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Hämmerle: "Es sieht gut aus"

Dornbirn - Auch wenn Meldungen in anderen Medien das Gegenteil suggerierten, sei die gestrige Darstellung der Situation rund um den insolventen Textilbetrieb F. M. Hämmerle in den Donnerstag-"VN" "absolut korrekt und zutreffend", bekräftigt Masseverwalter Dr. Wilhelm Klagian.

Nicht das „Aus“ für das Unternehmen sei die wahrscheinlichste Perspektive, sondern die Fortführung durch einen der zwei besagten Interessenten. „Es schaut recht gut dafür aus“, meint Klagian, der schon im Interesse von Gläubigern und Mitarbeitern „mit aller Kraft in diese Richtung“ arbeitet. Grundsätzlich könnte es bei F. M. Hämmerle dreierlei Entwicklungen geben, wie der Anwalt auf unsere Anfrage bestätigte. Wir stellen die drei möglichen Szenarien wie folgt vor:

Variante 1: Nahtlose Betriebsfortführung durch einen Gesamtübernehmer. Diese Lösung wird in der Woche ab Montag 18. August angestrebt. Dabei müssten alle 312 Beschäftigten aus dem Unternehmen austreten, die vom Übernehmer benötigten Mitarbeiter würden neu eingestellt. „Dabei dürfte es sich maximal um die Hälfte der heutigen Belegschaft handeln“, so Klagian in einer spontanen, unverbindlichen Einschätzung. Für die Gläubiger wäre dies die Bestvariante, da sie den höchsten Verwertungserlös verspricht: „Es könnten da gut 10, vielleicht fast 20 Prozent Quote herausschauen, zumal viel weniger Ansprüche wegen Dienstverhältnisbeendigung und keine Schadenersatzansprüche aus vorzeitiger Beendigung von Mietverhältnissen anfallen würden“, begründete Klagian die Erwartungshaltung. Apropos Mietverhältnisse: Der Betrieb Fischbach ist bei der J. H. Verwaltungs GmbH eingemietet (d. i. eine Gesellschaft des bisherigen Geschäftsführers Ing. Josef Hahnl), der Betrieb Steinebach bei der F. M. Hämmerle Holding AG, der Standort Sägen bei der Stadt Dornbirn. Bei Variante 1 müsste Klagian formell eine Betriebsschließung aussprechen, damit der Übernehmer ab der 34. Kalenderwoche F. M. Hämmerle vollumfänglich fortführen kann.

Variante 2: Beide Gesamtinteressenten springen ab, Klagian muss Hämmerle schließen. Das könnte frühestens Ende August geschehen, da zwischen der Meldung ans AMS (gemäß Frühwarnsystem) und der Schließung mindestens vier Wochen liegen müssen. Mitarbeiter würden, unter Assistenz der AK-Rechtsabteilung, zur Gänze oder überwiegend ihren Austritt aus dem Unternehmen erklären. Für die Gläubiger dürften bei diesem Szenario maximal zehn Prozent Quote erlösbar sein: „Erstens, da Anlagegüter und Warenlager, Position für Position, an den jeweiligen Bestbieter veräußert werden müssten – das kann gern ein Jahr dauern. Und zweitens, weil die Räumlichkeiten für diesen Zeitraum ja weiter gemietet werden müssten – bei 100.000 Euro monatlichen Mietkosten würde der Verwertungserlös also weitestgehend aufgefressen“, veranschaulichte Klagian die absehbare magere Ausbeute in so einem Fall.

Variante 3: Teilinteressenten sichern sich „Hämmerle-Schnäppchen“. Laut Klagian gibt es sehr wohl Interessenten, die nur die Garnfärberei, Teile der Weberei oder die Produktion / Kollektion der Bettwäsche kaufen möchten – bei dieser Vorgehensweise dürften Gläubiger mit zehn Prozent oder einer geringfügig höheren Quote rechnen. Für die Mitarbeiter würde dies bedeuten, dass ein Teil von ihnen im jeweils übernommenen Segment wohl auch weiter Beschäftigung fände – diese Hoffnung dürfte sich aber nur für einen Bruchteil der heutigen Hämmerle-Mannschaft erfüllen.

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