt geforderten 30%, oft auch erheblich darüber. “Manchmal dauert es aber länger, bis sich etwas Passendes auftut, manchmal ist jemand einfach noch nicht soweit und braucht Zeit”, so der Werkstättenleiter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Arbeitsprojekt sind angestellt und bekommen ein Gehalt. Das Arbeitsprojekt wird vom Bundessozialamt, Landesstelle Vorarlberg, aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der Österreichischen Bundesregierung des Europäischen Sozialfonds gefördert. Lohnförderung gibt es zudem vom Arbeitsmarktservice und vom Land Vorarlberg. Die Werkstätten selbst haben das Ziel, kostendeckend zu arbeiten. Das Beschäftigungsprogramm wird ausschließlich vom Land Vorarlberg finanziert.

Breites Dienstleistungsangebot

Die drei Werkstätten haben inhaltlich eine unterschiedliche Ausrichtung. So wird in Hard ein Bügelservice angeboten, in Dornbirn werden industrielle Lohnarbeiten, Metallbearbeitung und Kabelkonfektionierung übernommen. In Feldkirch werden ebenfalls Arbeiten für Industrie und Gewerbe durchgeführt. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt aber auch auf der Produktion innovativer Möbel. Besonders gefragt ist das Weinregal, das in zahlreichen renommierten Weinkellern zu finden ist.

Infos: www.pgd.at

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