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„Ich bin dankbar, dass ich überlebt und so ein schönes Leben habe“

Burkhard Schlachter überlebte nur knapp einen Unfall. Heute sagt er: „Er hat mein Leben zum Besseren verändert.“
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Lochau Viele Jahre war sein Leben von Pflichten bestimmt. Burkhard Schlachter war gerade mal 25, als sein Vater starb und er, der zweitjüngste Sohn, den väterlichen Hof in Lochau übernahm. „Ich habe den Hof gerne übernommen. Aber lieber wäre ichMechaniker geworden.“ Der gelernte Landwirt heiratete die Tochter eines Biobauern und stellte in der Folge seinen Hof auf einen Bio-Bauernhof um.

Bis in die Nacht hinein gearbeitet

Um seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen zu können, ging der Vater von fünf Kindern noch anderen Arbeiten nach. „Ich bin um 5.30 Uhr aufgestanden und oft erst spät in der Nacht zu Bett gegangen“, weist er darauf hin, dass er enorm lange Arbeitstage hatte. „Ich würde heute sicher immer noch so viel arbeiten, wenn ich den Unfall nicht gehabt hätte. Dann wüsste ich immer noch nicht, wie schön das Leben sein kann“, sagt er und beginnt zu erzählen über seinen Unfall, der sein Leben bzw. seinen Alltag radikal veränderte.

Am 28. September 2005 verrichtete der Landwirt mit einem Kollegen Holzarbeiten am Ruggbach. Schlachter wurde von einem Stück Holz am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Der Rettungshubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus. Dort wurde er notoperiert und in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Als der Lochauer, der ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatte,  aufwachte, wusste er nicht, warum er im Spital lag. „Ich hatte überhaupt keine Erinnerungen an den Unfall.“ Aber er war mit den Folgen konfrontiert. Der damals 45-Jährige konnte anfangs nicht mehr flüssig reden. „Mir passierten viele Versprecher.“

Sensibilitätsstörung als Unfallfolge  

Aber was noch schwerer wog: Wenn man ihn am Körper kniff oder berührte, spürte er nichts. „Ich empfand auch keine Schmerzen.“ Schlachter spricht in diesem Zusammenhang von einer Sensibilitätsstörung. Wegen dieser war er schlussendlich nicht mehr arbeitsfähig. Denn als er körperlich wieder zu Kräften gekommen war, passierten Dinge, die nicht passieren hätten dürfen. Einmal trennte ihm eine Maschine die Fingerkuppe ab. „Ich spürte nichts. Aber ich blutete stark.“ Ein andermal war er am Schweißen. „Meine Frau sah, dass es aus meinem Stiefel rauchte. Ich hatte Glut im Stiefel, die Socke war zum Teil schon verbrannt. Aber ich hatte nichts gemerkt.“ Auch die Arbeit im Stall wurde für ihn jetzt zum Risiko. Wegen seiner tauben Hände konnte er nicht mehr mit den Tieren umgehen. „Es bestand die Gefahr, dass ich sie erschrecke.“

Als ihm die Berufsunfähigkeitspension zuerkannt wurde, war er nicht unglücklich. Denn nun hatte er endlich Zeit für sich und für das, was er gerne tat, zum Beispiel mit Unterstützung der Söhne gebrauchte Traktoren auf Vordermann bringen. Gerne nahm er auch den Rat einer Therapeutin auf, tanzen und singen zu gehen. Schlachter, der schon in seiner Jugend gerne das Tanzbein schwang, besucht heute mit Vorliebe Tanzveranstaltungen. Seit sechs Jahren gehört er auch dem Männergesangverein Lochau an. Langeweile kennt der Invaliditätsrentner nicht. „Ich gehe gerne in die Berge und fahre auch gerne Rad.“

Ausfahrten mit der Rikscha

Seit 2017 engagiert er sich mit Begeisterung für den Verein „Radeln ohne Alter“. Schlachter, der den Hof seinem zweitältesten Sohn Johannes übergeben hat, unternimmt mit alten oder gehbehinderten Menschen Ausfahrten mit der Rikscha. „Ich tue das gern. Denn es freut mich, wenn ich Menschen eine Freude machen kann.“ Außerdem kann er so dem Leben etwas zurückgeben. Das ist ihm wichtig. Denn er ist unheimlich dankbardafür, „dass ich den Unfall überlebt habe, wieder so gut beieinander bin und ein so schönes Leben habe“.

Der Lochauer erkannte, dass das, was im Jahre 2005 passierte, gut für ihn war. „Denn nun kann ich tun, was ich früher gern getan hätte und nicht tun konnte, weil ich keine Zeit dafür hatte.“ Als ihm diese Erkenntnis kam, musste er an seinen Vater denken. „Papa sagte oft: ,Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre.‘“

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