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"Hotel Mama" wieder in Mode

Wie auch bei Erwachsenen wird es für Jugendliche immer schwieriger, die normalen Lebenskosten zu decken.
Wie auch bei Erwachsenen wird es für Jugendliche immer schwieriger, die normalen Lebenskosten zu decken. ©Shourot (Symbolbild)
Schwarzach - Arbeiterkammer wie Caritas warnen von der zunehmend schwierigen Lebenssituation bei Jugendlichen.
Muxel-Moosbrugger im Gespräch
Was Jugendliche zum Thema sagen
Vorarlbergs gespaltene Gesellschaft

Esra Ünal aus Hohenems arbeitet Vollzeit, wohnt aber noch daheim. “Mir ist es wichtig, für die Zukunft zu sparen. Ein Großteil meines Verdienstes geht für das Auto drauf. Die Versicherungs- und Spritkosten sind nicht gerade wenig”, so die 21-Jährige. Auch Julia Drexel aus Warth lebt momentan auf Sparflamme. Nach ihrem Auslandsjahr in Amerika musste sie sich erst wieder ein Leben in Vorarlberg aufbauen: “Ich habe jetzt gerade wieder einen Job bekommen, dann wird es wieder leichter. Viel Geld brauche ich vor allem für Lebensmittel, da ich sehr viel Wert auf eine gesunde Ernährung lege.” Studenten kommen ohne die Unterstützung der Eltern kaum aus. Oft bleibt nur während der Ferien Zeit zum Arbeiten. “Wird es am Monatsende mal knapp, spare ich meistens beim Essen, denn dafür – und natürlich auch für die Miete – brauche ich am meisten Geld”, so Rene Blocher, Student an der FH Vorarlberg.

Leben auf Sparflamme

Wie auch bei Erwachsenen wird es für Jugendliche immer schwieriger, die normalen Lebenskosten zu decken. Tendenziell leben immer mehr junge Erwachsene bei ihren Eltern. “Zum einen hat sich das Autoritätsverhältnis in den Familien verändert, das heißt, es ist länger möglich, zu Haus zu bleiben“, so Marga Muxel-Moosbrugger vom IfS. Zum anderen hätte sich der Einstieg ins Berufsleben und der Abschluss der Berufsausbildung nach hinten verschoben. Ausschlaggebend ist aber oft der finanzielle Aspekt. Viele junge Menschen können es sich einfach nicht mehr leisten, von zu Hause auszuziehen. Dem kann Muxel-Moosbrugger aber durchaus etwas Positives abgewinnen. “Hier kann sich mitunter auch eine Win-Win-Situation ergeben. Das bedeutet, dass auch die Eltern die Unterstützung der jungen Erwachsenen brauchen, um den Haushalt überhaupt finanzieren können”, erklärt Muxel-Moosbrugger. Wenn man zudem weiß, dass die durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten einer allein lebenden Person 1.269 Euro betragen, und hier ist ein eigener Pkw oder sonstige Ausgaben noch gar nicht inbegriffen, versteht man, dass sich ein junger Menschen oder gar ein Lehrling den Weg in die Selbständigkeit nicht leisten kann.

Neue Wohnraumkonzepte notwendig

Wenig verwunderlich wollen aber junge Menschen ihren eigenen Weg gehen und selbständig werden. Hier muss sich etwas an den bestehenden Wohnraumkonzepten ändern, denn der individuelle Lebensstil ist laut Muxel-Moosbrugger nur für wenige junge Menschen finanzierbar. Der Traum vom eigenen Heim, das in Vorarlberg oftmals zum guten Ton gehört, hätte sich, gerade bei jungen Menschen, ausgeträumt. Möglichkeiten wären hier vielleicht noch Wohngemeinschaften – wie sie auch Studenten bilden – oder Startwohnungskonzepte. “Vielleicht bieten sich aber im privaten Bereich neue Möglichkeiten. Viele Häuser stehen leer, weil sie für einzelne Familien nicht mehr leistbar sind”, glaubt Muxel-Moosbrugger. Hier könnte sich also ein Weg eröffnen, um sich gemeinsam leistbaren Wohnraum zu schaffen und zu teilen.

Jugendliche übernehmen Verhalten Erwachsener

Studien zeigen, dass junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren ihr Geld vor allem für ihren Lebensstil, also etwa Ausgehen, Kleidung und Handy ausgeben. Ein Stückweit gehört das wohl in unsere moderne Konsumgesellschaft und zum Lebensalter der Jugendlichen. “Gleichzeitig kann man aber auch sagen, dass der tabuisierte Umgang mit Geld etwas ist, das von den Eltern an ihre Kinder weiter gegeben wird”, so Muxel-Moosbrugger. Also wird auch das Geldverhalten oder ein Schulden-Problem vom Verhalten der erwachsenen Vorbilder weiter vererbt. Junge Menschen sind also nicht unbedingt immer für ihr finanzielles Dilemma verantwortlich. “Es gibt Umstände, die die Situation erschweren können. Man kann aber auch sehen, dass es Fälle gibt, in denen es vom eigenen Verhalten der jungen Menschen abhängt”, meint Muxel-Moosbrugger.

Marga Muxel-Moosbrugger (IfS) im Gespräch:

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