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Hohenems – „Unverständliche Entscheidung der WKO"

Hohenems -  Das WIFI in Hohenems wird nach wie vor mit Öl und Gas beheizt, obwohl es seit 2010 die Möglichkeit gäbe, über das neue Nahwärmenetz CO2-neutrale Wärme aus Vorarlberger Holz zu beziehen. Wie es zu der fragwürdigen Entscheidung gekommen ist, das WIFI nicht mit regionaler Nahwärme zu versorgen, wollen die Vorarlberger Grünen über eine Landtagsanfrage in Erfahrung bringen.
Hohenems - "Unverständliche Entscheidung der WKO"
Wifi in Hohenems ohne Nahwärmeversorgung
Die Landtagsanfrage der Grünen

Die Wirtschaftskammer selbst ist ständig bemüht, thermische Sanierungen von Gebäuden und deren Heizungsanlagen zu fordern. So heißt es in einer Presseaussendung der WKO vom 2. Februar 2011: „Das große Potential, das in der Modernisierung von Heizungsanlagen liegt, wurde weitgehend ignoriert“, ist Michael Mattes, Bundesinnungsmeister der Installateure in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), überzeugt. Auch in einer Aussendung vom 2. Mai 2011 wurde in Bezugnahme auf die Generalsanierung des Hauses der WKÖ getitelt: „Energieeffizienz: WKÖ geht mit gutem Beispiel voran“.

Auch in der Zeitung der Wirtschaftskammer Vorarlberg, „Die Wirtschaft“, vom März 2009 wurde geschrieben: „Zinslose Darlehen und der Wegfall der Einkommensgrenzen sind entscheidende Argumente für Investitionen in moderne Heizanlagen, bessere Dämmung und neue Haustechnik, so Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein, der als Landesrat auf Seiten des Landes noch entscheidend an dieser Förderaktion mitgewirkt hat. Was das den Vorarlberger Handwerkern nützt? Die Wirtschaftskammer hat das riesige Potenzial im Sanierungsbereich im letzten Jahr aufgezeigt und vom Land entsprechende Maßnahmen gefordert.“

Warum die Wirtschaftskammer diese Potenziale bei einem eigenen Gebäude selbst nicht ausnützen möchte, versuchen die Grünen über ihre Landtagsanfrage herauszufinden.

100 Tonnen CO2

Mit dem Umstieg auf die Hackschnitzelheizung, an die auch das Landeskrankenhaus Hohenems angeschlossen ist, könnten jährlich zusätzlich ca. 100 Tonnen CO2 eingespart werden. Ebenso wäre dieser Schritt ganz im Sinne der Bestrebungen, Vorarlberg in Richtung Energieautonomie zu führen, da die Brennstoffe für das Heizkraftwerk vorwiegend mit Holz aus Vorarlberger Waldbeständen und regionalem Sägerestholz gewonnen werden. „Sich an die vorhandene Nahwärmeversorgung anzuschließen wäre ein Beitrag zum Klimaschutz und zu einer sicheren und unabhängigen Energieversorgung Vorarlbergs“, betont der Energiesprecher der Grünen.

Beim Betrieb des Nahwärmekraftwerks entstehen Emissionen, die in etwa jenen von vier mit Holzheizungen beheizten Einfamilienhäusern entsprechen.  Dennoch will die Wirtschaftskammer vorläufig Raumheizung und Warmwassererzeugung über die bestehende Gas- und Ölheizung beibehalten.

Umstieg steht derzeit nicht zur Debatte

Auf Basis einer VOL Live vorliegenden Kalkulation aus dem Jahr 2009 geht hervor, dass für das WIFI bei einer Umstellung auf Nahwärme Mehrkosten von etwa 350,- Euro im Monat anfallen würden. Durch den deutlichen Anstieg des Rohölpreises in den letzten beiden Jahren würde diese Summe bei einer Neuberechnung womöglich sogar weitaus niedriger ausfallen. Diese Investition stehe zurzeit jedoch nicht zur Debatte und werde in den nächsten Budgetgesprächen nächstes oder übernächstes Jahr geprüft. „Unsere Heizung ist auf dem neuesten Stand der Technik und wird laufend modernisiert. Deshalb ist ein Umstieg für uns derzeit kein Thema“, so Andreas Scalet, Pressesprecher der WKO Vorarlberg. Obwohl momentan nicht geplant ist, sich an das Heizkraftwerk anzuschließen, wurde im Zuge der Bauarbeiten am Nahwärmenetz auf Kosten der Kraftwerksbetreiber auch zum WIFI-Gebäude ein Anschluss gelegt. Warum die Umstellung auf Nahwärme nicht vorgenommen wurde, ist auch für unabhängige Energieexperten unverständlich, denn zum Zeitpunkt des möglichen Anschlusses an die Biomassenheizwärme im Herbst 2010 war die Heizzentrale des WIFI bereits 16 Jahre alt. Der Energiesprecher der Vorarlberger Grünen, Bernd Bösch, beurteilt diese Entscheidung als gänzlich falschen Schritt: „Hier nicht anzuschließen ist in meinen Augen vollkommen absurd.“ Hinzu kommt, dass das WIFI-Gebäude in Hohenems im Kerneinzugsgebiet der örtlichen Nahwärme liegt und somit auch die geografischen Voraussetzungen für den Umstieg auf Biomasse voll gegeben wären.

Energiezukunft Vorarlberg

Diese Entscheidung seitens der WKO ist besonders auch vor dem Hintergrund der momentanen Energiediskussion äußerst fragwürdig. Bei einem Verbrauch von immerhin 400.000 Kilowattstunden pro Jahr ist das WIFI einer der Großabnehmer von Energie im Stadtzentrum Hohenems. Die Energieziele des Landes Vorarlberg weisen deutlich in Richtung erneuerbare Energien und Energieautonomie für das Ländle. In diesem Zusammenhang ist die Entscheidung von WIFI und WKO Vorarlberg zwar wirtschaftlich vertretbar, jedoch umwelt- und energiepolitisch absolut unverständlich.

Durch die notwendige regionale Produktion von Hackgut würden außerdem Arbeitsplätze in Vorarlberg geschaffen. „Für mich als Unternehmer und Pflichtmitglied der Wirtschaftskammer ist es fast eine Provokation, wenn die Wirtschaftskammer solche Zeichen setzt“, so Bösch.

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