Historischer Fund in Kirchturmkugel

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edithhaemmerle ©Wolfgang Klocker sortierte und bearbeitete die historischen Dokumente.
Kirchturmsanierung St. Sebastian

Bei der Abnahme der Turmkugel wurde die Kupferkassette mit historischen Dokumenten geöffnet.
Dornbirn. Der Kirchturm von St. Sebastian kann weit zurückblicken und hat viel zu erzählen. Als die Oberdorfer Kirche im Jahr 1826 erbaut wurde, war der Turm noch mit einem Holzschindeldach bedeckt. Auch verschiedene Kriege hat der Turm nicht unbeschadet überstanden. 1870 wurde die Zwiebel mit einem Blechdach versehen, 1925 bekam sie die heutige Kupfereindeckung. Weitere Reparaturen waren 1959 notwendig.
Nach Beschluss der neuesten Kirchensanierung 2011, ist der Turm von St. Sebastian bereits seit Juli eingerüstet. Vor wenigen Wochen, am 26. August, wurde die Goldkugel samt Kreuz vom Turm heruntergenommen. Dabei konnte eine zylinderförmige Kassette aus Kupfer unbeschadet aus der Turmzier entnommen werden. Ein besonderer Augenblick war das Öffnen der Kassette. In Anwesenheit von Restauratorin Beatrice Pfeifer, Bauleiter Karl Heinz Summer, Ewald Fritz (Fa. Heinzle), Barbara Grabherr-Schneider (Bundesdenkmalamt), und Wolfgang Klocker (Kirchenrat), wurde der Inhalt behutsam aus dem Kupferbehälter gezogen. Michael Klocker hielt das Ereignis mit seiner Kamera fest.

Historische Dokumente
Ein Unikat mit Seltenheitswert aus dem Jahr 1870, in Kurrentschrift verfasst, und eine Fotographie aus dieser Zeit, kamen aus der Kassette zum Vorschein. Mit der Hilfe einer Nachbarin, Frau Erika Kalb, die die Kurrentschrift noch perfekt beherrscht, sortierte und übersetzte Klocker die alten Schriftstücke, um sie für alle lesbar zu machen. Erwähnenswert ist ein Dornbirner Gemeindeblatt vom 10. und 17. Juli 1870. Ebenso Feldpostkarten von Soldaten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges 1915 bis 1925, und Ansichten von Dornbirn aus dieser Zeit. Als Besonderheit deutete Wolfgang Klocker auf ein Schriftstück, einen Kirchenbesucherzählerbogen von 1958. “Wie penibel man damals die Zählbogen von Hand ausfüllte, ist erstaunlich”, bemerkt Klocker, “auch die Banknoten in alter Währung (Kronen, Reichsmark und Schilling), die zum Vorschein kamen, haben historischen Wert.”

Sanierung schreitet fort
Die Sanierungsarbeiten am Kirchturm werden fortgesetzt. “In den nächsten Tagen bekommt der Turm einen neuen Anstrich. Die Schäden an und im Bereich der Turmuhr und an der Kupferkuppel werden repariert, das Ziffernblatt neu bemalt”, gibt Klocker Auskunft über den Fortgang der Arbeiten. Die Restauration der Goldkugel und des Kreuzes übernimmt Restauratorin Beatrice Pfeifer. Mit den Einnahmen, “seit Anfang dieses Jahres kamen über 40.000 Euro an Spenden herein”, gibt sich Klocker auch mit dem Verlauf der Finanzen zufrieden.

Factbox
Auszug aus dem Dokument von 1870

Bürgermeister in Dornbirn ist:
hwl. Dr. Waibel
” Otto Fussenegger Vorsteher im Markt
” Jos. Ant. Albrich d. Vorsteher Oberdorf:
” Anton Rüf d. Vorsteher Hatlerdorf
” F. J. Ölz d. Vorsteher Haselstauden

Es lag auch noch ein “Beipackzettel” mit folgendem Text in der Kugel:
“Dieses Paquet wurde vor Aufziehen des Knopfes den 27. Juli 1870 Morgens 9 Uhr zusammen gemacht von Ferdinand Huber, Commis bei Fa. F.M. Hämmerle.
Gebe Gott, das beim Lesen dieser Zeilen dem Fortschritt kein so großer Hemmschuh
angelegt werde wie heute.”
(Aus der Kurrentschrift übertragen am 26.8.2011 von Erika Kalb, bearbeitet von Wolfgang Klocker)

Sebastianstraße 1,Dornbirn, Austria

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