Hoher Kapitalbedarf bei Österreichs Banken

Rissige Flügel mit Kapitalbedarf: Volksbank AG
Rissige Flügel mit Kapitalbedarf: Volksbank AG ©APA
Die Laut der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) brauchen die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) zur Anhebung ihrer Kernkapitalquote auf 9 Prozent bis Ende Juni 2012 weitere 972 Mio. Euro Kapital, die Raiffeisen-Zentralbank (RZB) 1,9 Mrd. Euro und die Erste Group 59 Mio. Euro.

Die ÖVAG hat in einer Ad-hoc-Aussendung reagiert. Es handle sich dabei um eine “vorläufige” Größe, die sich auf Basis der Zahlen zu Ende September 2011 noch ändern könnte.

Die Bank werde dies gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden nochmals überprüfen. Man arbeite daran, durch Maßnahmen wie den Rückzug aus dem CEE-Geschäft den Kapitalbedarf zu realisieren, betonte ÖVAG-Generaldirektor Gerald Wenzel.

Die ÖVAG will sich künftig auf ihr Kerngeschäft in Österreich konzentrieren. “Zudem werden wir uns mittelfristig aus manchen Geschäftsfeldern zurückziehen und uns stärker auf das originäre Geschäft einer genossenschaftlichen Bank und somit auf das traditionelle Bankgeschäft in Österreich fokussieren”.

Raiffeisen findet Wert zu hoch

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) hat laut den Berechnungen der Europäischen Bankenaufsicht EBA einen rechnerischen Kapitalbedarf von 1,9 Mrd. Euro, um ihr hartes Kernkapital wie vom EU-Gipfel gefordert auf neun Prozent zu erhöhen. Die RZB selbst betrachtet diesen Wert als zu hoch.

So sei das von privaten Investoren gezeichnete Partizipationskapital von 1 Mrd. Euro nicht berücksichtigt worden, teilte die RZB am Donnerstag mit. Ein Ergebnis für den Teilkonzern der RZB, der börsenotierten Raiffeisen Bank International (RBI), habe die EBA nicht ermittelt, hätte aber einen geringeren rechnerischen Kapitalbedarf ergeben, so die RZB weiter. Die im Juli 2011 publizierten Stresstestergebnisse hätten die RBI als gut kapitalisiert ausgewiesen. Als Ergebnis der Stressannahme habe die Kernkapitalquote 7,8 Prozent betragen.

Aus heutiger Sicht werde der RZB-Konzern für den zusätzlichen Kapitalbedarf keine staatliche Hilfe benötigen. Die RZB werde alle nötigen Maßnahmen setzen, um den neuen Anforderungen zu entsprechen. Der RZB-Konzern habe kein Griechenland- und Irland-Sovereign-Exposure und ein geringes Exposure gegenüber Italien, Spanien und Portugal.

Der Kapitalbedarf von 1,907 Mrd. Euro sei nicht nur Ergebnis der sprunghaft von derzeit 4 Prozent (bzw. 4,5 Prozent laut Basel III) auf 9 Prozent erhöhten Kapital-Zielgröße, sondern auch der spezifischen Methodologie und Annahmen der EBA. Das Ergebnis sei auf Basis des Konzernabschlusses zum Halbjahr 2011 berechnet und soll mit den Daten per 30.9.2011 aktualisiert werden.

Erste Group: Endgültiger Kapitalbedarf wird noch errechnet

Die Erste Group braucht nach vorläufigen Berechnungen 59 Mio. Euro, um ihr hartes Kernkapital wie vom EU-Gipfel gefordert auf neun Prozent zu erhöhen. Diese Berechnung beziehe sich auf die Daten zum Halbjahr 2011, teilte die Bank am Donnerstag ad hoc mit.

Die Europäische Bankenaufsicht EBA wird aber noch auf Basis des Abschlusses zum 30. September 2011 den endgültigen Kapitalbedarf eruieren. Die Bank muss das erhöhte Kernkapital bis zum 30. Juni 2012 erreichen.

Die Tier-1-Quote basiert auf EBA-Methodologie und -Annahmen und inkludiert das von der Republik Österreich zur Verfügung gestellte Partizipationskapital (1.224 Mio. Euro), nicht aber Hybridkapital und von privaten Investoren zur Verfügung gestelltes Partizipationskapital (540 Mio. Euro), so die Bank in der Mitteilung.

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