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I: Pädophilie-Skandal im Kindergarten

Im Kindergarten-Skandal von Rignano Flaminio sind die Namen der Akteure bekannt geworden: Der beteiligte "Tankwart" ist ein bekannter italienischer Fernsehautor.

Der Autor arbeitet seit Jahren für die italienischen Bischofskonferenz und katholische Fernsehprogramme schreibt.

Mindestens 16 Mädchen und Buben aus einem Kindergarten des 8.000-Einwohner-Ortes Rignano Flaminio bei Rom sollen in den vergangenen Jahren sexuell missbraucht worden sein. Die Polizei ermittelt gegen einen angeblichen Pädophilenring, dem drei Kindergärtnerinnen und ein Drehbuchautor angehören sollen. Insgesamt wurden sechs Verdächtige verhaftet, sie beteuern ihre Schuldlosigkeit.

„Ich bin selber Mutter und könnte einem Kind niemals etwas zu leide tun“, sagte eine der Kindergärtnerinnen. Ein Verteidiger wies darauf hin, dass sich der Verdacht auf Aussagen von Kleinkindern stütze, die von keinem Gericht für glaubhaft gehalten werden könnten.

Unterrichtsminister Giuseppe Fioroni leitete eine Untersuchung ein. Die Ermittler schließen weitere Festnahmen nicht aus. Sie vermuten, dass die Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren betäubt, bei Vergewaltigungen in der Wohnung einer Kindergärtnerin gefilmt und die Aufnahmen via Internet verkauft wurden. Kompromittierendes Material wurdevorläufig nicht gefunden, allerdings werden die Computer der Verhafteten noch überprüft.

Als Teufel verkleidet

Indessen berichtet die Ermittlungsrichterin Elvira Tamburelli laut 20 Minuten: “In der Wohnung von Marisa Pucci gab es eine große Küche, mit einem langen Tisch und einem Bett; die Kleinen spielten “die Kinder”, während Marisa Pucci die Rolle der “Mutter” übernahm. Die Kinder wurden komplett ausgezogen und draußen in die Kälte gestellt. Nachher wurden sie wieder hineingetragen und angezogen und Hörner aufgesetzt. Die “Großen” trugen schwarze Kleider oder waren als Teufel mit Kapuze verkleidet.”

Vergewaltigungsszenen

Ein weiterer Angeklagter, Gianfranco Scancarello schrieb seinerseits Kinderprogramme für den öffentlichen TV-Sender Rai und ein katholisches Fernsehprogramm. Außerdem arbeitete er für die italienische Bischofskonferenz. Seine Frau, Patrizia del Meglio, verfasste Handbücher, in denen sie darüber schrieb, wie man kleine Kinder für Kunst interessieren kann.

Die Polizei vermutet, dass Scancarello, der wie seine Frau und die vier anderen Angeklagten in Untersuchungshaft sitzt, die Vergewaltigungsszenen mit den Kindern filmte. Diese Filmaufnahmen sollen anschließend im Internet vertrieben worden sein.

Zu lange mit den Ermittlungen gewartet

“Meine Tochter übergab sich fast jeden Morgen und dann weinte sie immer wieder”, beobachtete Maria C. bei ihrer kleinen Tochter Anna. Auch die Zeichnungen der kleinen Anna seien eindeutig gewesen – schwarz- und weisshäutige Teufel mit riesengroßen Geschlechtsteilen. Maria C. ging mit ihrem Verdacht zur Polizei. Auch andere Eltern wunderten sich über die immer dramatischeren Angstzustände ihrer Kinder, wenn sie morgens in den Kindergarten mussten.

Schon im vergangenen Herbst klagten die Eltern bei der Schulleitung darüber, dass ihre Kinder ein eigentümliches Verhalten an den Tag legten und dass ihre Geschlechtsteile immer wieder auffällig gerötet waren. Kinderärzte bestätigten, dass irgendjemand die Kinder vergewaltigt haben könnte. Die Schuldirektion erließ im Oktober strengste Regeln.

Doch immer wieder gelang es den Lehrerinnen, die Kinder während des Unterrichts mit einem Auto in Puccis Privatwohnung in Rignano Flaminio zu bringen, wo bereits die anderen Angeklagten auf ihre Opfer warteten. Jetzt wird den Behörden vorgeworfen, zu lange mit ihren Ermittlungen gewartet zu haben.

(Quelle: APA, 20 Minuten)

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