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Homosexuellen-Adoption - Verhaltenes Interesse in Vorarlberg

Gleichbehandlung der Anträge wird von Verein Go West angezweifelt.
Gleichbehandlung der Anträge wird von Verein Go West angezweifelt. ©APA
Schwarzach - Das aufgehobenen Adoptionsverbot für homosexuelle Paare hat in Vorarlberg nicht zu einer Flut von Anträgen geführt. Interesse sei zwar vorhanden, viele Paare würden aber vor "diesem sehr langen Kampf und dem damit verbundenen Zwangsouting zurückschrecken", berichtete Michael Andreas Egger vom Verein "Go West" mit Sitz in Bregenz auf APA-Nachfrage.

Aus seinem engeren Bekanntenkreis kennt der Mitarbeiter des Vereins, der die Interessen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgenderpersonen sowie deren Angehörigen in Vorarlberg vertritt, “drei homosexuelle Paare, die sich bereits über Adoptionsmöglichkeiten und das Prozedere informiert haben”. “Und sie schrecken aus mehreren Gründen eher davor zurück”, betonte Egger.

Kaum Adoptionen in Vorarlberg

Zum einen würden in Vorarlberg sehr wenige Kinder zur Adoption freigegeben. Schon heterosexuelle Paare müssten jahrelang warten. 2015 konnte laut dem Amt der Vorarlberger Landesregierung gar nur ein Vorarlberger Kind seinen Adoptiveltern übergeben werden, auf der Warteliste für Inlandsadoptionen standen Anfang 2016 etwa zehn Paare. An einer Gleichbehandlung im Fall, dass ein homosexuelles Paar einen Antrag auf eine Inlandsadoption stellt, zweifelte Egger. “In der Realität hängt das sehr von der Person in der Bezirkshauptmannschaft ab, die den Akt bearbeitet”, meinte er. Allerdings habe der Verein bereits aus verschiedenen Ämtern unter der Hand erfahren, dass heterosexuelle Paare bei Adoptionsanträgen bevorzugt würden.

Outing schwer im Ländle

Vor diesem Hintergrund sei es verständlich, wenn sich gleichgeschlechtliche Paare “diesem sehr langen Kampf” gar nicht erst aussetzen wollen, gab Egger zu bedenken. Zumal mit einem Antrag auch ein öffentliches Outing verbunden wäre. Denn um adoptieren zu können, müssen homosexuelle Paare in einer amtlich eingetragenen Partnerschaft leben. Die meisten in Vorarlberg lebenden Schwulen und Lesben würden ihre sexuelle Orientierung jedoch “nicht an die große Glocke hängen” wollen. “Im Ländle wird man oft noch immer schief angeschaut”, oder müsse sich für seine Partnerwahl rechtfertigen.

Auch Pflegekinder-Situation sehr überschaubar

Beim Pflegekinderdienst des Vorarlberger Kinderdorfes, der in Österreichs westlichstem Bundesland die Homestudies bzw. Eignungsfeststellung von Adoptionswerbern durchführt, wird versichert, “homosexuelle Antragsteller gleich zu behandeln wie alle anderen”. Auf die spezielle Situation gleichgeschlechtlicher Paare müsse man zwar eingehen, “ich würde aber nicht sagen, dass mehr geprüft wird”, sagte die Leiterin des Pflegekinderdienstes Silvia Zabernigg im APA-Gespräch. Überprüft würde das soziale Netz der homosexuellen Adoptionswerber oder ob sie in Familie und im Beruf gut integriert seien. Eine stabile Partnerschaft sei wie auch bei heterosexuellen Paaren eine normale Voraussetzung. “Gleichgeschlechtliche Paare sind schon sehr exponiert”, deshalb sei das Umfeld umso wichtiger, betonte Zabernigg. Bei jeder Entscheidung gehe es letztendlich nur um das Kindeswohl, da werde kein Unterschied zwischen hetero- oder homosexuellen Paaren gemacht.

Der Pflegekinderdienst fertigt pro Jahr zwischen fünf und zehn Berichte an. Schwule oder lesbische Paare hätten sich bisher noch nicht offiziell gemeldet, ganz vereinzelt gebe es aber Interessenten, wusste Zabernigg. In Vorarlberg lebe auch nur ein einziges Kind bei homosexuellen Pflegeeltern. In diesem speziellen Fall sei eine Adoption aber kein Thema.

Auslandsadoption “fast unmöglich”

Auslandsadoptionen – 2015 wurden in Vorarlberg zwei Kinder so adoptiert – halten sowohl Zabernigg als auch Egger für keine praktikable Alternative. Die Wartezeit sei auch so lange, zudem das Prozedere sehr teuer. “Mitunter geht da schon ein Kleinwagen drauf”, schilderte die Leiterin des Pflegekinderdienstes. Außerdem gebe es sehr wenig offizielle Unterstützung. “Es gibt keine Stelle in Österreich, die Länder, die Adoptionen ins Ausland ermöglichen, und deren Anforderungen archiviert”, erklärte Zabernigg. Egger bezeichnete die Chancen für gleichgeschlechtliche Paare als “fast unmöglich”.

“Sache noch zu frisch”

Deutlich zuversichtlicher gab sich Sven Alexander, der Obmann des “Vereins Vielfalt” mit Sitz in Kufstein, der sich um die Unterstützung und Vernetzung von homosexuellen Personen und Regenbogenfamilien in Westösterreich bemüht, im Gespräch mit der APA. Seiner Ansicht nach sei “die Sache noch zu frisch”, einzelne Anfragen zum Thema Adoption habe sein Verein aber verzeichnet. Die Leute müssen erst lernen, wie die Abläufe funktionieren. Damit haben sich die meisten noch nicht auseinandergesetzt, denn bisher durften sie ja nicht adoptieren”, erklärte der gebürtige Vorarlberger. Manche könnten es – im positiven Sinn – auch noch gar nicht glauben, dass diese Möglichkeit nun besteht.

Hofer sieht das Adoptionsrecht als “große Anerkennung für homosexuelle Paare” im Sinn von “Wir trauen euch das zu”. So sei die Adoptionsmöglichkeit ein “wichtiges Signal”, auch wenn vorerst vielleicht nicht viele davon Gebrauch machten. Solche Entwicklungen brauchten Zeit, wichtig sei die Gleichstellung, betonte Hofer. Faktisch spreche nichts gegen eine Adoption eines Kindes durch ein homosexuelles Paar.

(APA)

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