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„Höchste Zeit, etwas zu bewegen!"

In der evangelischen Kirche ist es Frauen längst erlaubt, ein Priesteramt auszuüben.
In der evangelischen Kirche ist es Frauen längst erlaubt, ein Priesteramt auszuüben. ©APA
Veronika Pernsteiner ist neue Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung. Sie fordert die Öffnung der Weiheämter für Frauen. WANN & WO hat in Vorarlberg nachgefragt.

Ein Evergreen der Diskussionsthemen wird von Veronika Pernsteiner (56), neue Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung, wieder entfacht: Sollen Frauen in Weiheämtern tätig sein dürfen? Sie fordert die Gleichstellung von Mann und Frau in der katholischen Kirche. „Tatsache ist, dass in der Taufe Mann und Frau gleich sind. Und es kann nicht das Geschlecht über dem Sakrament stehen“, erklärte die 56-Jährige im Standard-Interview. Friederike Winsauer, die Frauen­referentin der Katholischen Kirche Vorarl­berg, sieht das ähnlich: „Den Dienst der Frauen in der Seelsorge gerne anzunehmen und auch zu würdigen, ihnen aber eine gleichberechtigte Position in der Kirche und damit Entscheidungskompetenzen zu verweigern, ist diskriminierend gegenüber Frauen.“ Sie betont eine Weiterentwicklung des kirchlichen Amtsverständnisses, das für unsere Zeit angemessen ist. „Es ist unausweichlich, dass sich die Kirche für Frauen öffnet und eine Diakoninnenweihe zulässt“, betont Winsauer. Die Widersprüchlichkeit zwischen der behaupteten Gleichwertigkeit von Frauen und Männern und der Ungleichwertigkeit im Zugang zu den Weiheämtern schade nicht zuletzt der Glaubwürdigkeit der Kirche.

„Vielschichtig und komplex“

So bezeichnet Brigitte Dorner von der Jungen Kirche Vorarlberg die Öffnung der Weiheämter für Frauen. „Meiner Meinung nach sind es nicht so sehr die theologischen Gründe – im Gegenteil, es spricht einiges dafür, Frauen den Zugang zu Weiheämtern zu ermöglichen. Ich vermute, es ist die Angst vor den Konsequenzen, welche die Verantwortlichen hier zögern lässt“, betont sie. Als Folgerung sieht Dorner Problematiken wie Kirchenspaltung, Weltkirche und Ökumene.

„Dienst enorm wichtig“

Für Dominik Toplek, Jugendseelsorger und Priester, ist der Dienst von Frauen in den Pfarrgemeinden enorm wichtig: „Schon jetzt erlebe ich das Wirken von Frauen als segensreich, wenn sie Gottesdiensten (Wortgottesfeiern, Andachten, Totenwachen, Beerdigungen) vorstehen und so die Botschaft von Gott verkünden – ein Gott, der in dieser Welt durch das Wirken von Frauen und Männern präsent sein möchte.“ Er sieht die Türen zur Zulassung von Frauen zu Weiheämtern nicht mehr ganz so verschlossen, wie vor einigen Jahren. Toplek: „Ich bin fest davon überzeugt, dass eines Tages auch Frauen in den heute bekannten Weihe­ämtern zu finden sein werden.“ Die moderne theologische Forschung verweist auf einige Quellen, aus denen deutlich hervorgeht: Frauen haben im frühen Christentum eine noch ganz andere Rolle innegehabt. Frederike Winsauer merkt an: „Männer waren durchaus erfinderisch bei der Wahl der Methoden, Frauen im Umkreis Jesu und des früheren Christentums ‚verschwinden‘ zu lassen.“

Vorreiterrolle

„In der Evangelischen Kirche haben sich Frauen im Pfarramt bewährt“, sagt Pfarrerin Eva-Maria Franke aus Bludenz. Aus ihrer Sicht wäre es wünschenswert, dass es auch in der römisch-katholischen Kirche zur Gleichstellung von Mann und Frau kommt. Diese Meinung teilt auch Barbara Wedam, evangelische Pfarrerin in Dornbirn: „Durch das Sakrament der Taufe haben wir alle ein geistiges Amt übertragen erhalten. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Warum sollten also Frauen nicht ein kirchliches Amt übernehmen, wenn sie sich dazu in besonderer Weise berufen fühlen? Begabungen sollte man doch nicht brachliegen lassen, oder?“

Will Rom nicht zuhören?

„Macht die Fenster auf und tut, was das Leben von euch verlangt. Ich habe lieber eine Kirche, die etwas tut und dabei Fehler macht, als eine, die selbst krank wird, weil sie sich verschließt!“, mit Aussagen wie dieser weckt Papst Franziskus Hoffnung. Die Stimmen tendieren ganz klar hin zur Öffnung von Weiheämtern – will Rom also einfach nicht zu hören? Frauen­referentin Winsauer betont abschließend: „Es ist Zeit, höchste Zeit, etwas zu be­­wegen! Denn sonst ist nicht nur die Frau eine Verliererin, sondern vor allem die Kirche selbst.“

Hier die ganze Ausgabe der WANN & WO lesen!

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