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Huemer in Ittingen

Franz Huemer mit seiner Muse in seinem Garten
Franz Huemer mit seiner Muse in seinem Garten ©Kunstmuseum Ittingen

Feldkirch. Franz Huemer kennt man in Vorarlberg als Wurzelschnitzer, als Eigenbrötler und Sonderling. Dahinter verbirgt sich jedoch ein Mensch, der abseits der etablierten Kunstszene ein unerschöpfliches Universum im Grenzbereich zwischen Kunst und Leben geschaffen hat. Franz Huemer stellt seit heute, 8. Mai bis einschließlich 26. September im Kunstmuseum in Ittingen im Schweizer Kanton Thurgau aus. Die Retroperspektive nennt sich “Vom sinnvollen Zufall”.

Seit seinem ersten schizophrenen Schub während seiner Kriegsgefangenschaft in Frankreich sammelte Huemer verschiedenste Materialien aus seinem Umfeld, Fotografien des Hügelzuges hinter seinem Haus, Abbildungen in Zeitschriften oder Wurzeln und andere Gegenstände aus der Natur. Die Oberflächen dieser Fundstücke dienen ihm als Vexierbilder verborgener Welten, die es durch Schnitzen und Übermalen zu entschlüsseln gilt. Bald treten Personen, Figuren und mystische Zahlen aus der Bildwelt des Katholizismus und aus Versatzstücken anderer Glaubensrichtungen hervor und ermöglichen die Offenbarung neuer visionärer Erkenntnisse.

Der am 13. Dezember 1924 in Feldkirch geborene Franz Huemer wohnt zwar nur ein paar Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt in einem Bahnwärterhäuschen, aber sein Schicksal, seine geistigseelischen Dispositionen sind anders, österreichisch geprägt. Der Versuch, wie seine Vorfahren für die Bahn zu arbeiten, scheiterte. Maurer-, Zimmermannslehre. Er bricht beide ab und wird Hirtengehilfe. 1942 meldet er sich als Freiwilliger zur Waffen-SS, kommt nach Prag, Dresden, in den Einsatz nach Jugoslawien gegen die Partisanen. Zum Funker ausgebildet, kehrt er ins Banat zurück.

1944/45 flüchtet er allein, zu Fuss, nach Feldkirch. Die französischen Besatzer stecken ihn in ein Gefangenenlager. Erster Fluchtversuch. Zweiter Fluchtversuch. Gefängnis. Mit zwölf anderen Gefangenen arbeitet er in einer Garage in Soissons. Dort hat er seine erste Vision: «Seine zwölf Mitgefangenen beginnen zu leuchten und geben sich als Apostel zu erkennen. Aber auch der Teufel erscheint und gebietet, er habe sich für die Höllenfahrt vorzubereiten. Autobestandteile beginnen zu glühen, und Huemer muss aus roterhitzten Teilen ein Auto bauen, das ihm zur Fahrt ins Purgatorium dienen soll.

Er kommt in die Irrenanstalt Armentières. Die Fieberphantasien dauern an, und Franz Huemer erlebt die Ärzte und Wärter als Teufel und Plagegeister. Seine tiefe Gläubigkeit, dem intensiven religiösen Leben des vorarlbergischen barocken Katholizismus entsprungen, hilft ihm, das Gegengewicht gegen die Teufel herbeizubringen.

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