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"Hüsle" für "Seebrünzler"

Bregenz/VN - Toiletten-Mangel: Menschliches Bedürfnis sollte man sich in Bregenz verkneifen.

Manchmal könnte man sich fühlen wie Dackel Waldi, für den es heißt „Ich muss draußen bleiben“: Ist man gerade unterwegs und „muss“ mal, ist in Bregenz guter Rat und vor allem ein sauberes WC teuer. Selbstbewusst auf „Hüslesuche“ ins Kaffeehaus oder Geschäft zu marschieren ist nicht Jedermanns Sache.

Vorbildliche Aktion in Feldkirch

Passanten diese Hemmschwelle zu nehmen war das Ziel vor über einem Jahr in Feldkirch. Hier signalisieren zehn Betriebe mit „Yes you can“-Pickerl an der Türe, dass auch Gäste „dürfen“, die nicht konsumieren. „Eine sympathische Aktion, die sehr positiv aufgenommen wurde und deshalb auch im Herbst erweitert werden soll“, sagt Edgar Eller vom Stadtmarketing Feldkirch. In Bregenz sieht Imagearbeit anders aus: Geschäftsführer Thomas Häckel von der Wirtegemeinschaft WIGEM verspricht, dass in Lokalen niemand mit „menschlichem Bedürfnis“ abgewiesen werde. Das Feldkircher Modell sei zwar auch mit Wirten besprochen worden, aber in Bregenz konzentriere man sich lieber auf die Bewerbung der Angebote. „Wir wollen uns nicht als WC-Stadt outen“, winkt er ab. Zudem befänden sich in den Seeanlagen auf einem Kilometer vier Toilettenanlagen. Dazu zähle das alte Hafengebäude, die Container beim Fahrradverleih, das WC beim Minigolfplatz und die Anlagen im Festspielhaus, die bei Veranstaltungen geöffnet seien. Dass ein Großteil davon sanierungsbedürftig ist, gibt auch er zu. Sanierungspläne existieren. Vor über acht Monaten versprach man den Bregenzern und seinen Touristen eine „dem Standard des Hafens entsprechende“ Anlage. Ob der schockierenden Summe von einer halben Million Euro an veranschlagten Kosten und der von der Wirtschaftskrise gebeutelten Stadt sind es vorerst Pläne geblieben.

Notwendigkeit prüfen

Vizebürgermeister Gernot Kiermayr begrüßt zwar den Vorschlag aus Feldkirch, verweist aber dazu auf die WIGEM und meint: „Vor dem Bau der mit 500.000 Euro projektierten Anlage wollen wir für diesen Sommer einen Beobachtungszeitraum ansetzen, um sicher zu sein, ob sie tatsächlich notwendig ist“. Bis dahin dürfen sich Festspielgäste und Passanten nur wenig zimperlich geben. Die schmuddeligen Container neben der „Welle“ (in letzterer kostet ein Toilettengang einen Euro, den Container gibts um die Hälfte) und das wenig keimfreie WC bei der Beach-Bar sind schließlich nichts für zarte Gemüter. Eher was für hartgesottene Einheimische. Echte Seebrünzler eben.

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